Autoindustrie

Fall Ghosn: Renault wirft Nissan "Entgleisungen" vor

Ungewöhnlich harte Worte findet man beim Autobauer Renault gegenüber seinem Partner Nissan. In einem internen Papier werfen die Franzosen den Japanern "Entgleisungen" bei den Methoden vor. Auch habe Nissan in Frankreich ermittelt, ohne Renault zu benachrichtigen.

In der Affäre um den ehemaligen Renault-Chef Carlos Ghosn kritisiert der französische Autobauer einem Zeitungsbericht zufolge das Vorgehen seines japanischen Allianzpartners Nissan bei internen Ermittlungen. Die Zeitung "Le Journal du Dimanche" zitierte aus einem Schreiben der Anwälte von Renault, in dem diese "ernsthafte Bedenken über die eingesetzten Methoden" von Nissan äußerten.

Erstaunt über die Methoden der Japaner

Renault warf Nissan demnach "Entgleisungen" vor. "Renault hat genügend Beweise gesammelt, um zu verstehen und zu bedauern, welche Methoden von Nissan und seinen Anwälten eingesetzt wurden, um zu erwirken, dass Beschäftigte von Renault durch die japanische Staatsanwaltschaft befragt werden", heißt es demnach in dem Brief. Er ist auf den 19. Jänner datiert.

Darüber hinaus habe Nissan in Frankreich nach belastenden Hinweisen gegen Ghosn gesucht, ohne Renault zu konsultieren, zitierte die Zeitung weiter aus dem Schreiben. Auch habe Nissan versucht, die Appartements von Ghosn in Brasilien, im Libanon und in den Niederlanden zu durchsuchen, ohne Renault darüber zu informieren.

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Nissan: Das Schreiben ist nicht der aktuelle Stand

Ein Nissan-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Anwälte des japanischen Autobauers hätten auf das Schreiben bereits mehrfach mündlich und schriftlich geantwortet. Der Vorgang spiegle nicht den "derzeitigen Zustand der Gespräche" wider. Nissan habe sich immer für einen "offenen und direkten Austausch mit seinen Partnern ausgesprochen, um relevante Fakten aufzudecken".

Ghosn war am 19. November überraschend in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen. Ghosn bestreitet die Vorwürfe.

Seine Angehörigen haben sich inzwischen wegen der Haftbedingungen an eine Menschenrechtsgruppe gewandt. Ghosn sitzt in einer winzigen nicht beheizten Zelle, in der rund um die Uhr Licht brennt. Er wird täglich stundenlang verhört.

Hier der Überblick unserer Meldungen zu diesem Fall sowie zur Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi >>

Der einstige Vorzeigemanager trat im Jänner als Chef von Renault zurück. Zuvor hatten bereits Nissan und Mitsubishi den 64-Jährigen als Vorsitzenden des Verwaltungsrats entmachtet. Die Festnahme von Ghosn hatte Risse zwischen Nissan und Renault gezeigt, die ihr Dreier-Bündnis mit Mitsubishi Motors eigentlich vertiefen wollen. (afp/apa/red)

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