Verpackungsindustrie

Gegen Plastikmüll: Molkerei Berglandmilch stellt auf Mehrweg um

Die Molkerei Berglandmilch nimmt viel Geld in die Hand, um bei Milchverpackungen auf ein Mehrwegsystem mit Glasflaschen umzustellen. Für Umweltschutzorganisationen ist das der einzige Weg, die Müll-Lawine einzudämmen. Der Getränkeverband ist trotzdem gar nicht begeistert.

Die Ankündigung der Molkerei Berglandmilch, bis Ende des Jahres die Milch in der Glasflasche auf ein Mehrwegsystem umzustellen, ist von Umweltorganisationen und den Grünen gelobt worden. Kritik kam wiederum vom Getränkeverband, der in einer Aussendung meinte, dass Einweg in Österreich genauso gut sei wie Mehrweg.

Bei Billa ist ein Rückgabesystem schon gut etabliert

Auch "Ja! Natürlich", die Handelsmarke des Lebensmittelkonzerns Rewe (Billa), stellt ab Herbst ihre Milch-Glasflaschen auf ein Mehrweg-System um. Möglich ist dies durch das flächendeckend vorhandene Rückgabe-System der Rewe-Group in Österreich, welches schon für Bier und Mineralwasser gut etabliert ist, hieß es. Seit Frühjahr 2018 gibt es die Milch in Glasflaschen. Fast ein Viertel wird bereits in der Glasflasche gekauft, informierte Rewe. Seit Beginn sei es das Ziel gewesen, möglichst bald auf ein Mehrweg-System umstellen zu können.

Lob von Umweltorganisationen

Für Global 2000 ist die Umstellung "sowohl für die Umwelt, als auch für Konsumenten bahnbrechend und extrem erfreulich", sagte Mitarbeiterin Lisa Kernegger. "Zum einen wird durch die Einführung Verpackungsmüll reduziert, zum anderen erhöht es den Mehrweganteil in den Regalen." Global 2000 hofft, dass damit eine Trendumkehr eingeleitet und der Anteil an Mehrwegflaschen erhöht wird. Laut der Umweltschutzorganisation lag der Mehrweganteil bei Getränken im Jahr 2000 noch bei etwa 60 Prozent, derzeit stabil bei 22 Prozent.

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Die Grünen sehen ein Weiterkommen im Kampf gegen die Plastikflut und einen Wunsch der Konsumenten erfüllt. "Wenn wir beim Bier seit Jahrzehnten ein funktionierendes Mehrwegsystem haben, dann schaffen wir das auch bei der Milchflasche", sagte Stefan Kaineder, stellvertretender Bundessprecher der Partei und Landtagsabgeordneter aus Oberösterreich. Alle Plastikmüllprobleme könnten mit Getränke-Mehrweg-Systemen aber nicht gelöst werden.

Die Umweltorganisation "die Umweltberatung" zeigte sich auch erfreut über die Mehrwegflaschen. Berglandmilch würde damit "auch eine Vorreiterrolle bei innovativen und ökologischen Mehrwegverpackungen" einnehmen. Eine Ausweitung des Mehrwegangebotes für Bier in 0,33-Liter-Flaschen wäre ein "toller nächster Schritt", meinte die Organisation in einer Aussendung.

Getränkeverband will die Vorteile nicht nachvollziehen

Der Verband der Getränkehersteller Österreichs sieht keine Vor-oder Nachteile von Glas-Mehrwegflaschen gegenüber PET-Einweggebinden in Österreich. Das habe auch eine Studie des Instituts für Energie-und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) 2004 gezeigt, hieß es.
Ausschlaggebend sei hierfür das hohe Sammel- und Recyclingniveau in Österreich. Acht von zehn PET-Flaschen werden hierzulande bereits in der getrennten Sammlung erfasst und können dadurch zu hochwertigem Sekundärrohstoff für neue PET-Gebinde verarbeitet werden, betonte der Getränkeverband.

Allerdings ist auch Recycling extrem energieaufwendig - und gelingt nur, wenn sortenreine Abfälle vorliegen. Das ist nur bei einem Teil des gesammelten Materials der Fall. (apa/red)

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