Erdgas

Gazprom: "Nord Stream 2 nicht mehr aufzuhalten" - kein Antrag in Dänemark

Die umstrittene russische Gasröhre durch die Ostsee sei "nicht mehr aufzuhalten", meint Alexej Miller, der Chef von Gazprom. Um Dänemark will der russische Gasriese beim Bau einen großen Bogen machen.

Trotz anhaltender Kritik aus dem Ausland und drohender US-Sanktionen ist die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 nach Angaben des russischen Staatskonzerns Gazprom nicht mehr zu verhindern. Er gehe davon aus, dass die Gasleitung zwischen Russland und Deutschland "strikt gemäß des vorgesehenen Zeitplans umgesetzt wird", sagte Gazprom-Chef Alexej Miller.

Demnach soll die unter der Ostsee verlaufende Pipeline, an deren Finanzierung sich auch die OMV beteiligt, Ende des Jahres fertig sein und nächstes Jahr in Betrieb gehen. Dadurch sollen sich die russischen Gaslieferungen an Deutschland verdoppeln. Die letzte große Hürde für das elf Milliarden Euro teure Projekt ist die Zustimmung Dänemarks, dass die Gasleitung durch seine "ausschließliche Wirtschaftszone", ein Seegebiet jenseits des Küstenmeeres, verlaufen darf.

Die dänische Energiebehörde hatte eine Umweltstudie gefordert, bevor der Bau durch sein Meeresgebiet bewilligt werden kann. Gazprom ging dagegen in Berufung.

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Miller sagte dazu nun bei der jährlichen Aktionärsversammlung seines Unternehmens in St. Petersburg: "Die Arbeiten gehen voran. Das Projekt hat bereits seit einiger Zeit den Punkt überschritten, an dem eine Umkehr noch möglich gewesen wäre, es gibt keinerlei Rechtsmittel, um die Arbeiten zu stoppen."

Nord Stream 2 stößt vor allem in Osteuropa und den USA auf Ablehnung. Zum einen sind die Kritiker beunruhigt, dass die Abhängigkeit Westeuropas von russischen Energielieferungen weiter zunimmt. Zum anderen besteht die Sorge, dass Moskau den Druck auf die Ukraine weiter erhöht, weil das Nachbarland für Russland als Transitland für Energieexporte an Bedeutung verliert. US-Präsident Donald Trump drohte bereits, Nord Stream 2 und daran Beteiligte mit Sanktionen zu belegen.

Gazprom lässt den Antrag in Dänemark fallen

Im Konflikt mit Dänemark soll die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 nun einen großen Bogen um eine Insel im Norden machen. Ein Antrag für die Route durch dänische Hoheitsgewässer südlich der Insel Bornholm sei zurückgezogen worden, teilte das in der Schweiz ansässige Unternehmen Nord Stream 2 mit.

"Wir sehen uns zu diesem Schritt verpflichtet, da die dänische Regierung in den zwei Jahren seit der Antragstellung keinen Hinweis auf eine Entscheidungsfindung gegeben hat", erklärte Unternehmenschef Matthias Warnig der Mitteilung zufolge.

Er betonte zugleich: "Sowohl Nord Stream 2 als auch unsere Investoren sind auf Rechtssicherheit und den Investorenschutz angewiesen." Dies sei umso wichtiger, "da der Bau in den Gewässern von vier weiteren Ländern bereits weit fortgeschritten ist".

Die Entwickler hinter der Pipeline haben nach eigenen Angaben zwei weitere alternative Routen beantragt. Beide lägen außerhalb der Hoheitsgewässer von Dänemark, hieß es. "Daher ist eine Empfehlung des Außenministers hier nicht erforderlich."

Der Chef des russischen Staatskonzerns Gazprom, Alexej Miller, hatte zuvor der Agentur TASS zufolge betont, selbst wenn keine Genehmigung aus Dänemark vorliegen sollte, könnten die Arbeiten an der Leitung planmäßig Ende 2019 abgeschlossen werden. Durch die Rohre parallel zur Pipeline Nord Stream 1 sollen jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas nach Deutschland kommen. (afp/apa/red)