Metallindustrie

FMTI: Boom mit Bremsklötzen in der heimischen Metallindustrie

Österreichs metalltechnische Industrie erlebt derzeit einen starken Aufschwung. Die Betriebe erwarten laut Umfrage für heuer ein Wachstum von 14 Prozent. Damit könnte zum Jahresende wieder das Niveau vor der Krise erreicht werden, so FMTI-Obmann Christian Knill. Doch die Branche kämpft mit Problemen am Markt.

Nach einem Produktionsrückgang um rund 10 Prozent im Coronajahr 2020 erlebt die metalltechnische Industrie (FMTI) derzeit einen starken Aufschwung. Im ersten Quartal 2021 stieg die Produktion um 6,2 Prozent, vor allem wegen einem sehr starken Wachstum im März. Für das Jahr 2021 geht die Branche laut einer Umfrage vom Mai von 14 Prozent Wachstum aus. Damit könnte zum Jahresende das Niveau von 2019 wieder erreicht werden sagte Fachverbandsobmann Christian Knill.

Gut 80 Prozent der Mitgliedsbetriebe erwarten heuer Wachstum, jeweils knapp 10 Prozent gehen von einer Stagnation und einem Rückgang im Vergleich zu 2019 aus. Allerdings gibt es einige dunkle Wolken am Konjunkturhimmel. Dazu gehören die zuletzt im Schnitt massiv gestiegenen Preise für Vorleistungen - und die Knappheit bei einzelnen Produkten. Knill schätzt die Mehrkosten für die Branche alleine beim Einkauf von Stahl - der seit November im Schnitt um 36,5 Prozent teurer geworden ist - auf 2,7 Mrd. Euro.

Dazu komme, dass einzelne Qualitäten von Stahl nicht oder kaum produziert werden, Lieferungen mehrere Wochen länger als früher dauern oder die bestellte Menge nur zum Teil geliefert wird. Das mache auch das Legen von Angeboten sehr schwierig, sagt Knill: "Wir sehen das als Wachstumshemmer". Eine rasche Entspannung deute sich nicht an, Knill selber hofft auf den Herbst.

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Knappheit und Verteuerung von Vorprodukten ein Problem

Zum Engpass beigetragen hat, dass einige Stahlwerke stillgelegt wurden, China Qualitätsstahl aus Südkorea und Taiwan aufkaufe und die Nachfrage nun sprunghaft ansteige. Wobei die Branche ausdrücklich den heimischen Stahlkonzern voestalpine für ein "größtmögliches Entgegenkommen" lobe - aber die voestalpine alleine könne den heimischen Bedarf nicht decken.

Seit der Finanzkrise von 2009 sei die metalltechnische Industrie kaum mehr gewachsen, rechneten Knill und FMTI-Geschäftsführer Berndt-Thomas Krafft vor Journalisten vor. Inklusive der beiden Krisenjahre 2009 und 2020 habe es - inflationsbereinigt - sogar ein Minus gegeben, ohne die beiden Jahre im Schnitt ein reales Wachstum von 1,6 Prozent. Im Jahrzehnt vor der Finanzkrise hatte die Branche noch ein jährliches Plus von sechs Prozent verzeichnet.

Ein großes Problem sei der im Vergleich zu Konkurrenzländern deutlich schnellere Anstieg der Lohnstückkosten, also der Löhne in Relation zur produzierten Menge. Seit 2008 habe es in Österreich einen Anstieg um 20,3 Prozent gegeben, in den Nachbarländern Tschechien (11,7 Prozent) und Slowakei (9,1 Prozent) nur halb so viel. Auch in der gesamten Eurozone seien die Lohnstückkosten nur um 7,6 Prozent gestiegen. Die Branchenmitglieder seien zu 85 Prozent Familienunternehmen, "wir stehen natürlich zu den Produktionsstandorten, aber der Druck erhöht sich", so Knill - und erinnerte daran, dass MAN den Produktionsstandort in Steyr trotz Gewinnen nach Polen verlege.

Arbeitgeber hoffen auf schnellen KV-Abschluss

Für die Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst hofft Knill nun auf einen "schnellen, wettbewerbsverträglichen Abschluss. Wir müssen schauen, dass der Standort attraktiv bleibt". Auch im Vorjahr habe es allen gut getan, als in einer einzigen Runde eine Einigung erzielt wurde.

Derzeit nutzen noch 11,3 Prozent der Betriebe in der Branche Kurzarbeit, begünstigt werden aber nur 4 Prozent aller Mitarbeiter und die Stundenreduktion belaufe sich nur auf 1,2 Prozent der gesamten Arbeitsleistung in der Branche. Dennoch sei die Unterstützung für manche Betriebe noch wichtig. In den aktuellen Verhandlungen der Regierung mit den Sozialpartnern über die Zukunft der Kurzarbeit hofft Knill auf eine Einigung, die in einer nächsten Krise anwendbar ist, denn "die Vor-Corona-Kurzabeit war eigentlich keine Krisenhilfe".

FMTI-Geschäftsführer Krafft geht in Pension

Mit der Pressekonferenz verabschiedete sich auch Berndt-Thomas Krafft nach 19 Jahren als FMTI-Geschäftsführer in die Pension. Ihm wird per 1. Juli Sabine Hesse (39) folgen, die in Bonn ihr Jus-Studium und an der Donau-Uni Krems ihren MBA absolviert hat. Sie ist seit 2010 Referentin im Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI). (apa/red)