Stahlindustrie

Finanzfirma kauft Tata Steel eine Sparte ab - um einen Pfund

Der indische Großkonzern Tata will raus aus Großbritannien. Beim ersten Deal schlägt jetzt eine Finanzfirma zu: Greybull Capital übernimmt den Bereich Long Products Europe. Der Kaufpreis: Ein Pfund.

In Großbritanniens krisengebeutelter Stahlindustrie können mehrere tausend Arbeiter aufatmen. Wie berichtet hat der indische Großkonzern Tata angekündigt, sich vollständig aus Großbritannien zurückziehen zu wollen. Jetzt hat Tata Steel einen Käufer für eine wichtige Sparte gefunden. Wie der größte Stahlkocher des Landes mitteilt, übernimmt der Finanzinvestor Greybull Capital den Bereich Long Products Europe im nordenglischen Scunthorpe mit 4.400 Beschäftigten.

Der Käufer plant nach eigenen Angaben keine Kündigungen. Er zahlt einen symbolischen Kaufpreis von einem Pfund, will dem Standort aber ein Investitions-und Finanzierungspaket von 400 Mio. Pfund (rund 500 Mio. Euro) zur Verfügung stellen. Teil des Deals sind ferner Vereinbarungen mit Zulieferern und Gewerkschaften über Kostensenkungen.

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Standort soll wieder "British Steel" heißen

Für Großbritanniens einst stolze Stahlbranche bedeutet die Transaktion zugleich eine Neubelebung der Tradition. Denn das Geschäft soll künftig wieder den altehrwürdigen Namen "British Steel" tragen, der vor fast zwei Jahrzehnten aus dem Firmenregister verschwand.

Wegen der Branchenkrise will Tata sich von seinem kompletten Großbritannien-Geschäft mit 15.000 Beschäftigten trennen. Die Käufersuche für den anderen Großstandort Port Talbot in Wales mit 4.000 Mitarbeitern dürfte langwieriger werden, weil viele schwierige Punkte wie Pensionsverpflichtungen und Energiesubventionen zu klären sind. Interesse hat bereits der Geschäftsmann Sanjeev Gupta gezeigt, der den Metallhändler Liberty House Group leitet. Hier die Übersicht aktueller Meldungen zu Tata Steel auf INDUSTRIEMAGAZIN.at.

Die englischen Konservativen und der industrielle Niedergang - im Mutterland der Industrie

Tata beklagt hohe Fertigungskosten, einen schwächelnden Markt und - wie die gesamte Branche in Europa - zunehmende Billigkonkurrenz aus China. Die Verkaufspläne des Konzerns setzen auch den britischen Premierminister David Cameron vor dem Referendum über den EU-Verbleib im Juni unter Druck. Aus Sicht von EU-Gegnern hat er zu wenig zum Schutz der Stahlindustrie getan, die einst das Herz der britischen Wirtschaft war.

Camerons Konservativen wird vorgeworfen, den Niedergang der Branche unter Premierministerin Margaret Thatcher in den 1980er Jahren eingeläutet zu haben. (reuters/apa/red)

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