Energiepreise

Fracking: Politik unter Zugzwang

Wie gesund ist Europas Abhängigkeit von russischer Energie? Und wie verlockend der Wirtschaftsboom, den das billige Fracking-Gas derzeit in den USA auslöst? Die jüngsten geopolitischen Verwerfungen bringen Europas Politik in Zugzwang.

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Woher soll die Energie der Zukunft kommen? Protest gegen eine Schiefergas-Probebohrung im britischen Balcombe im August 2013.

Steve Butler ist ein sympathischer, kumpelhafter Typ. Der hemdsärmelige Amerikaner zieht durch die Provinz und kauft verarmten Farmern Grundflächen ab. Sie sind dankbar für die vielen Dollars und unterschreiben gern – bis sie erfahren, was vor ihrer Haustür wirklich passiert: Schiefergasförderung. Für die Bauern bedeutet der Begriff verseuchte Böden und vergiftetes Trinkwasser. Bald liegen die Nerven blank. Der daraufhin stattfindende verzweifelte Kampf der einfachen Bürger gegen den Weltkonzern ist Fiktion – dramatisch in Szene gesetzt von den Hollywood-Meistern Gus van Sant und Matt Damon in dem Film „Promised Land“.

Obama gewendet

Das Hollywood-Epos, das 2012 mit reichlich Vorschusslorbeer auf den Markt kam, war ein kommerzieller Flop. Möglicherweise, weil sich der Film um eine klare Position gegen die Fördermethode herummogelt. Vielleicht auch, weil sich die öffentliche Meinung in den USA langsam dreht: Selbst US- Präsident Barack Obama, zur Wahl 2008 als ausgesprochener Frackinggegner angetreten, schwärmt mittlerweile von dem Aufschwung, den Amerika dank der dramatisch weiterentwickelten Technologie des Fracking erlebt hat. Die Energiepreise sind in fünf Jahren um über 50 Prozent gesunken. Mehr noch: Der ehemals größte Energieimporteur der Erde fördert erstmals wieder mehr als er importiert. Laut der US-Energieagentur EIA liegt das Fördervolumen des Landes heute bei 8 Millionen Barrel Rohöl – pro Tag. Bereits 2015, so die Internationale Energieagentur IEA, könnten die USA das geopolitische Sorgenkind Russland als weltgrößten Ölförderer ablösen.