Autoindustrie

Fall Carlos Ghosn: Menschenrechtler kritisieren Japans Justiz

Immer lauter kritisieren Menschenrechtler den Umgang der japanischen Justiz mit dem inhaftierten Topmanager Carlos Ghosn. Er wartet seit November in einer unbeheizten und rund um die Uhr beleuchteten Zelle auf einen Prozess.

Der Umgang der japanischen Justiz mit dem im vergangenen Jahr festgenommenen Automanager Carlos Ghosn stößt bei Menschenrechtsorganisationen auf Kritik. Die Inhaftierung des früheren Chefs der Herstellerallianz Renault-Nissan-Mitsubishi offenbare "ernsthafte Schwächen" des Justizsystems, hieß es.

Die Kritik kommt von der internationalen Föderation der Menschenrechtsligen (FIDH) und des japanischen Zentrums für die Rechte von Gefangenen (CPR). Japan müsse nun dringend konkrete Schritte dagegen unternehmen.

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Ghosn war am 19. November überraschend in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe jahrelang ein zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den Autobauer übertragen.

Der einstige Vorzeigemanager bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung bei Nissan. Die Anträge seiner Anwälte auf Haftentlassung gegen Kaution blieben allerdings ohne Erfolg: Die Justiz sieht bei Ghosn Fluchtgefahr sowie die Möglichkeit, dass er Beweise vernichten könnte. Die Untersuchungshaft ist bis 10. März angeordnet. Danach soll der Prozess beginnen.

Die Menschenrechtsorganisationen kritisierten nun insbesondere, dass Ghosn das Recht auf einen Anwalt bei Befragungen durch die Ermittler verwehrt worden sei - sowie die Dauer der Inhaftierung vor Prozessbeginn und auch die Haftbedingungen. Diese Schwächen kennzeichneten das japanische Justizsystem bereits seit "zu langer Zeit", kritisierte CPR-Generalsekretärin Maiko Tagusari.

Nötig seien nun "konkrete Schritte", um diese Fehler zu beheben. So müsse Japan etwa dringend überfällige Berichte an die Menschenrechtsinstitutionen der Vereinten Nationen übermitteln.

Ghosn selbst hatte die japanische Justiz Ende Jänner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP scharf attackiert: Die Behandlung die er erfahren habe, wäre in jeder anderen Demokratie "nicht normal", sagte er. (afp/apa/red)

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