Elektroindustrie

Firmenchef Felder: Bei Zumtobel kommt alles auf den Prüfstand

Der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel kommt in eine längere Phase der Restrukturierung. Werke in Dornbirn werden zusammengelegt, ein neues in Serbien startet. "Zumtobel ist kein Sanierungsfall", sagt Konzernchef Felder.

Der neue Chef des börsennotierten Leuchtenherstellers Zumtobel, Alfred Felder, sieht das Unternehmen in den nächsten vier bis fünf Quartalen in einer Restrukturierungsphase. Man werde sich alles genau anschauen um die Struktur zu optimieren, die Kosten zu senken und dabei auch alles auf den Prüfstand stellen. Defizitäre Produktionen und Standorte werde er nicht halten, kündigte er an.

"Zumtobel ist kein Sanierungsfall"

"Zumtobel ist kein Sanierungsfall, aber in weiten Teilen ein Restrukturierungsfall", betonte Felder Donnerstagabend vor Journalisten in Wien. Vier bis fünf Quartale werde diese Phase dauern, um die Firma für die Zukunft fit zu machen. "Mein Ziel ist es, Ruhe in die Mannschaft zu bringen." Wichtig sind für den neuen Konzernchef schlanke und klare Strukturen: "Ich glaube an lean, und an Leadership". Lesen Sie dazu auch das Interview mit Alfred Felder: "Es ist nicht alles rund gelaufen"

Der gebürtige Südtiroler Felder, seit 2012 im Zumtobel-Konzern, steht nun seit 1. Februar ganz an der Spitze. Der bisherige Vertriebsvorstand Felder hat den Chefsessel von Ulrich Schumacher - nach dessen vorzeitigem Abschied - übernommen. Ein interner Machtkampf zwischen dem Management und dem Hauptaktionär hatte getobt. Felder will das Vergangene nicht so gerne kommentieren, denn er will nun "Stabilität" ins Unternehmen bringen, betont er. Sein Kontakt mit dem 81-jährigen Aufsichtsratspräsidenten Jürg Zumtobel sei "sehr fair und konstruktiv", er treffe ihn auch regelmäßig. Felders Vertrag läuft nur bis April 2019, Gespräche über eine Verlängerungsmöglichkeit werde es wohl geben, erwartet er.

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Südtiroler leitet seit Februar den Konzern

Zumtobel ist ein Familienunternehmen, allerdings an der Börse notiert. 35 Prozent hält die Gründerfamilie, weiters gibt es vier strategische Investoren mit je 5 Prozent, der Rest der Aktien ist im Streubesitz. Am Weltmarkt ist Zumtobel in seiner Branche die Nummer Zwei nach Philips. Ein Renommierprojekt der Beleuchtungsexperten war die Elbphilharmonie in Hamburg, nun wurde eine Ausschreibung für ein Museum in Oslo gewonnen. Bei einem neuen Sportstadion in Barcelona rittert Zumtobel um den Beleuchtungsauftrag. Vernetzte Lichtlösungen seien die Zukunft in der Beleuchtungsbranche, auch die zugehörigen Sensoren werden von Zumtobel selbst entwickelt, schilderte Felder.

Weniger Mitarbeiter auch in Dornbirn erwartet

Der Leuchtenhersteller mit Sitz in Dornbirn in Vorarlberg hat weltweit 6.500 Mitarbeiter, davon 2.800 in Österreich. In Dornbirn (rund 2.000 Mitarbeiter) gibt es zwei Werke, ein Komponenten- und ein Leuchtenwerk, diese sollen zusammengelegt werden. Im Zuge der natürlichen Fluktuation erwartet Felder auch dort, am Stammsitz, künftig weniger Mitarbeiter im Einsatz. Zumtobel-Fabriken stehen in Österreich, Deutschland, Großbritannien, China, Australien, Neuseeland, den USA und bald auch in Serbien, wo im Herbst in Nis ein neues Werk eröffnet wird.

Eines von zwei Werken in China werden geschlossen

In China wolle man eines von zwei Werken schließen. Der deutsche Standort in Lemgo in Westfalen mit derzeit 250 Mitarbeitern werde verkleinert. Problemkind im Konzern ist Großbritannien. Im Jahr 2000 schluckte Zumtobel den britischen Lichtkonzern Thorn. "In einigen Märkten sind wir miserabel unterwegs", so Felder. So sei man in Nahost und in den USA mit kleinen Margen nie richtig ins Verdienen gekommen.

Die USA machen allerdings mit 35 Mio. Euro Umsatz nur einen kleinen Teil des Konzern-Jahresumsatzes von 1,3 Mrd. Euro aus. Davon werden rund 350 Mio. Euro im Komponentengeschäft und 1 Milliarde Euro im Leuchtengeschäft erwirtschaftet. Ein Drittel des Geschäfts wird mit professionellen Lichtapplikationen gemacht, ein Drittel mit Großkunden wie Supermarktketten (Aldi, Rewe, Salisbury etc.) und ein Drittel im Großhandel.

Für die Aktie erwartet der CEO nach dem Höhenflug auf fast 30 Euro und dem Absturz auf 7,5 Euro mittelfristig einen Kurs von 14 bis 15 Euro. Er besitze auch selber Zumtobel-Aktien. Das Auf und Ab beim Kurs erklärt Felder so: "Wir haben sehr viel versprochen und wenig gehalten." Ende Jänner hatte Zumtobel die zweite Gewinnwarnung innerhalb von nur drei Monaten herausgeben müssen.

Der auf LED-Lichtlösungen spezialisierte Konzern kämpft mit massivem Preisverfall. Felder ist bei Prognosen vorsichtig: Für das Gesamtjahr werde man das im letzten Ausblick Angekündigte auch liefern. Im März musste bereits ein Neun-Monats-Verlust gemeldet werden. Auf die Frage nach einer Dividende meinte Felder, "das wird ein bisschen schwierig".

Neue Software-Schmiede geplant - in Berlin, Barcelona oder Amsterdam

Felder will nun "alles" evaluieren. "Wir werden aus defizitären Märkten rausgehen und unprofitable Produkte beenden", kündigt er an. In Großbritannien spüre man sehr die Investitionszurückhaltung der Firmen wegen des bevorstehenden Brexit. Die international gute Konjunkturlage gebe Zumtobel aber wieder Rückenwind.

Neu aufgebaut werden soll eine sehr spezialisierte Software-Schmiede. Als Standort dafür komme leider Vorarlberg nicht infrage, weil es dort nicht die passenden Mitarbeiter gebe, erläutert Felder, selber promovierter Elektrotechniker. Überlegt werde derzeit etwa Berlin, Barcelona oder Amsterdam.

Vorarlberg: Akademiker gehen - und kehren nicht zurück

In Vorarlberg gebe es auch leider keine Universität, die in anderen Bundesländern oder im Ausland Studierenden kämen daher oft nicht zurück ins Heimatbundesland, was sich für die Unternehmen, die hochqualifizierte Mitarbeiter suchen, negativ auswirke. (apa/red)

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