Wertschöpfungskette

Großzügigkeit macht sich bezahlt

Um Nachfrageschwankungen im Modulgeschäft abzufedern, krempelte Flextronics seine Prozesse um: Produktion und Lager sind nun in Kärnten die Ruhepole des Unternehmens.

Selbst im Krisenjahr 2009 hatte der Betrieb im Automotivbereich trotz konjunktureller Turbulenzen keine Rückgänge zu verkraften. Die Module fanden in fast allen Branchen reißenden Absatz. Die Zukunft? Sieht in manchen Segmenten offenbar sehr rosig aus. „Wir rechnen mit Wachstumsraten bis zu zwanzig Prozent“, so Siegfried Baumann.

Doch wie es auch kommt: Die Kärntner müssen mit den Aufs und Abs auf den Märkten zurechtkommen. Die sind zur Normalität geworden. Zwar kommen die GPS/GSM-Module in über hundert verschiedenen Produkten zum Einsatz – „so federn wir wirtschaftliche Risiken ab“, weiß Baumann. Doch die planerische Unsicherheit bleibt. Was die Situation erschwert: Der Kunde gibt heute den Takt vor. Kurzfristige Änderungen sollen sofort in die Produktionssteuerung einfließen, auch das Lager muss jederzeit hochschalten können. Was der Kunde nämlich nicht hören will: „Dass wir 60 Lieferanten mit  teils Lieferzeiten bis zu 26 Wochen haben“, so Baumann.

Ausnahmen als Regel

Vor zwei Jahren krempelte der Betrieb deshalb die Ärmel hoch. „Der Schmerz war damals am Höhepunkt“, sagt Produktionschef Siegfried Baumann. Er bietet alle Kräfte auf, die Flextronics-Lieferkette seit 14 Jahren straff zu halten. Und ließ sich einiges fürs Werk einfallen. Die erste Lektion: Der Kunde ist König. Flexibilitätsvereinbarungen werden nun viel lockerer gesehen. „Wir erfüllen weit mehr als eigentlich unsere vertragliche Verpflichtung ist“, erklärt Wertstrom-Manager Martin Schlintl.

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Sein Beispiel ist gut: Will der Kunde kurzfristig deutliche Liefermengenänderungen durchsetzen, drücken die Kärntner heute ein Auge zu. „Wir ziehen uns nicht mehr aufs Vertragliche zurück“, so Schlintl. Die Erfahrung des Wertstrom-Managers lehrt, dass sich ein höheres Maß an Großzügigkeit bezahlt macht. Seit der Betrieb solche Ausnahmen großherziger handhabt, „sei die Zusammenarbeit viel harmonischer“, beobachtet er. Siegried Baumann nickt. Zugleich stellte der Betrieb mit viel Esprit ein Wertstromsystem auf die Beine. Nimmt der Kunde 30.000 Stück ab, werden sie nicht mehr in einem Schwung geliefert.

Es gibt jetzt einzelne kleinere Tranchen – „so erzeugen wir Ströme, die in der Fertigung und im Lager deutlich besser zu managen sind als große Brocken“, schildert Produktionschef Siegfried Baumann. Auch beim Kunden büßt man so nicht an Glaubwürdigkeit ein – im Gegenteil: Er muss mit kleineren Beständen arbeiten, „wenn wir tagesaktuelle Mengen liefern“, sagt Baumann. Ein Aspekt, den er unbedingt am heurigen Logistiktag in Linz ansprechen will. Vielsagender Vortragstitel: „Wettbewerbsdifferenzierung durch effektive Lean Supply Chain Collaboration“.

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