Arbeitsmarkt

Flexible Arbeitszeiten: Österreichs Sozialpartner positionieren sich

Die Regierung verlangt von den Sozialpartnern bis Juni eine Vereinbarung, damit künftig für einen Vollzeitjob mindestens 1.500 Euro gezahlt werden. Im Gegenzug verlangt die Wirtschaft flexiblere Arbeitszeiten.

Die Sozialpartner verhandeln derzeit auf Expertenebene laufend über Themen wie Mindestlohn oder Flexibilisierung. Ein prägnanter "Start" für Gespräche zu diesem Thema steht nicht im Raum. Auch gibt es derzeit keine Pläne für Treffen auf oberer oder oberster Ebene der Sozialpartner, heißt es bei Gewerkschaft und Wirtschaftskammer.

Die Regierung verlangt von den Sozialpartnern bis Juni eine Vereinbarung, damit künftig für einen Vollzeitjob mindestens 1.500 Euro gezahlt werden. Im Gegenzug verlangt die Wirtschaft flexiblere Arbeitszeiten.

Anfang dieser Woche haben Arbeiterkammer und Gewerkschaft wissen lassen, dass Arbeitnehmer dadurch nicht weniger verdienen dürfen. Die WKÖ will vor allem Flexibilität für die Auftragsabwicklung.

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Die Position von Vertretern der Arbeiter

Da die 1.500 Euro Mindestlohn von der Regierung vorgegeben sind, ist diese Zahl kein Streitthema, auch wenn die Gewerkschaft unverändert 1.700 Euro als untere Einkommensgrenze anstrebt.

AK-Präsident Rudolf Kaske rechnete aber vor, Arbeitnehmer würden 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro verlieren, wenn es für Überstunden künftig Zeitausgleich gibt, statt einer Bezahlung. Die Zahl ergibt sich laut AK, wenn man die 200 Millionen bezahlten Überstunden mit einem durchschnittlichen Überstundenzuschlag multipliziert.

Auch ÖGB-Präsident Erich Foglar verwies darauf, dass eine Flexibilisierung der Arbeit nicht zu Lohnverlusten führen dürfe. Schon jetzt laufe der Trend zur Teilzeit darauf hinaus, dass es zu einer Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich komme.

Die Position der Betriebschefs

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl wollte sich demgegenüber nicht festlegen, wie künftig Überstundenzuschläge ausgezahlt werden. Je ein Drittel der Arbeitnehmer wollten Zeitausgleich für das Privatleben, einen Polster für Notfälle oder mehr Geld. Auf alle müsse man eingehen.

Ziel müsse es sein, dass Unternehmen ihre Aufträge abarbeiten können, wenn sie anfallen. Zugleich warnte Leitl davor, dass die Sozialpartner nun "wie die Regierung" anfangen, in der Öffentlichkeit zu streiten.

IV: Arbeiten, wenn es (für die Firmen) sinnvoll ist

Für Flexibilität plädierte auch die Industriellenvereinigung. Es gehe nicht um generell längere Arbeitszeiten, sondern "es soll dann gearbeitet werden können, wenn es sinnvoll ist. Die Arbeitszeit bleibt dabei insgesamt gleich", heißt es in einer Aussendung.

Derselben Meinung ist Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner: Es gehe nicht darum, dass länger gearbeitet wird, sondern um eine flexiblere Verteilung der Arbeitszeit. (apa/red)
 

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