Telekommunikation

Frequentis: Auftragsbücher trotz Corona voll - Verlust wegen Commerzialbank

Die Wiener Technologiefirma konnte trotz Corona das operative Ergebnis im ersten Halbjahr halten - die Auftragsbücher sind gut gefüllt und die Mannschaft voll ausgelastet. Unter dem Strich steht trotzdem ein Verlust, den der Hersteller der Commerzialbank Mattersburg zu verdanken hat.

Die Luftfahrt ist eine wichtige Abnehmerbranche des Wiener Technologiekonzerns. Im Bild der Wiener Flughafen.

Die börsennotierte Wiener Technologiefirma Frequentis hat im ersten Halbjahr operativ das Niveau bei ihrem Umsatz halten können und den Auftragsstand ausgebaut: Dank erfolgreicher Projektabnahmen und Installationen blieb der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert, bei deutlich verbessertem operativem Ergebnis.

Ein klares Plus beim Auftragseingang stimmt zudem zuversichtlich für das zweite Halbjahr. Entsprechend zufrieden zeigt sich der Frequentis-Vorstand: "Das hohe Engagement und die Kreativität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verbindung mit gezielten Maßnahmen und digitalen Innovationen machen sich positiv bemerkbar“, sagt Frequentis-Konzernchef Norbert Haslacher. "Gerade bei den aktuellen Herausforderungen zeigt sich die Stabilität unseres Geschäftsmodells – die von Frequentis gelieferten Produkte sind Teil der sicherheitskritischen und damit nicht verzichtbaren Infrastruktur in den jeweiligen Ländern."

Diese Infrastruktur muss immer vorhanden und betriebsbereit sein – unabhängig von der Anzahl der Flüge, der Überflüge oder der Zahl der Einsätze von Polizei, Rettung oder Feuerwehr. Damit sei die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen weiterhin gegeben, wie der Technologiekonzern berichtet.

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Auftragsbücher gut gefüllt - "Mannschaft voll ausgelastet"

Das belegt auch der gestiegene Auftragseingang: Diese sind im ersten Halbjahr heuer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29 Prozent auf 171,8 Mio. Euro gestiegen.

Insgesamt belief sich der Auftragsstand Ende Juni auf 445,2 Mio. Euro, was einer Steigerung von knapp 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Mannschaft sei trotz der Coronakrise dank der guten Auftragslage und der Digitalisierung "voll ausgelastet", berichtet das Unternehmen.

Im Segment Flugverkehr verweist der Hersteller etwa auf den Auftrag der spanischen Flugsicherung Enaire, einer der flächenmäßig größten Flugsicherungen Europas. Oder die Bestellung einer sogenannten "Digital (Remote) Tower"-Lösung der dänischen Flugsicherung Naviair. Die norwegische Flugsicherung Avinor beauftragte Frequentis mit der Lieferung eines Systems zur Steuerung von unbemannten Luftfahrtsystemen.

Führende Position bei Blaulicht-Organisationen in Deutschland

Im Bereich der öffentlichen Sicherheit bekam Frequentis den Zuschlag für die Lieferung eines Kommunikationssystems für die Einsatzleitstellen der Feuerwehr und Polizei in Hamburg. Damit wird die führende Marktposition in Deutschland im Bereich der Blaulicht-Organisationen weiter ausgebaut. Auch im Verkehrsbereich bekam Frequentis neue Aufträge, und zwar vorwiegend aus Europa. Im Teilmarkt Maritime gewann der Wiener Konzern im Juli 2020 einen Auftrag für die Erneuerung des schwedischen Küstenfunks.

Aktuelle Ergebniszahlen

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg auf 6,0 (2,4) Mio. Euro, und die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 4,5 (1,8) Prozent.

Das Betriebsergebnis (EBIT) sei - entsprechend dem üblichen unterjährigen Geschäftsverlauf - auch heuer mit -1,0 (-3,9) Mio. Euro weiter negativ, die EBIT-Marge betrug -0,7 (-2,9) Prozent, teilte Frequentis mit. Im Gesamtjahr 2019 war das EBIT mit 17,2 Mio. Euro positiv gewesen, unterm Strich standen 12,5 Mio. Nettogewinn.

