Manipulationsverdacht

Fiat-Chef Marchionne: „Wer uns mit VW vergleicht, hat was geraucht"

Der Chef des Autokonzerns Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, hat Vorwürfe der Abgasmanipulation und einen Vergleich mit Volkswagen scharf zurückgewiesen. Währenddessen beklagt die EU ihre eigene Machtlosigkeit.

"Wir haben keinerlei Betrug begangen. Unser Fall ist in keiner Weise mit dem von Volkswagen vergleichbar", sagte Sergio Marchionne in einem Interview mit italienischen Medien. Seit Monaten würde FCA mit der US-Umweltbehörde EPA im Kontakt stehen. "Unsere Emissionen sind ganz klar berichtet worden." Er sei sehr verärgert über die Anschuldigungen.

In den USA steht der Branchenriese im Verdacht, bei rund 100.000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben. Das hatte das US-Umweltamt EPA am Donnerstag mitgeteilt. Es geht um Software zur Abgaskontrolle, die Fiat Chrysler nicht offengelegt und so gegen Umweltgesetze verstoßen habe.

Er hoffe, dass der bevorstehende Regierungswechsel von US-Präsident Barack Obama zu Donald Trump keine Rolle bei dem Fall spiele. "Offensichtlich gab es jemanden bei der EPA, der das Dossier schließen musste, bevor die neue Regierung da ist", so Marchionne. "Aber ich will hoffen, dass es keine politische Angelegenheit ist."

EU-Kommission ist machtlos

Die EU-Kommission räumt währenddessen ein, dass ihr in Fällen wie dem Vorwurf der Schummelei von Abgastests bei Fiat Chrysler die Hände gebunden sind. "Unsere direkte Durchsetzungsmacht ist sehr limitiert, um nicht zu sagen, nicht existent", sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

Die Kontrolle der Autobauer und der Abgaswerte bei ihren Fahrzeugen sei Aufgabe der nationalen Behörden. Sollte die EU-Kommission aber den Verdacht haben, dass ein Mitgliedsland EU-Recht nicht einhalte, könne ein Verfahren eröffnet werden.

Ein solches Verfahren wegen Schummeleien von Herstellern bei Abgastests läuft seit Anfang Dezember bereits gegen Deutschland, Großbritannien, Spanien und Luxemburg. Die Sprecherin erinnerte daran, dass die EU-Kommission vor einem Jahr Vorschläge vorgelegt hat, Abgastests unabhängiger zu gestalten sowie der EU Möglichkeiten zur Überwachung und Verhängung von Strafen zu geben. 

Die Sprecherin forderte Italien zudem erneut dazu auf, die EU-Kommission zeitnah davon zu überzeugen, dass bei dem italienisch-amerikanischen Autobauer alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Die US-Umweltbehörde beschuldigt Fiat Chrysler, in Diesel-Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben, die eine Überschreitung des erlaubten Schadstoffausstoßes ermögliche. (apa/dpa/Reuters)

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