Stahlindustrie

Fusionsgespräche zwischen Thyssenkrupp und Tata Steel wegen Brexit gestoppt - Medien

Für Thyssenkrupp und Tata Steel ist der Brexit eine zusätzliche Schwierigkeit auf dem Weg zu einer möglichen Fusion des europäischen Stahlgeschäfts. Den Kern der Fusionspläne bilden Insidern zufolge nicht Werke in England, sondern die Ijmuiden-Anlage in Holland.

Die Gespräche von Thyssenkrupp und Tata über eine mögliche Fusion ihres europäischen Stahlgeschäfts werden Insidern zufolge durch die britische Brexit-Entscheidung belastet. Das Votum für einen Austritt der Briten aus der EU mache die Verhandlungen nicht einfacher, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters (hier ein Bericht des ARD-Senders WDR zum Thema). Zuvor haben das "Handelsblatt" und "Der Spiegel" darüber berichtet.

Geld aus London als entscheidender Faktor

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" liegen die Gespräche sogar auf Eis. Denn die Konzerne bräuchten für die geplante Zusammenarbeit die Unterstützung der britischen Regierung.

Denn der scheidende Premierminister David Cameron hatte Unterstützung bei der Suche nach einem Käufer für Aktivitäten von Tata in Großbritannien zugesagt - darunter auch mit großen Geldsummen. Doch nach dem Referendum hat er seinen Rücktritt angekündigt.

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Kern der Fusionspläne ist das Stahlwerk im niederländischen Ijmuiden

Nach Camerons Rücktritt sei ungewiss, ob die künftige britische Regierung an den ausgehandelten Hilfen festhalte, wie die deutschen Medien berichten. Allerdings schreiben die Blätter auch, dass der britische Tata-Standort eigentlich nicht im Fokus des Stahlriesen Konzerns Thyssenkrupp stehe: Kern der geplanten Zusammenlegung sei die Tata-Anlage im niederländischen Ijmuiden.

Ein Sprecher von Thyssenkrupp am Konzernsitz in Essen lehnte einen Kommentar ab: "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", so der Sprecher.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte erst vor wenigen Tagen gesagt, eine Neuordnung der von Überkapazitäten und Billig-Importen gebeutelten europäischen Stahlindustrie sei weiter ungewiss. Ob, wann, wie und mit wem es Zusammenschlüsse geben könnte, sei offen.

Der Rückblick: Tata will seine Stahlsparte in Europa verkaufen

Tata hatte erklärt, sich von seiner kompletten Großbritannien-Sparte mit 15.000 Beschäftigten trennen zu wollen. Cameron hatte noch im Mai erklärt, es gebe ein "ermutigendes Interesse" seitens der Kaufinteressenten.

Thyssenkrupp und Tata planen Insidern zufolge, bei einer Fusion nur wettbewerbsfähige Stahlstandorte in Europa zu betreiben - zu denen gehören die älteren britischen Werke nicht. In Branchenkreisen hatte es geheißen, Thyssenkrupp und Tata strebten einen Zusammenschluss ihrer Werke in Deutschland und den Niederlanden an. Dazu müsse aber eine Lösung für die britischen Werke Tatas gefunden werden.

Brexit als ernste Bedrohung für britische Stahlindustrie: "Situation ist einmalig"

Branchenkenner in Großbritannien hatten bereits erklärt, ein Aus für das Tata-Werk in Port Talbot in Wales sei durch den Austritt aus der Europäischen Union noch einen Stück näher gerückt.

"Die Entscheidung für einen Brexit wird unsere Stahlindustrie erschüttern", hatte Gareth Stace vom britischen Branchenverband UK Steel prognostiziert. Die Stahlbranche habe schon immer mit Herausforderungen kämpfen müssen, doch die aktuelle Situation sei einmalig.

Auch der europäische Branchenverband Eurofer hatte erklärt, ein Brexit werde der britischen Stahlindustrie schaden. Die Mehrheit der britischen Stahl-Exporte gehe in Länder der EU.

Zudem hatten die Marktturbulenzen nach der Brexit-Entscheidung auch die Pensionsfonds der Stahlarbeiter belastet. Die britische Regierung hatte in der Vergangenheit eine Reform angekündigt. Schon vor dem Referendum summierten sich die Verpflichtungen für Pensionen auf rund 14 Milliarden Pfund - rund 700 Millionen Pfund mehr als die Anlagen. Die Pensionsverpflichtungen lasten auf Tata Steel. (reuters/apa/red)

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