Nord Stream II

Gazprom & Co. machen Druck auf Politik

Zuckerbrot und Peitsche: Gazprom und die europäische Gasbranche machen Druck, um den politischen Widerstand in der EU gegen Nord Stream 2 zu überwinden. Viele würden Gas nicht als Werkzeug, sondern als Waffe sehen, heißt es von Gazprom.

"Gazprom ist der einzige Lieferant, der Gas in jeder beliebigen Menge flexibel und verlässlich nach Europa liefern kann", sagte der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedew. Die von Europa benötigte Gasmenge zu produzieren sei kein Problem, sagte Medwedew, aber man müsse jetzt in die nötige Infrastruktur investieren, um flexibel auf den Bedarf der europäischen Kunden reagieren zu können. Eine verlässliche Gasversorgung sei eine wichtige politische Frage, auf die man jetzt Antworten finden müsse und nicht später, sagte Medwedew. 

"Wir machen Nord Stream 2 nicht, weil wir die Ukraine aus dem Markt drängen wollen, sondern weil unsere britischen, holländischen, deutschen und österreichischen Partner Gas auf direktem Wege bekommen wollen", das sei die günstigste und auch ökologisch sinnvollste Möglichkeit. "Gazprom kann mit seinen westlichen Partnern eine starke Infrastruktur für Gaslieferungen bauen, die den europäischen Steuerzahler keinen einzigen Euro kosten wird."

Bedarf sei da, so auch die OMV

Durch die Ostseepipeline Nord Stream 2 soll von 2019 an Gas von Russland nach Deutschland gepumpt und von dort auch in andere Länder verteilt werden. "Aber leider sehen viele Gas nicht als Werkzeug, sondern als Waffe", sagte Gazprom-Aufsichtsratschef Viktor Zubkov. Der Bedarf nach zusätzlichen Transportkapazitäten sei gegeben, sagte Zubkov. "Ich erinnere mich an Diskussionen vor einigen Jahren, weil viele sagten, Nord Stream sei nicht notwendig für Europa. Aber das hat sich als falsch herausgestellt. Nord Stream ist derzeit voll ausgelastet." Mit dem Projekt Nord Stream 2 liege man gut im Zeitplan.

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Auch OMV-Vorstand Manfred Leitner zweifelt nicht daran, dass Nord Stream 2 gebraucht wird. Die Eigenproduktion von Erdgas in Europa sei stark rückläufig, gleichzeitig bleibe Gas aber das Rückgrat der Energieversorgung der europäischen Industrie und Haushalte. Oft werde Flüssig-Erdgas (LNG) als Alternative ins Spiel gebracht, "aber die schlechte Nachricht ist, dass auch andere Regionen in der Welt sich um LNG bemühen und traditionell höhere Preise bezahlen als Europa". Allerdings sei Europa in einer günstigen geographischen Situation: "Russland mit den größten Gasreserven der Welt liegt direkt vor unserer Haustür." Europa brauche zusätzliche Infrastruktur, um dieses Gas der europäischen Wirtschaft zur Verfügung stellen zu können. Die Finanzierung von Nord Stream 2 werde zur Gänze privat und ohne europäische Steuergelder erfolgen, betonte Leitner bei der "European Gas Conference" in Wien.

Ein Problem dabei seien die volatilen Öl- und Gaspreise, sagte Zubkov. "Der Verfall der Gaspreise hat zwei Jahre gedauert, aber sie können in nur zwei Monaten auch wieder steigen." Dieser Unsicherheit müsse man gemeinsam begegnen, am besten durch langfristige Lieferverträge mit stabilen Preisen. (apa)