Personalia

Finanzchef von MAN und Sania tritt zurück

Matthias Gründler tritt als Finanzchef von Volkswagens Lastwagensparte zurück. Der Rückzug geschehe "aus persönlichen Gründen", heißt es im Konzern. Volkswagen will MAN in Kürze an die Börse bringen.

Weniger als ein Jahr vor dem geplanten Börsengang muss sich die Lkw-Sparte von Volkswagen einen neuen Finanzchef suchen. Amtsinhaber Matthias Gründler sei "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten, sagte eine Firmensprecherin in München am Rande der MAN-Hauptversammlung. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest.

Gründler sei vergangene Woche ausgeschieden und lege alle seine Ämter im VW-Konzern nieder. Der 52 Jahre alte Finanzvorstand, ein ehemaliger Daimler-Manager, war seit 2015 bei VW Truck & Bus und Mitglied im Aufsichtsrat von MAN. Zudem saß er in Kontrollgremien von MAN Latin America und Scania, die ebenfalls zur VW-Truck-Sparte gehören. Deren Börsengang wird für das Startquartal 2019 erwartet, festlegen will sich VW aber nicht.

Auf der MAN-Hauptversammlung ließ VW-Truck-Chef Andreas Renschler Fragen nach den Börsenplänen offen. In seiner Funktion als MAN-Aufsichtsratsvorsitzender könne er dazu nicht Stellung nehmen. VW will einen international führenden Anbieter von Nutzfahrzeugen schmieden und dazu die Zusammenarbeit der eigenen Töchter und auch mit bestehenden Partnern ausbauen.

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Kein Wort über den Rücktritt

Über Gründlers Rücktritt, über den zuerst Bloomberg berichtet hatte, verlor Renschler bei dem Aktionärstreffen kein Wort. Er sagte lediglich, das MAN-Aufsichtsratsmitglied sei "aus persönlichen Gründen" nicht anwesend. Bei MAN sorgte der Rücktritt hinter den Kulissen für Überraschung. Später teilte VW Truck & Bus zu Gründlers Rückzug mit: "Wir bedauern dies sehr, respektieren seine Entscheidung aber voll und ganz."

Der US-Lkw-Bauer Navistar, an dem die VW-Sparte beteiligt ist, hatte Ende vergangener Woche mitgeteilt, dass Gründler aus dem Führungsgremium ausscheide. Im April hatte der Sparten-Finanzchef gesagt, ein Übernahmeangebot für Navistar würde "irgendwann einmal" Sinn ergeben. Die nötige Summe von drei bis vier Milliarden Euro wäre auch ohne Mittel aus einem Börsengang aufzubringen.

Den Gang aufs Parkett trieben Renschler und Gründler als langjährige Weggefährten bisher gemeinsam voran. Mithilfe einer breiteren internationalen Aufstellung und mehr Einspareffekten innerhalb des Nutzfahrzeugkonzerns will VW Truck & Bus die Rendite steigern. Für 2019 sind mehr als acht Prozent angepeilt, bis Mitte der nächsten Dekade neun Prozent. 2017 erzielte die VW-Tochter eine Marge von 6,9 Prozent - mehr als Daimlers Trucksparte mit 6,7 Prozent.

MAN soll "schärfer" sparen

MAN-Chef Joachim Drees kündigte für sein Haus ebenfalls einen schärferen Sparkurs an. "Wir wollen im gesamten Unternehmen ein höheres Effizienz-Level erreichen." Bei MAN Truck & Bus sollen die Produkt- und Materialkosten bei der Fahrzeugentwicklung weiter sinken. Auch in der Produktion und der Entwicklung sowie in der Verwaltung seien noch Sparpotenziale zu heben. Die Profitabilität der Gruppe von zuletzt 3,9 Prozent sei "noch nicht zufriedenstellend". 2018 werde sich die operative Rendite leicht verringern, vor allem weil die Marge im Geschäft mit Großmotoren und Turbomaschinen spürbar zurückgehen dürfte. Das Lkw- und Busgeschäft soll dagegen etwas mehr abwerfen.

Die MAN-Sparte Diesel & Turbo und der Getriebehersteller Renk, an dem MAN 76 Prozent der Anteile hält, sollen bei einem Börsengang der VW-Trucksparte nicht dabei sein. Überlegt wird, sie innerhalb des VW-Konzerns anderswo anzugliedern. Fragen von Aktionärsvertretern nach geplanten Verkäufen ließ Drees offen. "Seitens MAN gibt es derzeit keine konkreten Pläne, Anteile an Renk zu verkaufen." Seitens VW möge es solche Überlegungen geben, mögliche Auswirkungen auf MAN seien aber Spekulation. (reuters/apa/red)

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