Autoindustrie

Fall Ghosn: Japans Regierung schickt Minister nach Paris

Nach der völlig überraschenden Verhaftung des Renault-Nissan-Chefs Carlos Ghosn wird Japans Wirtschaftsminister Hiroshige Seko in Kürze in Paris erwartet. Dem Bündnis, zu dem auch Mitsubishi gehört, droht offenbar ohne Ghosn ein Auseinanderfallen - Frankreich möchte das verhindern.

In der spektakulären Finanzaffäre um Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn wird Japans Wirtschaftsminister Hiroshige Seko in Kürze in Paris erwartet. Er wolle mit Seko über die französisch-japanische Autoallianz und deren Verlängerung "im Dienst der weltweiten Automobilindustrie" sprechen, sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire in Paris.

Ghosn soll offenbar weiter in Haft bleiben

Ghosn soll nach seiner Verhaftung in Japan wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Börsenauflagen zunächst für zehn weitere Tage festgehalten werden. Internen Ermittlungen zufolge sollen er und ein weiterer Manager Geldbezüge in offiziellen Berichten an die japanische Börse falsch dargestellt und in Ghosns Fall zu niedrig beziffert haben. Medien hatten berichtet, Ghosn habe seit 2011 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 5 Milliarden Yen (rund 39 Mio. Euro) Einkommen zu wenig angegeben.

Renault bekommt vorübergehend einen neuen Chef

Renault hatte diese Woche bereits seinem Vize-Generaldirektor Thierry Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen, solange Ghosn "verhindert" sei. Ghosn bleibe aber zunächst Vorsitzender und CEO.

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Le Maire sagte mit Blick auf Bolloré und den amtierenden Verwaltungsratschef von Renault, Philippe Lagayette: "Die Führung von Renault ist solide, aber kommissarisch". Mit Blick auf die Vorwürfe gegen Ghosn sagte Le Maire, bisher lägen in Frankreich keine Beweise vor: "Wir leben in einem Rechtsstaat." Der Staat hält bei Renault 15 Prozent der Anteile. (dpa/apa/red)

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