Das Eigenkapital wird mit 94,1 (103,1) Mio. Euro beziffert, die Eigenkapitalquote mit 36,5 (40,3) Prozent, das Nettoguthaben mit 51,2 (64,7) Mio. Euro. Beschäftigt wurden im Schnitt 1.890 (1.853) Mitarbeiter. Frequentis notiert seit Mai 2019 an den Börsen Frankfurt und Wien.

Unter dem Strich steht ein Verlust - wegen der Commerzialbank Mattersburg

Allerdings ist Frequentis auch durch den Skandal rund um die Mattersburger Commerzialbank unter dem Strich in die Verlustzone gerutscht. Insgesamt verlor Frequentis dort fast 31 Mio. Euro Einlage, wovon sich samt Steuereffekt 23,2 Mio. niederschlugen. Dadurch weitete sich der Verlust von 2,4 auf 23,4 Mio. Euro aus.

Industriemagazin.at hatte über die Vorgänge berichtet:
Skandal um Commerzialbank Mattersburg: Folgen auch für Firmen >>

Ohne die Auswirkungen der Wertminderung wegen der verlorenen Einlagen bei der burgenländischen Commerzialbank Mattersburg hätte das Konzernergebnis im ersten Halbjahr minus 0,2 Mio. Euro betragen, so das Unternehmen. In der Causa habe man ein Anwaltsteam engagiert, das alle rechtlichen Möglichkeiten prüfe. Es gehe um eine mögliche Geltendmachung und Verfolgung potenzieller Ansprüche gegen involvierte Rechtsträger, Organisationen und Personen. Zudem wurden entsprechende Forderungen im Commerzialbank-Konkursverfahren geltend gemacht.

Bei der Bank wurden bekanntlich jahrelang Bilanzen gefälscht. Seit Juli ist die Bank behördlich gesperrt, die meisten höheren Einlagen sind überwiegend verloren, nur bis zu 100.000 Euro deckt im Regelfall die Einlagensicherung ab. Auch andere Unternehmen hatten Gelder in Höhe von jeweils rund 30 Mio. Euro verloren. Der Gesamtschaden durch die Commerzialbank dürfte jedenfalls bei mehr als einer halben Milliarde Euro liegen.

Keine Auswirkungen wegen der Commerzialbank auf Kunden

Die Einlagen-Wertminderung durch die Commerzialbank-Insolvenz habe keine Auswirkungen auf Kunden, Lieferanten, laufende Projekte, Mitarbeiter oder M&A-Aktivitäten - das operative Geschäft geht in gewohntem Umfang weiter, betont Frequentis. Aufgrund der Wertminderung wird aber von einem negativen Konzernergebnis auch für das Gesamtjahr 2020 ausgegangen, wie es im Ausblick heißt.

Mit Covid-19 seien Risiken verbunden, das laufende Jahr berge daher weiterhin Unwägbarkeiten. Die genauen Auswirkungen auf die Kosten (z. B. Reisekosten), die Projektabnahmen, die Lieferketten, die zur Verfügung stehenden Budgets und die potenzielle Verschiebung von Investitionen ließen sich nicht verlässlich abschätzen.

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Trotz der nicht prognostizierbaren weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie "strebt Frequentis danach, den Umsatz und den Auftragseingang im Gesamtjahr 2020 in etwa zu halten, wenn nicht zu steigern". Um trotz Reisebeschränkungen neue Aufträge zu akquirieren, habe man die Initiative "Sales Goes Digital" gestartet.

Zum operativen Geschäftsverlauf erklärte Frequentis, dass von den 132,3 Mio. Euro Halbjahresumsatz 89,9 Mio. Euro (-2,9 Prozent) auf das Segment Air Traffic Management und 42,3 Mio. Euro (+6,4 Prozent) auf das Segment Public Safety & Transport entfielen. Nach Regionen entfielen im Halbjahr 64 (58) Prozent der Erlöse auf Europa, 17 (20) Prozent auf Amerika, 13 (14) Prozent auf Asien, 4 (6) Prozent auf Australien/Pazifik, 1 (2) Prozent auf Afrika.

(red mit apa)