Wirtschaftspolitik

Forscher: Alternative Antriebe brauchen viel mehr Geld vom Staat

Trotz üppiger Förderungen und Kampagnen in der Öffentlichkeit ist das Interesse von Autofahrern an Elektroautos bis heute äußerst gering - und Fahrzeuge mit Wasserstoffmotor bleiben absolute Exoten. Laxenburger Forscher fordern viel mehr Geld der öffentlichen Hand - die übrigens zum guten Teil aus Steuern der Autofahrer und der Autoindustrie stammen.

Es braucht mehr Geld vom Staat, damit sich Elektro- und Wasserstoffautos auf dem Markt durchsetzen - so die Kernaussage von Forschern des in Laxenburg bei Wien ansässigen Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA).

Ein internationales Team um David McCollum vom IIASA in Laxenburg bei Wien untersuchte anhand von sechs verschiedenen globalen Energie-Ökonomie-Modellen, unter welchen Umständen Personen mit Autos, die mit fossilen Brennstoffen laufen, auf "Low-Carb"-Modelle umsteigen würden, die weniger Kohlendioxid emittieren.

Wenn man nichts weiter tue, als die Spritpreise zu erhöhen, geschehe nicht viel, hieß es. Menschen würden dann vermutlich noch mehr über die hohen Preise klagen, aber weiterhin mit fossilen Brennstoffen angetriebene Autos fahren.

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Anteile von Elektroautos bis heute verschwindend gering

Tatsächlich ist der Anteil von Elektroautos trotz üppiger Förderungen und breit angelegter Kampagnen in der Öffentlichkeit bis heute verschwindend gering. So beträgt ihr Marktanteil gerade einmal 0,3 Prozent. Und falls es beim Wasserstoffantrieb nicht viel mehr Förderungen gäbe, würden sie den Forschern zufolge auch in den nächsten Jahrzehnten genau das bleiben, was sie heute sind: absolute Exoten.

Wachstum auf sehr geringem Niveau verlangsamt

Der heimische Markt für Elektro- und Hybridfahrzeuge ist im ersten Halbjahr 2018 deutlich weniger stark gewachsen als in der ersten Jahreshälfte des Vorjahres. Nachdem die Verkäufe in den ersten sechs Monaten 2017 um rund 70 Prozent gestiegen waren, legten sie im ersten Halbjahr 2018 nur noch um ein Fünftel zu, zeigt eine Auswertung der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY).

Insgesamt wurden in Österreich im ersten Halbjahr gut 3.000 Elektroautos neu zugelassen. Die aktuelle Schwäche beim Absatz von Dieselfahrzeugen hat somit zu keiner Beschleunigung des Wachstums geführt. In Österreich sind heuer in den ersten sechs Monaten um 16 Prozent weniger Autos mit Dieselantrieb zugelassen worden. Ihr Anteil am Gesamtabsatz sank um 10 Prozentpunkte auf 41 Prozent.

Dieselkrise nutzt den Stromern nicht

Die Dieselkrise sei längst nicht überwunden, kommentiert Gerhard Schwarz, Partner von EY Österreich. Vertrauensbildende Maßnahmen der Industrie und Politik würden erst verzögert wirken. Gerade Elektroautos dürften aber vorerst Nischenprodukte bleiben: "Die Ladeinfrastruktur ist noch unzureichend und die derzeit am Markt erhältlichen Modelle bieten zumeist noch keine überzeugende Reichweite", bemängelt Schwarz.

In Deutschland wuchs der Markt heuer deutlich stärker: Mit einem Plus von 69 Prozent zwischen Jänner und Juni ist Deutschland nach Angaben von EY der am schnellsten wachsende Markt für Elektroautos. Auch in absoluten Zahlen ist der deutsche Markt führend: Im ersten Halbjahr 2018 wurden gut 17.000 Elektroautos verkauft.

(red/apa)

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