Arbeitszeitgesetz

Flexiblere Arbeitszeit: Industrie stellt Leiharbeiter fix ein

Seit Samstag ist das neue Arbeitszeitgesetz in Kraft. Die neue Flexibilität hat zumindest bei KTM und Magna schon dauerhafte Anstellungsverhältnisse geschaffen.

Produktionsstraße im KTM-Werk Mattighofen: 100 Leiharbeiter ins Stammpersonal übernommen

Der Motorradhersteller KTM hat noch im August 100 Leiharbeiter fix angestellt. "Dies ist die positive Folge der Gesetzesänderung zur Arbeitszeitflexibilisierung" sagt Finanzvorstand Viktor Sigl. Das Unternehmen könne jetzt mit einem geringeren Anteil an Leiharbeitern flexibel reagieren. Ähnliches ist auch aus anderen Unternehmen des Landes zu hören. So sollen etwa bei Magna Steyr im September bis zu 100 Leiharbeiter ins Stammpersonal übernommen werden. Beim Feuerwehrausrüster Rosenbauer, der nach einer Auftragsdelle Mitarbeiter abbauen musste, ist man noch vorsichtiger. Zwar wird, seit im Werk Leonding erstmals im 2-Schicht-Betrieb gearbeitet wird, wieder Personal aufgenommen, jedoch nur Leiharbeitskräfte.

Nach Einschätzung des Rosenbauer-Chefs Dieter Siegel beträfe die Flexibilisierung ohnehin vor allem Büro-Mitarbeiter. "Bei uns betrifft der neue Zwölf-Stunden-Tag eher die Angestellten, die Konstrukteure, Controller und den Vertriebsinnendienst", sagt Siegel. Diese hätten bisher nach zehn Arbeitsstunden ein Email bekommen, dass sie nach Hause gehen müssen. „Künftig steht in dem Email nur noch, dass sie bedenken sollen, dass sie schon zehn Stunden da sind."

Auch kurz nach Inkrafttreten des neuen Arbeitszeitgesetzes gibt es überdies noch gewisse Rechtsunsicherheit. Noch ist unklar, wie das im Gesetz verankerte Ablehnungsrecht der elften und zwölften Arbeitsstunde in der Praxis aussieht, ob bei Gleitzeitregeln die Überstundenzuschläge wegfallen oder nicht. Die Industrie ist jedenfalls überzeugt, dass die gelebte Praxis die Skeptiker auf Seiten der Arbeitnehmervertreter überzeugen wird, wie Austria Email Vorstandschef Martin Hagleitner formuliert. „Es ist klar, dass die Flexibilisierung auch den Mitarbeitern und der Gesellschaft zugute kommt, und nicht den Unternehmen oder bösen Kapitalisten.“

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