Eva Schinkinger ist CEO und Vorstandsvorsitzende des Draht-, Kabel- und Leitungssystemherstellers GG Group (Gebauer & Griller).

Agiles Arbeiten

Gebauer & Griller-CEO Eva Schinkinger: "Ein regelrechter Innovationsschub für die Organisationsentwicklung"

Inmitten der Viruspandemie vollzieht der globale Kabelhersteller GG Group den Wandel vom präsenzorientierten Bürobetrieb zum digital unterstützen Mobile Working. Einen Einblick in die Transformation gibt GG-CEO Eva Schinkinger.

Weiß die künftige gruppenweite Einführung von Mobile Working gut zu begründen: GG Group-CEO Eva Schinkinger

Unternehmen und hier vor allem das Managementteam müssen in einer Krise einen starken Fokus auf verfügbare Fakten, deren Abbildung in Szenarien und logisch bedingtes Handeln haben. Das Management muss auf Basis der erarbeiteten Fakten Entscheidungen, auch harte Entscheidungen treffen. Dies schließt jedoch nicht aus, die Mitarbeiter und natürlich andere Stakeholder in dieser Zeit transparent und laufend einzubinden. 

Im Gegenteil, ein transparenter Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen auf Augenhöhe kann das Fundament für neue Schritte in der Organisationsentwicklung bilden. Nach gut fünf Monaten mit Covid-19 können wir feststellen, dass die Krise wie in vielen großen Unternehmen auch GG einen regelrechten Innovationsschub in Bezug auf Organisationsentwicklung beschert hat.

Die veränderte Gesamtsituation im Lockdown war für GG eine besondere Herausforderung, weil wir als Unternehmensgruppe mit familiärem Background großen Wert darauf legen, die Mitarbeiter egal ob im Büro oder im Werk mit ihrem unterschiedlichsten Anforderungen von fehlender Kinderbetreuung bis hin zu Problemen bei Grenzübertritten am täglichen Weg zu Arbeitsplatz bestmöglich zu unterstützen. Die Berücksichtigung der persönlichen Lebensumstände unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat uns in weiterer Folge viele Innovationsoptionen im praktischen Sinne aufgezeigt und eine Art freien Versuchsraum für die unterschiedlichsten Formen der Organisationsentwicklung und Zusammenarbeit geschaffen. 

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Bewusst wenige Rahmenvorgaben

Wir haben in den ersten Wochen der Krise bewusst nur einige Rahmenvorgaben zu Sicherheit und Performance aufgestellt und den lokalen Führungskräften freie Hand bei der agilen Gestaltung der Arbeitsabläufe, der virtuellen oder präsenzorientierten Zusammenarbeit und der Nutzung digitaler Kollaborationsplattformen innerhalb ihrer Teams gelassen und damit ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Daraus hat sich nach wenigen Wochen ein Best-Practice GG Covid-Regelungswerk entwickelt, mit dem wir weiterhin gut durch die Krise kommen werden. Anpassungen sind dennoch jederzeit möglich und Feedback auch aktiv erwünscht.

Vielzahl positiver Nebeneffekte

Eine interne, gruppenweite Erhebung Mitte Mai hat gezeigt, dass sich eine Vielzahl positiver Nebeneffekte aus der veränderten Arbeitssituation eingestellt haben: Neben einer gesteigerten, inhaltlichen Verbesserung und einer dramatischen zeitlichen Verkürzung von Meetings, der präziseren, schriftlichen Dokumentation von laufenden Projekten und einer drastischen Reduktion nicht unbedingt notwendiger Dienstreisen ist vor allem der Faktor der räumlichen Flexibilität als Erfolgsfaktor für effiziente Zusammenarbeit stark in den Vordergrund gerückt. 

Wir haben uns deshalb als logische Konsequenz entschieden einen schwungvollen organisatorischen Schritt nach vorne zu gehen und zukünftig gruppenweit Mobile Working einzuführen. Damit geben wir allen Mitarbeitenden innerhalb der natürlichen Grenzen ihrer Tätigkeit die Möglichkeit zum ortsflexiblen Arbeiten. Wir haben im Praxistest deutlich gesehen, dass unsere Kollegen diese zusätzliche Flexibilität sehr schätzen und mit großem Verantwortungsbewusstsein, gesteigerter Motivation und Leistungsbereitschaft beantworten. Wir erzielen dadurch eine klare Win-win-Situation für alle Beteiligten. 

Wir sind natürlich nicht so blauäugig zu glauben, dass der kulturelle Wandel vom präsenzorientierten Bürobetrieb hin zum modernen, digital unterstützen Mobile Working durch den Erlass einer globalen Richtlinie erledigt wäre. Genau an dem Punkt, wo der von Logik getriebene Entwicklungsprozess der Organisation endet, beginnt nämlich der persönliche und emotionale Entwicklungsprozess der Menschen, die den Wandel von einer Präsenzkultur, die Anwesenheit oftmals mit Leistung gleichsetzte, zu gelebter und höchst transparent nachvollziehbarer Ergebnisorientierung möglich macht. 

Gezielte Begleitmaßnahmen

Wir werden auch diese Phase der persönlichen Entwicklung sowohl bei Führungskräften als auch bei Mitarbeitern durch gezielte Begleitmaßnahmen und transparente interne Kommunikation unterstützen und fördern, weil wir uns sicher sind mit mehr Flexibilität und Vertrauen in die Fähigkeiten und in die Reife unserer Mitarbeiter genau richtig zu liegen. Schließlich sind der Fokus Mensch, Innovation und Verantwortung drei unserer grundlegenden Unternehmenswerte und wir sind überzeugt, diese herausfordernde Zeit der Krise somit auch als Chance zu nutzen und so nicht nur gut, sondern organisatorisch stärker aus der Krise zu kommen.

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