Metaller-KV

Fünf Prozent mehr Lohn: Verhandlungen mit harten Bandagen gestartet

Bei dem mit Spannung erwarteten Auftakt der heurigen KV-Verhandlungen der Metaller fordern die Gewerkschaften fünf Prozent mehr Lohn. "Wir sind der falsche Adressat, wenn die Gewerkschaft mit der Regierung unzufrieden ist", antworten die Arbeitgeber.

Der von der Gewerkschaft angekündigte heiße Herbst ist mit passendem Wetter mit den Metaller-KV-Verhandlungen losgegangen.

Die Arbeitnehmer fordern dort ein Lohn- bzw. Gehaltsplus von 5 Prozent oder zumindest 100 Euro mehr. Die Gewerkschaften fordern auch hohe Zuschläge ab der neunten Arbeitsstunde, auch bei Gleitzeit. Die Arbeitgeber konnten die Forderungen "nicht nachvollziehen".

Aufgeheizte Stimmung

Die Situation ist aufgeheizt, weil sich die Gewerkschaften wegen der neuen Arbeitszeitregeln zurückholen wollen, was ihnen genommen worden sei. "Ganz sicher" werde es ein heißer Herbst, sagte PRO-GE-Chef Rainer Wimmer, Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG) bei der Begrüßung in der Wirtschaftskammer durch deren Chefverhandler Johannes Collini.

"Das Wetter ist meistens gut, wenn die Verhandlungen starten - nur ihr seht immer die schwarzen Wolken", so der Gewerkschafter zum Arbeitgebervertreter beim Händeschütteln.

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Und die Forderungen der Arbeitnehmer waren dann auch "stolz", wie es selbst Wimmer formulierte: "Wir wissen, das ist eine stolze Forderung, aber diese kommt von stolzen Arbeitnehmern." Neben dem Ruf nach einer Gehaltssteigerung von 5 Prozent sollen die Lehrlingsentschädigungen stark angehoben und vor allem sollen die Zuschläge für Arbeit ab der neunten Stunde deutlich aufgefettet werden.

Details zu den Verhandlungen:
Metaller-KV: Die Forderungen konkret >>
Metaller-KV und Herbstlohnrunde: Der genaue Zeitplan >>

Zuschläge ab der neunten Arbeitsstunde

Demnach soll für die Arbeit nach der neunten Arbeitsstunde - auch für Mitarbeiter mit Gleitzeitvereinbarungen - an einem Wochentag ein Zuschlag von mindestens 75 Prozent gewährt werden. Für Arbeit nach der 10. Arbeitsstunde an einem Wochentag gebühre ein Zuschlag von mindestens 100 Prozent und eine auf die zulässige Arbeitszeit anzurechnende bezahlte Pause von 15 Minuten.

"Wir müssen Sorge tragen, dass die Menschen nicht zu Zwölfstundentagen gezwungen werden können. Also treten wir für höhere Überstundenzuschläge als bisher ein. Es ist gerechtfertigt, dass wenn man länger als 10 Stunden arbeite, einen Zuschlag von 100 Prozent bekommt", sagte Wimmer.

12-Stunden-Tag mit Freizeitblöcken oder Viertagewochen kombinieren

Bei allen Überstunden sollen die Arbeitnehmer entscheiden können, ob diese in Freizeit oder Geld abgegolten werden. Ebenso auf Wunsch sollen Schicht- und Nachtarbeitszulagen in Form von zusätzlicher Freizeit verbraucht werden können.

Für den Verbrauch erworbener Zeitguthaben soll es gesicherte Antrittsrechte geben, um längere Freizeitblöcke und die Viertagewoche zu erreichen. Werden Zuschläge in Geld ausbezahlt, könne jeder selbst entscheiden, wann und wofür er das Geld verwendet. Bei Zeitzuschlägen sei das bisher nicht der Fall - etwa, wann der Arbeitnehmer zusätzliche Freizeit konsumiert oder ob er sich für eine Viertagewoche entscheidet.

Arbeitgeber: Lohnverhandlungen falscher Ort für politische Proteste

Die Arbeitgeberseite hat die Forderung nach einem Lohn- bzw. Gehaltsplus von 5 Prozent seitens der Arbeitnehmer als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet. "Wir bekennen uns zu einem fairen Abschluss. Das haben sich unsere Mitarbeiter auch verdient. Aber wir sind der falsche Adressat, wenn die Gewerkschaft mit der Bundesregierung unzufrieden ist", sagte Christian Knill, Obmann und Sprecher des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI) in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

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Selbst wollte Knill auf Nachfrage keine Prozentzahl nennen, in deren Höhe die Löhne und Gehälter für die Metaller steigen könnten. Er sprach davon, dass die Arbeitgeber gerne einen "KV 4.0" verhandeln wollen. Ein solcher könnte auch über mehrere Jahre gehen oder zumindest mehr als zwölf Monate umfassen. Vor allem solle der KV nach Arbeitgeberfasson "fair und transparent", "einfach", "planbar" und nicht zuletzt wegen der Digitalisierung "zukunftsorientiert" sein. Die Planbarkeit für die Unternehmen sei besonders wichtig, so Knill.

Die Branchen im Überblick:
Metaller-KV: Sechs Branchen mit 192.000 Beschäftigten >>

Fachverband: Ein Fünftel der Betriebe schreibt aktuell Verluste

Im Zusammenhang mit der 5-Prozent-Forderung der Gewerkschaften sei auch zu beachten, dass ein Fünftel der Betriebe in der Metalltechnischen Industrie Verluste schrieben und diese auch zu berücksichtigen seien. Zudem kühle sich die wirtschaftliche Lage ab, der Höhepunkt sei bereits überschritten. Knill betonte auch, dass "der Personalkostenanteil in unserer Branche bei rund 25 Prozent liegt".

"Wir versuchen, auf eine seriöse gemeinsame Datenbasis zu kommen und dann einen fairen und vernünftigen Abschluss zu schaffen", sagte Knill nach der Forderungsübergabe durch die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp in der Wirtschaftskammer in Wien-Wieden. (apa/red)