Halbleiter

Feindliche Übernahmeversuch von Merck: Versum gibt jetzt doch nach

Erinnerungen an die Megaübernahme bei Bayer und Monsanto werden wach: Der Chemieriese Merck will den amerikanischen Halbleiterzulieferer Versum übernehmen. Dieser gibt dem Druck jetzt doch nach und erklärt sich bereit für Verhandlungen.

Der US-Halbleiterzulieferer Versum zeigt sich unter dem Druck des feindlichen Übernahmeangebots von Merck offen für Verhandlungen. Die Amerikaner teilten in Tempe (Arizona) mit, Gespräche mit dem deutschen Konzern aufnehmen zu wollen. Das Offert des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns von 48 Dollar je Aktie in bar wies Versum aber erneut zurück. "Das Angebot ist nicht im besten Interesse von Versum oder seinen Aktionären", hieß es.

Merck legt sechs Milliarden Dollar auf den Tisch

Merck hatte in der Vorwoche offiziell 6 Mrd. (5,35 Mrd. Euro) für Versum auf den Tisch gelegt und damit Ernst gemacht mit seinen Plänen für eine feindliche Übernahme. Finanzierungszusagen für den Deal mit Banken lägen schon vor. Das Management der Amerikaner hatte sich allerdings schon im Jänner mit dem US-Konzern Entegris auf eine rund 4 Mrd. Dollar schwere Übernahme geeinigt und deshalb zunächst die Avancen aus Deutschland abgeblockt.

Versum empfahl nun seinen Aktionären, ihre Papiere Merck nicht anzudienen. Auch bleibe es bei der Empfehlung an die Investoren, dem Entegris-Deal zuzustimmen. Die Versum-Anteilseigner sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 26. April über den Zusammenschluss mit dem US-Spezialchemiekonzern abstimmen.

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Zugleich gab Versum bekannt, dass das Management und seine Berater beauftragt wurden, weitere Gespräche mit Merck zu führen. Dabei sollen Merck auch nicht-öffentliche Informationen zur Verfügung gestellt werden. Die Prüfung der Bücher ist ein üblicher Schritt in Übernahmeverhandlungen. Einen ersten Kontakt zwischen den beiden Unternehmen hat es laut der Angaben schon gegeben.

Mit dem Schritt vollzieht Versum eine Wende im Bieterringen. Bisher hatten die Amerikaner Gespräche mit Merck abgelehnt, was die Deutschen zum Angebot gegen den Willen des Versum-Managements veranlasste. "Wir begrüßen die Ankündigung von Versum, mit uns in Gespräche zu treten"", erklärte Merck.

Die Deutschen wollen mit der Versum-Übernahme ihr schwächelndes Geschäft mit Spezialchemie stärken und mehr auf die Elektronik-Industrie ausrichten. Versum hat 2.300 Mitarbeiter und stellt Spezialgase und -chemikalien für Halbleiter her.

Nun dürfte der Poker um den Übernahmepreis beginnen. Die Aussicht auf einen womöglich teureren Deal drückte Merck-Aktien leicht auf 101 Euro. Investoren setzen schon auf einen Nachschlag beim Angebot: Versum-Papiere stiegen leicht auf 50 Dollar und notierten damit über dem Kaufangebot von Merck von 48 Dollar.

Merck hofft auf die Unterstützung der Versum-Aktionäre. Der Konzern hat die Investoren der Amerikaner aufgefordert, gegen den Deal mit Entegris zu stimmen. Ein Statement dazu hat Merck bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Chef Stefan Oschmann hatte sich auf der Bilanzvorlage Anfang März entschlossen für die Übernahme gezeigt und von positiven Reaktionen am Kapitalmarkt gesprochen.

Die Deutschen setzen darauf, dass die Versum-Aktionäre dem Bar-Angebot aus Darmstadt nicht widerstehen können und Unwägbarkeiten bei dem Deal mit Entegris vorziehen. Dabei ist ein Zusammenschluss "unter Gleichen" in Aktien vorgesehen. Das Angebot von Merck sei klar überlegen, schrieb der Dax-Konzern in einem offenen Brief an die Versum-Aktionäre: "Sagen Sie dem Versum-Vorstand, dass er seine Arbeit machen und ihre Interesse an erster Stelle setzen soll." (dpa/apa/red)

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