Elektroindustrie

General Electric: Nur drei Sparten bleiben

Nach dem Verkauf des Gasmotorenherstellers Jenbacher will GE auch die lukrative Medizintechnik und die Belieferung der Ölindustrie abspalten. Damit bleiben vom einst stolzen Industrieriesen, viele Jahre der wertvollste Konzern der Welt, nur mehr drei Sparten übrig.

Das US-Industriekonglomerat General Electric (GE) spaltet sich auf. Vorstandschef John Flannery will sich vom lukrativen Medizintechnik-Geschäft trennen und aus dem Geschäft mit der Ausrüstung der Öl- und Gas-Industrie aussteigen.

Drastisch verschlanken will Flannery auch die Zentrale: Die Hauptverwaltung soll sich künftig vornehmlich um die Strategie, die Kapitalbeschaffung und das Personalwesen kümmern. Der Rest werde auf die Sparten verlagert. Damit will Flannery bis 2020 die Kosten um mindestens 500 Mio. Dollar senken. Der Umbau kostet aber erst einmal 800 Mio. bis 1,2 Mrd. Dollar.

Plan des Konzernchefs erinnert sehr an Siemens-Chef Joe Kaeser

Der Plan Flannerys ähnelt sehr der Strategie bei Siemens. Tatsächlich ist der Erzrivale an der Börse inzwischen mehr wert als GE. In München baut Konzenchef Joe Kaeser gerade den traditionsreichen Industrietanker in einen "Flottenverbund" weitgehend selbstständiger Unternehmen um, die schneller und flexibler agieren sollen. Gleichzeitig werden auch in München Einsparungen in der Verwaltung erwartet.

White Paper zum Thema

So hat Siemens im Mai seine Medizintechniksparte Healthineers an die Börse gebracht. Gerade wird die Bahnindustriesparte Siemens Mobility mit der Sparte des französischen Konkurrenten Alstom fusioniert. Zumindest an Healthineers will Siemens langfristig die Mehrheit behalten.

Details seiner neuen Strategie "Vision 2020+" will Kaeser laut Eingeweihten im August vorstellen. Der Überblick dazu: Siemens als "Flottenverbund": Die letzte Phase zeichnet sich ab >>

Diese drei Sparten bei GE sollen bleiben

Diese drei Sparten bei GE sollen im Wesentlichen übrig bleiben: das Geschäft mit Flugzeugantrieben, mit Kraftwerken sowie mit erneuerbaren Energien. "Ddrei sich hochgradig ergänzende Geschäfte, die auf Wachstum programmiert sind", wie Flannery schwärmt. "Wir gehen voran mit dem Ziel, unsere Gesellschaft einfacher und stärker zu machen und das Wachstum der Sparten zu beschleunigen." Sein Plan, sich von Unternehmensteilen im Wert von rund 20 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) zu trennen, sei damit praktisch abgeschlossen.

Dagegen soll GE Healthcare abgespalten und 80 Prozent der Aktien in den nächsten 12 bis 18 Monaten an die GE-Aktionäre verschenkt werden, wie der Mischkonzern mitteilte. Den Rest will Flannery zu Geld machen. Die Medizintechnik-Sparte, die vor allem in der Bildgebung (Röntgen, MRT, Ultraschall) mit Siemens Healthineers konkurriert, steht mit rund 19 Mrd. Dollar für mehr als 15 Prozent des Konzernumsatzes.

Auch die Beteiligung am erst vor knapp einem Jahr geschmiedeten Öl- und Gas-Ausrüster Baker Hughes will GE binnen zwei bis drei Jahren wieder abstoßen. Der Konzern hält 62,5 Prozent der Anteile an dem börsennotierten Unternehmen, das 2017 auf einen Umsatz von 17,2 Mrd. Dollar kam.

Mehr zur Aufspaltung:
Alstom steigt aus allen Gemeinschaftsfirmen mit GE aus >>

Finanzfirmen applaudieren schon

Den Investoren an der Börse gefallen die Pläne. Die GE-Aktie schnellte um sieben Prozent nach oben - obwohl sie seit wenigen Tagen zum ersten Mal seit 1907 nicht mehr Teil des meistzitierten Börsenindex der Welt, des Dow-Jones-Index, ist. Zu dem Kursplus trug auch Flannerys Aussage bei, dass sich an der Dividende von 48 Cent im Jahr bis zur Abspaltung der Medizintechnik nichts ändern werde. Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob GE 2019 überhaupt noch eine Dividende zahlen werde.

Der erzwungene Abschied aus dem Dow-Jones-Index ist ein Zeichen für den Niedergang des einstigen Aushängeschilds der US-Wirtschaft: Noch vor zwei Jahren war GE unter den zehn am höchsten bewerteten Konzernen der Welt, zuletzt reichte es nicht einmal mehr für die "Top 150". Weiters: Nach 110 Jahren: GE fliegt aus dem Dow Jones >>

Verkauf von GE Jenbacher fixiert

Flannery hatte vor einem Jahr die Führung des angeschlagenen Konzerns übernommen und arbeitete seither an der Strategie. Erst am Montag hatte GE den 3,25 Mrd. Dollar schweren Verkauf des Geschäfts mit Gasmotoren und Stromaggregaten um die österreichische Tochter Jenbacher an den Finanzinvestor Advent perfekt gemacht.

Die Verkehrstechnik mit der Produktion von Lokomotiven soll mit dem Konkurrenten Wabtec fusioniert werden. Zuletzt dazu: Verkauf von GE Jenbacher fixiert - Finanzfirma Advent verspricht jetzt Investitionen >>

Weiter Milliardenschulden

GE will mit dem Umbau die Schulden um 25 Mrd. Dollar reduzieren. Die Finanzsparte GE Capital, die viele Projekte von GE-Kunden in der Energietechnik und der Industrie finanziert, die GE aber in den Strudel der Finanzkrise gezogen hatte, soll eingedampft werden. Trotzdem braucht sie voraussichtlich 2019 drei Milliarden Dollar frisches Kapital. Auch das Versicherungsgeschäft, das Milliarden-Abschreibungen ausgelöst hatte, will GE zumindest zum Teil loswerden. (red mit reuters/apa)

Verwandte tecfindr-Einträge