Autoindustrie

Fiat will heuer in Serbien 70.000 Autos produzieren - einige Fragen offen

Die serbische Konzerntochter von Fiat Chrysler will 2018 rund 70.000 Fahrzeuge des "Fiat 500 L" produzieren. Beim Blick in die Zukunft bleiben allerdings einige Fragen offen.

Die serbische Tochter von Fiat Chrysler will 2018 rund 70.000 Fahrzeuge vom Fiat-Modell "500 L" produzieren. Wie die Tageszeitung "Danas" berichtete, würde dies dem vorjährigen Produktionsoutput entsprechen.

Ein mit der serbischen Regierung im Jahr 2008 abgeschlossenes Abkommen läuft mit Jahresende ab. Derzeit gibt es laut der Zeitung allerdings keine konkreten Informationen zu einer Vertragsverlängerung. Nachdem die Geschäftsführung Ende des Vorjahres einen neuen Kollektivvertrag mit der Betriebsgewerkschaft unterzeichnet hat, wird im Betrieb derzeit auch nicht über einen Abzug von Fiat Chrysler spekuliert, schreibt die Zeitung.

Trotz rückläufiger Exporte ist der Autohersteller auch im Vorjahr führender Autoexporteur Serbiens gewesen. Bis Ende November 2017 belief sich der Exportwert laut Behördenangaben auf 870,2 Mio. Euro, ein Jahr zuvor waren es noch knapp 930 Mio. Euro gewesen. Im Vorjahr kam es wie von INDUSTRIEMAGAZIN.at mehrfach berichtet zu Streiks und Konflikten am Standort: Fiat Chrysler kann die Wogen in Serbien glätten >>

White Paper zum Thema

Heute größter Industriebetrieb Serbiens

Fiat hatte im Jahr 2008 den serbischen Autobauer "Zastava" übernommen, der Autos nach einer alten Fiat-Lizenz produziert hatte. Der italienische Autohersteller hält einen 67-prozentigen Anteil an der serbischen Firma, 33 Prozent des Werks sind noch im staatlichen Besitz. Die beiden Eigentümer hatten entsprechend ihrer Beteiligungshöhe insgesamt 1,3 Mrd. Euro in die Modernisierung des Betriebs investiert.

Traditionsreicher jugoslawischer Hersteller

Einst war der jugoslawische und später serbische Hersteller Zastava ein international exportierender Autobauer, der seit den 1950er Jahren Fahrzeuge in Lizenz von Fiat und später als eigene Entwicklung fertigte und einige Modelle nach Westeuropa und in die USA verkaufte.

Eines dieser Modelle war etwa der seit 1981 verkaufte "Zastava Yugo 45". In den 1990er Jahren beteiligten sich der deutsche Sportwagenbauer Porsche und der Zulieferer Bosch an der Weiterentwicklung des Motors.

Bosch, Porsche und Giorgetto Giugiaro an Bord

An der Überarbeitung des Designs beteiligte sich sogar der legendäre italienische Autodesigner Giorgetto Giugiaro, der die Originalformen des ersten Volkswagen Golf entworfen hat. Doch zur Serienfertigung des neuen Zastava Yugo sollte es so bald nicht mehr kommen.

Nach dem Ausbruch des Krieges im ehemaligen Jugoslawien kamen zuerst Produktionsverzögerungen, weil der "Yugo" ein echtes Produkt "made in Yugoslavia" war - mit der Herstellung von Komponenten im ganzen Land, vor allem aber in Kroatien und Slowenien. Dann kam das Handelsembargo gegen Serbien. Schließlich zerstörte ein Luftangriff, der eigentlich Zastavas Waffenproduktion direkt nebenan treffen sollte, die Autoproduktion fast vollständig.

Als der Krieg zu Ende war, produzierte Zastava die Autos ab 2000 weiter - erreichte jedoch nur einen Bruchteil seiner früheren Produktionszahlen.

Fiat steigt 2008 ein - Standort ist heute 930 Millionen Euro wert

Im Jahr 2008 übernahm Fiat die Mehrheit am Autobauer. Der italienische Konzern hält seither einen Anteil von 67 Prozent. Die anderen 33 Prozent des Werkes sind weiterhin im staatlichen Besitz.

Die beiden Eigentümer hatten entsprechend ihrer Beteiligungshöhe insgesamt 1,3 Milliarden Euro in die Modernisierung des Betriebs investiert. Der mit der einstigen serbischen Regierung unterzeichnete Vertrag läuft noch bis 2018. Im Vorjahr lag der Wert des Standortes in Zastava bei über 930 Millionen Euro.

(pm/APA)