Firmenwagen: Ganz schon un-deutsch!

Dass die deutschen Anbieter die Oberklasse und die obere Mittelklasse dominieren, ist keine Neuigkeit. Dass es nebenher auch erwägenswerte Alternativen gibt, vielleicht schon.

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Wer sich die obere Mittelklasse und die Ober- beziehungsweise Luxusklasse ansieht, muss man schon sagen: Die deutschen Premium-Marken Mercedes-Benz, BMW und Audi geben das Tempo vor, glänzen mit aberwitzigen technischen Innovationen – man denke nur an Spielereien wie die Müdigkeits-Erkennung oder diverse Spurhalte-, Totwinkel- und Nachtsicht-Asssistenten – und sahnen den meisten medialen Beifall ab. Insbesondere im Fuhrpark-Geschäft sind sie stark vertreten, und wir haben die Firmenvorstände im Verdacht, dass sie ihre Flotten insgeheim nach dem Kriterium ordern, sich schön standesgemäß ihre S-Klasse, ihren 7er oder A8 zu sichern. Der wahre Grund dürfte aber eher darin liegen, dass die erwähnten Marken ähnlich breit – in dem Fall vertikal – aufgestellt sind wie die gängigen Unternehmenshierarchien. Da ist für jeden etwas dabei, vom Außendienstler über den Abteilungsleiter bis hin zum Vorstand.
Bei vielen anderen Marken, ja bei den meisten Japanern, Koreanern, Italienern und Franzosen, ist das nicht der Fall, sie beschränken sich auf Klein-, Familien- und Freizeitwagen und gehen über die Mittelklasse nicht hinaus. Das mag auch mit dem Bedeutungsrückgang der Stufenheck-Limousinen insgesamt zusammenhängen. Die Mittelklasse jedenfalls wird dafür kompensatorisch höherwertig ausgestattet: Vieles dessen, was durchaus nach oberer Mittelklasse aussieht, ist de facto (laut Eurotax-Segmentierung) bloß Mittelklassse. Man denke an den Opel Insignia, den Mazda6 oder den Peugeot 508. Aber darüber ist dann Schluss, keine obere Mittelklasse, noch weniger eine Oberklasse. Für die Masse der Privatkunden mag das wenig relevant sein. Aber wenn es ums Thema Firmenauto beziehungsweise Fuhrparkmanagement geht, ist es mit Sicherheit ein Wettbewerbsnachteil, diese Segmente nicht abzudecken.
 
Jaguar: Abschied von retro.
Aber müssen es immer die deutschen Premiums sein? In dieser Kategorie gibt es doch auch andere Mütter mit schönen Töchtern, und die kommen beispielsweise aus Fernost – könnte man scherzhaft sagen, denn neben dem Lexus wäre hier vor allem auch der Jaguar zu nennen, jene Bastion des Britentums, die seit ein paar Jahren in indischer Hand ist.
Bei Jaguar nennt sich die obere Mittelklasse XF, und mit diesem Fahrzeug hat sich die Marke vor etwas mehr als drei Jahren gewissermaßen neu „erfunden“.
Die traditionell britische, upperclassig distinguierte bisherige Formensprache war zwar nicht weniger als grandios gewesen, hatte sich aber nach vier Jahrzehnten totgelaufen. Man verabschiedete sich kühn von retro und engagierte Ian Callum, der bei Aston Martin fabelhaft sinnlich-übersinnliche Ungetüme wie den Vanquish und den Vantage in die automobile Welt gesetzt hatte. Zunächst legte man den Sportwagen XK in Callums designerische Hände, anschließend dann den XF (obere Mittelklasse) und zuletzt noch den XJ (Oberklasse). In beiden ist die Sportwagensilhouette des XK noch spürbar, nur dass sie eben in zivilere Limousinenformate umgemorpht wurde. Jetzt, nach ein paar Jahren, kann man schon sagen: Die neue Linie ist ein ausgesprochener Erfolg. Die Jaguar-Klientel hat sich demnach als weniger konservativ erwiesen, als man das angenommen hatte.
Der XF, der durch seine aggressive Front, die flache, coupéartige (gleichwohl viertürige) Silhouette und das XK-inspirierte Heck besticht, ist jetzt einer Modellpflege unterzogen worden, die eine weitere Schärfung im Front- und Heckdesign gebracht hat. Insbesondere die straffer geschnittenen Scheinwerfer samt J-förmiger LED-Signatur und die extrabreiten Luftauslässe (der Kompressorversion) stechen heraus. Das Sortiment wurde um einen Einsteiger-Vierzylinder-Turbodiesel mit 2,2 Liter erweitert. Der Motor leistet 190 PS und hat ein maximales Drehmoment von 450 Nm. Dank Stopp/Start-Technologie, die vorläufig nur dieses Modell besitzt, konnte der Kraftstoffverbrauch auf 5,4 l/100 (bei 149g CO2/km) gedrückt werden: der sparsamste Jaguar aller Zeiten. Bei dieser Marke, die sich diesem Motorentyp jahrzehntelang verweigert hat, ist man anscheinend auf den Geschmack gekommen: Zwei weitere Selbstzünder weist das Datenblatt aus, den 3.0 Liter V6 Diesel mit 240 PS und einem maximalen Drehmoment von 500 Nm sowie den 3.0 Liter V6 Diesel S (275 PS, 600 Nm). Dann gibt es noch den Benziner 5.0 Liter V8 mit 385 PS sowie die extrascharfe Kompressorversion XFR mit 5-Liter-V8 und 510 PS. Die Diesel kommen mit Achtgang-, die Benziner mit Sechsgang-Automatik, die sportlicheren Naturen finden auch Schaltwippen mit an Bord vor. Der XF des Modelljahrs 2012 ist bereits erhältlich.

Fortsertzung auf Seite 2: Skoda: Überraschend vorne.