Coronakrise

Felbermayr rechnet mit einer weiter anhaltenden Arbeitslosigkeit in Österreich

Gabriel Felbermayr, der österreichische Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, rechnet mit einer weiterhin hohen Arbeitslosigkeit hierzulande. Die Krise treffe Österreichs Wirtschaft mitten in großen strukturellen Veränderungen.

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Der aus Österreich stammende Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, sieht es als größte Aufgabe für die heimische Politik an, für Dynamik auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen. Auch auf eine Pleitewelle müsse sie sich vorbereiten. Noch lange werde die Arbeitslosigkeit aber über jenem Niveau bleiben, das man für hierzulande gewohnt sei, sagte der Ökonom gegenüber dem ORF.

Es gehöre "viel stärker auf Qualifikationsmaßnahmen abgestellt". Nur so könne es gelingen "das Humankapital zu erhalten, das notwendig sein wird für Wachstum in den nächsten Jahren". Die Kurzarbeit sei sinnvoll, wo sie angewandt werde brauche es aber "auch ein rettendes Ufer". Es müsse überlegt werden, was mit den Menschen geschehen solle, deren Bereiche nicht mehr so groß auferstehen würden, als sie vor der Coronakrise waren, so Felbermayr.

Krise trifft die Wirtschaft mitten im grundlegenden Umbau

Die Krise habe Österreichs Wirtschaft ein wenig auf dem falschen Fuß erwischt, deutete der Wissenschafter an. Diese habe die Alpenrepublik nämlich in einer Zeit von Strukturveränderungen erwischt. "Schon 2019 war das Wachstum nicht berauschend", sagte Felbermayr. Die Kfz-Industrie der viele heimische Unternehmen zuliefern sei im Umbruch "und die Digitalisierung rollt".

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Der Einbruch im vierten Quartal des Vorjahres - mit 7,8 Prozent viel höher als im EU-Schnitt mit 4,8 Prozent - sei "verheerend" ausgefallen. Viel sei dem in Österreich besonders wichtigen und voll von der Krise getroffenen Tourismussektor zuzuschreiben, aber auch nicht alles. Weitere Coronahilfen seien für Österreich dank seiner günstigen Verschuldungsmöglichkeiten auf den Finanzmärkten finanzierbar. Je länger diese anhalten müssten, desto mehr schränke man aber den zukünftigen finanziellen Spielraum ein.

Felbermayr argumentierte fürs Aufsperren von Wirtschaftsbereichen, in denen dies dank Tests notwendig sei. Insgesamt drohe aber eine Pleitewelle vornehmlich in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich. "Ich glaube schon, dass wir damit rechnen müssen." In der Hotellerie sei mit Übernahmen zu rechnen. Grundsätzlich hielt Felbermayr fest: "Ein großer Schock braucht Zeit, bis er wieder abgeflaut ist." (apa/red)