Elektroautos

Gegen den Vorsprung Asiens: Europäische "Batterieallianz" gesucht

Mit einem Industrieverband für Autobatterien will die EU den wachsenden Rückstand auf Hersteller aus Japan, Südkorea und China aufholen. Für die Autoindustrie stellen sich dabei mehrere problematische Fragen.

Europa will seinen Rückstand auf dem schnell wachsenden Batterie-Markt für Elektroautos und Energiespeicher durch eine Konzentration auf umweltfreundliche Technik aufholen.

Dies sei eine der Prioritäten für eine europäische Batterie-Allianz, die am kommenden Freitag bei einem Industrietreffen in Brüssel verabschiedet werden sollten, sagte der für Energie zuständige Vize-Kommissionspräsident.

"Grüne Batterien" wären demnach "ein Wettbewerbsvorteil" auf dem bisher von asiatischen Firmen dominierten Markt, so Maros Sefcovic.

Dutzende Hersteller arbeiten daran - jeder für sich

Europa brauche eine Kapazität von 200 Gigawattstunden für diese Art der Energiespeicher. Wesentlich werde sein, dass es eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Unternehmen in der EU gebe.

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Derzeit würden 80 Teilnehmer an dieser europäischen Wertekette arbeiten, es sei wichtig, dass es zu keiner Fragmentierung komme. Kein Land allein könne diese Aufgabe der Batterie-Produktion für Elektroautos übernehmen. Es sei auch wichtig, dass die für die Herstellung notwendigen Materialen später wiederverwendet werden können. Mehr dazu: Rohstoffexperten warnen vor Engpässen bei Lithium und Kobalt >>

Die teuerste Komponente des ganzen Elektroautos

Bei Elektroautos sind Batterien das teuerste Bauteil und gleichzeitig das entscheidende für deren Attraktivität.

Europas Autohersteller könnten deshalb in Zukunft immer weniger an der Wertschöpfung beim Bau von Fahrzeugen verdienen, was auch negative Folgen für Arbeitsplätze haben würde.

Batterieproduktion ist chemische Industrie - und alles andere als eine Jobmaschine

Allerdings müssen sie bei der Entscheidung für oder gegen eigene Batterieherstellung eine noch größere Frage beantworten - nämlich, ob sie als Autobauer bereit sind, zum Chemiefabrikanten zu werden. Denn die Produktion von Batteriezellen ist nichts anderes als chemische Industrie.

Und: hochautomatisierte Zellproduktion von Autobatterien ist alles andere als eine Jobmaschine. Trotzdem fordern auch Gewerkschaften wie die deutsche IG Metall eine Zellproduktion in Deutschland, weil sie um die Gewinnmöglichkeiten der wichtigsten Industrie des Landes bangt.

Hintergrund zu dieser Frage:

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Immer wichtiger werden Autobatterien auch für die Energiewende und die Nutzung der stark unregelmäßigen erneuerbaren Energien Wind und Sonne. Die tausenden kleinen Speicher in Elektroautos können dann als Zwischenspeicher des gesamten Energiesystems eingesetzt werden.

Weitere "Prioritäten" der Batterieallianz sind laut Sefcovic die "Vereinfachung der Genehmigungsverfahren" für den Abbau von Rohstoffen für die Batterien sowie die Entwicklung von Standards für Produktion, Software, Sicherheit und Recycling. Geplant sei zudem die Bündelung von Kapazitäten für die Entwicklung der Batterien.

Pilotprojekte und Staatshilfen - aber bisher nur in der Planung

Die EU prüfe ihrerseits die Nutzung von Finanzmitteln für Pilotprojekte und die Qualifizierung von Beschäftigten, sagte Sefcovic. Bei Umschulung und Weiterbildung gebe es laut Industrie einen Bedarf für "300.000 bis 400.000 Arbeitnehmer bis zum Jahr 2020" in Europa.

Der Batterie-Markt wird laut Sefcovic nach Schätzungen von Industrievertretern im Jahr 2025 weltweit rund 250 Milliarden Euro schwer sein. Um allein seinen Bedarf zu decken, brauche Europa zehn bis 20 "Giga-Firmen" zur Batterieherstellung.

Airbus als Vorbild, Siemens dabei

Die Kommission hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr eine EU-Batterie-Allianz aus der Taufe gehoben. Sie soll nach dem Vorbild des Flugzeugbauers Airbus europäische Kapazitäten zur Produktion bündeln.

Von deutscher Seite ist unter anderem das deutsche Batterie-Konsortium TerraE sowie der Siemens-Konzern mit von der Partie. Siemens will dabei vor allem Software für die Batterie-Steuerung bereitstellen und zur Automatisierung der Produktion beitragen. 

(red/AFP/APA/red)

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