Luftfahrt

Für Alitalia liegen sieben verbindliche Angebote vor

In Rom haben Interessenten sieben verbindliche Angebote für die Übernahme der Alitalia vorgelegt. Unter den Bietern sind die Fluggesellschaften Lufthansa, Easyjet und die Finanzfirma Cerberus.

Sieben verbindliche Angebote sind für die Übernahme der Alitalia eingetroffen. Dies berichteten die Sonderverwalter der krisengeschüttelten italienischen Airline nach Ablauf der Frist für die Einreichung der Angebote. Diese werden jetzt von den drei Sonderverwaltern geprüft, hieß es.

Angebote trafen laut Medienangaben von der AUA-Mutter Lufthansa, von Easyjet, sowie vom US-Investmentfonds Cerberus ein. Den Bericht der Tageszeitung "Corriere della Sera", nach dem der deutsche Branchenprimus 500 Millionen Euro für Flugzeuge samt Crews und Verkehrsrechte der Alitalia ausgeben will, kommentierte die Lufthansa nicht.

Lufthansa plant offenbar mit massiven Einschnitten

Lufthansa erklärte, sie interessiere sich für Teile des weltweiten Netzverkehrs und Direktflüge innerhalb Europas. Wie "Corriere della Sera" weiter berichtete, wäre mit dem Plan der Lufthansa eine Halbierung der Belegschaft auf rund 6.000 Stellen verbunden. Die derzeit mit dem Management der Airline betrauten Staatskommissare lehnten den Plan der Lufthansa ab.

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Alitalia als Ganzes gilt als unsanierbar

Die Regierung hatte erst vergangene Woche betont, Alitalia als Ganzes verkaufen und nicht den Flugbetrieb von den Bodendiensten trennen zu wollen. Allerdings scheint fraglich, ob es überhaupt jemanden gibt, der Alitalia als Ganzes übernehmen würde - die Fluggesellschaft gilt als unsanierbar. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse zurückgezogen.

Easyjet bekundete zwar gemäß einer Mitteilung ebenfalls Interesse. Allerdings will auch die britische Billigfluggesellschaft nur für bestimmte, zu ihrer Strategie passende Teile von Alitalia bieten. Am Freitag hatte die Regierung in Rom die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses verschoben: Ende April 2018 soll alles unter Dach und Fach sein.

Einst stolze Fluggesellschaft konnte Insolvenz nicht vermeiden

Die immer wieder strauchelnde Alitalia, die so wie Air Berlin die arabische Fluggesellschaft Etihad als Großaktionär hat, wird seit dem Frühjahr mit einem öffentlichen Überbrückungskredit gestützt. Das Geld, das nach Medienberichten noch nicht angetastet werden musste, soll erst Ende September 2018 zurückgezahlt werden.

Die italienische Fluggesellschaft musste im Frühjahr in Insolvenz gehen, nachdem die Mitarbeiter sich gegen einen von Gewerkschaften und Management ausgehandelten Rettungsplan gestellt hatten. Der Sanierungsplan sah den Abbau von 1.700 Jobs beim Bodenpersonal und die Kürzung der Gehälter beim Flugpersonal von acht Prozent vor.

Italien für Lufthansa von großer Bedeutung

In der vergangenen Woche hatte sich die Lufthansa mit Air Berlin auf eine Übernahme von rund 80 der insgesamt gut 130 Flugzeuge der zweitgrößten deutschen Fluglinie geeinigt. Damit soll vor allem die Flotte der Billigtochter Eurowings von 160 auf 210 Flugzeuge ausgebaut werden.

In den vergangenen Jahren hatte der Kranich schon die Schweizer Swiss, die belgische Brussels Airlines und die österreichische Austrian Airlines unter seine Fittiche genommen. Italien ist für die Lufthansa der zweitwichtigste Auslandsmarkt nach den USA. Ihr Marktanteil ist hier noch gering.

(apa/reuters/red)