Bahnindustrie

Fusion der Zugsparten von Siemens und Alstom ist besiegelt - mit Mehrheit für Siemens

Jetzt ist es fix: Siemens und Alstom legen ihr Zuggeschäft zusammen. Geplant sei eine "Fusion unter Gleichen", wie es heißt. Die Zentrale wandert nach Paris. Hier die wichtigsten Eckdaten.

Der Elektrokonzern Siemens legt sein Zuggeschäft mit dem französischen Konkurrenten Alstom zusammen. Geplant sei eine "Fusion unter Gleichen", teilte Siemens nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates in München mit. Die Kontrolleure bestätigten damit entsprechende frühere Berichte aus informierten Kreisen.

Das Zuggeschäft von Siemens und Alstom ist ähnlich groß, zusammen kommen sie auf einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro und etwa 60.000 Beschäftigte in dem Bereich weltweit. Der Zusammenschluss war bereits vor rund drei Jahren im Gespräch, als sich Siemens gegen den US-Konzern General Electric einen Übernahmepoker um Alstom geliefert hatte.

Konzernzentrale wird in Paris sein - Siemens bekommt die Mehrheit

Das kombinierte Unternehmen werde seinen Sitz im Großraum Paris haben. Siemens wird an dem Gemeinschaftsunternehmen eine Mehrheit von knapp über 50 Prozent halten.

White Paper zum Thema

"Dieser deutsch-französische Zusammenschluss unter Gleichen sendet in vielerlei Hinsicht ein starkes Signal", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser der Mitteilung zufolge. "Wir setzen die europäische Idee in die Tat um und schaffen gemeinsam mit unseren Freunden bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäischen Champion der Eisenbahnindustrie."

Vereinbarungen für Mitarbeiter fixiert

Offen ist derzeit, ob und wie sich die Zusammenlegung auf den großen Bahnindustrie-Standort von Siemens in Wien auswirkt.

Im Zuge der Entscheidungen zu dieser Fusion haben sich jedenfalls das Management und die Vertreter der Arbeitnehmer auf Standortgarantien für vier Jahre, auf einen Kündigungsverzicht für mindestens vier Jahre sowie auf den Erhalt der Mitbestimmung und die Absicherung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Deutschland und Frankreich geeinigt. Das teilte die deutsche Gewerkschaft IG Metall mit.

Noch offen ist, wer mehr Macht bekommt

Berichten zufolge sollte der Vorstandschef des fusionierten Konzerns von Alstom kommen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitierte diese Woche französische Eingeweihte mit der Aussage, dass Henri Poupart-Lafarge, derzeit Konzernchef von Alstom, als aussichtsreicher Kandidat für die Führung eines möglichen gemeinsamen Zuggeschäfts von Siemens und den Franzosen gehandelt wird.

Der 48-jährige Franzose solle demnach den Vorstandsvorsitz übernehmen. Den Verwaltungsratsvorsitz soll demnach Roland Busch bekommen, derzeit Technikvorstand bei Siemens. Mehr dazu: Erste Details zur Fusion: Mehrheit für Siemens, Chef kommt von Alstom >>

Staatlicher chinesischer Riese bringt massive Unruhe in den Markt

Mit dem Schritt reagieren die Unternehmen auf den Wettbewerbsdruck, der nach dem Zusammenschluss der beiden größten chinesischen Zughersteller zum Giganten CRRC massiv gewachsen war. Kaeser hatte deshalb in der Vergangenheit immer wieder auf die Notwendigkeit für eine Zusammenarbeit in der europäischen Branche hingewiesen: Siemens: Aus dem Großkonzern soll ein "Flottenverband" werden >>

An Bombardier ging die Fusion dann doch vorbei

Als weiterer potenzieller Partner für Siemens war in den vergangenen Monaten auch der kanadische Flugtechnik- und Bahnanbieter Bombardier gehandelt worden, der aber mitten in einem Stellenabbau steckt: Siemens vertagt Entscheidung zur Fusion mit Bombardier >> 

(red/dpa/reuters/apa)

Auch interessant:

Siemens Österreich entwickelt neue Fensterscheiben für besseren Handyempfang im Zug >>

Verwandte tecfindr-Einträge