Ausbildung

FH Joanneum richtet europaweit einzigartigen Masterlehrgang ein

Die FH Joanneum bietet ab dem heurigen Herbst einen europaweit einzigartigen Masterlehrgang für System Test Engineering. Die Kosten übernehmen acht steirische Industrieunternehmen. Spezialisten in diesem Bereich werden von der Industrie sehr stark gesucht.

Experten für die systematische Testung komplexer elektronischer und mechatronischer Systeme werden von der Industrie gesucht wie die Nadel im Heuhaufen. An der FH Joanneum startet im Herbst 2019 ein europaweit einzigartiger Masterlehrgang für System Test Engineering. Acht in der Steiermark ansässige Industrieunternehmen und der Silicon-Alps-Cluster übernehmen die Lehrgangskosten.

Reaktion auf sehr hohen Bedarf an Testingenieuren

In vielen Industriebereichen, darunter auch die Halbleiterindustrie und die Automobilbranche ist der Bedarf nach Systemtestingenieuren in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. An der FH Joanneum wurde dafür ein Curriculum entwickelt. Teilnehmer des viersemestrigen Masterlehrgangs müssen laut Lehrgangleiter Christian Vogel ein MINT-Studium absolviert und bereits Erfahrungen im Bereich Elektronik/Informatik haben.

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Die Ausbildung geht in Richtung Analyse, Verifikation und Validierung von komplexen Systemen aus Mechanik, Elektronik und Software. Messtechnik, Software-Entwicklung und automatisierte Testsysteme aber auch Qualitäts- und Projektmanagement und Kommunikation spielen eine zentrale Rolle. "Es gibt im europäischen Raum keine entsprechende Ausbildung", betonte auch FH-Geschäftsführer Karl Peter Pfeiffer.

Erster ganz von der Industrie finanzierter Lehrgang

"Autonomes Fahren, Smart City, 5G werden den Halbleitermarkt befeuern, die Systeme, die immer kleiner und komplexer werden müssen aber auch getestet werden - und die Testanforderungen steigen", erklärte Michael Stichlmair von Advantest Europe GmbH. "Für viele Ingenieure klingt 'testen' nicht sehr sexy, aber so ist es nicht. Das Testen spielt eine zentral wichtige Rolle und ist ebenso wichtig wie Design und Entwicklung", meint Thomas Riener, Executive Vice President bei der AMS AG. Der Bedarf nach entsprechenden Spezialistinnen und Spezialisten sei hoch.

"Wir brauchen eine schnelle Lösung", betonte auch Andreas Gerstenmayer, Vorstandsvorsitzender von AT&S. Für die im Süden Österreichs angesiedelte Elektronik- und Mikroelektronikindustrie sei der Lehrgang "ein bedeutender Beitrag zur Stärkung der dringend benötigten Fähigkeiten und Humanressourcen", wie Gerstenmayer formulierte.

Vorerst auf 16 Plätze beschränkt

Die Ausbildungsplätze sind vorerst auf 16 Plätze beschränkt, führte Martin Payer, kaufmännischer Geschäftsführer der FH-Joanneum an. "Ohne die Unternehmen wäre der Studiengang nicht möglich gewesen. Der Bund hat uns ein wenig in Stich gelassen. Jetzt nehmen wir es selbst in die Hand und engagieren uns über das normale Maß hinaus", sagte Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP).

Acht Industriebetriebe übernehmen die Kosten

In Summe übernehmen acht Industrieunternehmen (u.a. auch Akka Austria, AVL List, Infineon Technologies Austria AG, Magna Steyr, NXP Semiconductors Austria) und der Mikroelektronik-Cluster Silicon Alps zur Gänze die Lehrgangskosten. In Summe wurden 400.000 Euro aufgestellt. "Wir wissen, dass es in der Region einen hohen Bedarf an speziell ausgebildeten Expertinnen und Experten gibt und haben gemeinsam einen Weg gefunden, diese Weiterbildung für die nächsten zwei Jahre zu finanzieren", begründete Günther Lackner das Engagement des Clusters. "Wir werden aber bei der erstmöglichen Einreichung einen Antrag für finanzierte Plätze einreichen und hoffen, dass der Bund erkennt, wie hoch der Bedarf ist", so Eibinger-Miedl. (apa/red)

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