Neuer Einzelaktionär steigt ein

Flughafen Wien - Rendite für australische Pensionisten

Der Flughafen Wien muss jetzt Rendite für australische Pensionisten erwirtschaften. Der australische Pensionsfonds IFM übernimmt Anteile im Wert von 515 Mio. Euro. Der Fonds bekommt damit einen größeren Anteil als die Stadt Wien und das Land Niederösterreich.

Luftfahrt IFM Flughafen Wien

Der Flughafen Wien hat einen neuen größten Einzelaktionär. Der australische Pensionsfonds IFM übernimmt um 515 Mio. Euro knapp ein Drittel der Aktien.

Die Australier überholen damit die beiden bisher größten Aktionäre, die Stadt Wien und das Land Niederösterreich, die je 20 Prozent halten. Die beiden Bundesländer haben ihre Anteile aber in einem Syndikat gebündelt und sprechen mit einer Stimme.

Somit kontrollieren Wien und Niederösterreich weiter gemeinsam den größten Anteil. Mit IFM hat nun aber ein weiterer Aktionär eine Sperrminorität, der so wichtige Entscheidungen wie etwa eine Kapitalerhöhung blockieren kann.

"Wir sind keine Heuschrecke", betonte der österreichische IFM-Manager Werner Kerschl bei der Ankündigung der Übernahme im Oktober. Ziel seien die langfristige Unternehmensentwicklung und Wertsteigerungen.

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Wert der Aktien sinkt

Die Airport-Aktien notierten am Freitagvormittag nach dem ausgelaufenem Angebot um 2,07 Prozent schwächer bei 79,81 Euro. Im Eröffnungshandel war die Aktie noch deutlich abgerutscht - bis auf ein Tagestief von 74 Euro.

"Dem Kurs fehlt jetzt einfach die Unterstützung des Angebots", sagte Analyst Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank (RCB) zur APA. Sein Kursziel für die Papiere liegt derzeit bei 76 Euro. Zum Vergleich: Als der Fonds Mitte Oktober sein Angebot angekündigt hatte, stand die Aktie noch bei knapp unter 62 Euro.

Angebot war überzeichnet

Die Australier hatten am 1. Dezember ihr Angebot von 80 auf 82 Euro aufgebessert. Insgesamt sind IFM über 7,6 Millionen Aktien angeboten worden, damit sei das Angebot überzeichnet, teilte der Fonds am Freitag mit. Da IFM höchstens 29,9 Prozent halten will, würden nur 82,2 Prozent der angeboten Aktien berücksichtigt. Die Aktionäre, die ihre Papiere verkauften, sollen ihr Geld bis spätestens den 23. Dezember erhalten.

Die Kleinaktionäre reiben sich die Hände

Für Kleinaktionäre ein willkommenes Weihnachtsgeschenk, hat IFM doch auf den Aktienkurs vom 10. Oktober, dem Tag der Übernahme-Bekanntmachung, ein Drittel draufgelegt. Für die Großinvestoren war der ursprüngliche Preis von 80 Euro aber zu niedrig.

Der britische Fonds Petrus Advisers, der zuletzt laut Eigenangaben rund 3,5 Prozent am Flughafen Wien hielt, lehnte das ursprüngliche Angebot als zu bescheiden ab.

Petrus Advisers stieß sich auch an der ursprünglichen Mindestannahmeschwelle von 20 Prozent. Durch den Verzicht bleibt den Verkäufern eine dreimonatige Nachfrist erspart. In Summe wird die Luxemburger IFM-Tochter Airports Group Europe mit Abschluss des Deals rund 6,28 Millionen Aktien halten.

Petrus Advisers tat sich schwer, sich vom Anteil zu trennen: "Wir sind mit keiner österreichischen Aktienveranlagung der letzten Jahre so zufrieden wie mit unserem Investment in die Leistung von Günther Ofner und Julian Jäger", lobte Fondsmanager Klaus Umek die beiden Flughafen-Vorstände.

Seit ihrem Amtsantritt 2011 habe sich das Investment vor Dividenden verdreifacht. Auch der Ausblick sei positiv: Die Situation um die Austrian Airlines (AUA) habe sich konsolidiert, stetiges Passagierwachstum sei gewährleistet und eine höhere Dividende in Aussicht gestellt.

Mehrere Finanzfirmen kaufen Anteile am Flughafen

Wie viel die am Flughafen beteiligten Fonds - neben Petrus Advisers sind das Lazard und Silchester - nun halten, ist noch nicht bekannt. Sie haben bis nächste Woche Zeit, Änderungen an ihren Stimmrechtsschwellen bekannt zu geben. Silchester hatte am 1. Dezember erklärt, all seine Aktien an IFM zu verkaufen. Silchester hielt zuletzt 6,92 Prozent.

Da das Übernahmeangebot überzeichnet war, würde Silchester künftig auf einen Anteil von nur noch 1,23 Prozent kommen. Lazard gehörten zuletzt zwischen 4 und 5 Prozent, ob auch Lazard Aktien verkauft hat, ist noch nicht bekannt.

Wien und Niederösterreich wollen angeblich nicht verkaufen

Für die kommunalen Eigentümer Wien und Niederösterreich war von Anfang an klar, keine Aktien zu verkaufen. Man freue sich jedoch, dass die positive Entwicklung des Flughafens Wien scheinbar viel Aufmerksamkeit erregt, hieß es.

"Wir sind keine Heuschrecke" betonte der österreichische IFM-Manager Werner Kerschl bei der Ankündigung der Übernahme im Oktober. Ziel seien die langfristige Unternehmensentwicklung und Wertsteigerungen.

Interesse am Flughafen Wien habe IFM, der bisher weltweit 10 Mrd. Euro investiert hat - unter anderem in 13 Flughäfen -, weil es ein "sehr gut geführtes und attraktives Unternehmen" sei. Auch sei der Standort in einer Region, die weiter Wachstum verspricht, interessant.

Teilstaatliche Infrastrukturunternehmen sind für den australischen Pensionsfonds nicht neu: IFM hält über seinen Fonds Global Infrastructure Anteile an Flug- und Seehäfen - darunter auch Beteiligungen an den Flughäfen London-Stansted und Manchester - sowie Strom- und Gasnetzbetreibern. (apa)