Flugzeugindustrie

FACC nimmt die Umsatzmilliarde ins Visier

Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer kehrt trotz des millionenschweren Betrugsfalls in die Gewinnzone zurück und rüstet sich mit bis zu 200 neuen Mitarbeitern für deutliches Wachstum. Die Jagd nach den Betrügern geht weiter.

Ein millionenschwerer Geschäftsführertrickbetrug hat den oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC viel Geld und Nerven gekostet. Im ersten Halbjahr blieb unterm Strich dennoch ein kleiner Gewinn. Beim Umsatz will das Unternehmen in chinesischer Hand heuer zweistellig wachsen, so der Interimschef Robert Machtlinger. Auftragsbücher und Auftragsbücher seien voll. Die Aufarbeitung des Betrugs zieht sich.

Der Betrugsfall schlug sich in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 mit 1,4 Mio. Euro in der Bilanz nieder, was das Betriebsergebnis (Ebit) des Konzerns von 6 Mio. auf knapp 4,6 Mio. Euro drückte. Das Ergebnis nach Steuern sackte von 3,5 Mio. auf 389.000 Mio. Euro ab.

"Das war auch dem Wachstum geschuldet. Wir hatten relativ hohe Personalkosten", sagte der interimistische FACC-Chef Machtlinger gegenüber der Austria Presse Agentur.

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Rüsten für Wachstum

Die FACC ist auf Wachstumskurs. 2020 will der Konzern mit derzeit 3.441 Mitarbeitern weltweit eine Milliarde Euro umsetzen. "Das Positive an unserer Branche ist die Langfristigkeit. Wir sind relativ stark auf neuen Plattformen investiert." Bei den großen Flugzeugbauern Boeing und Airbus sei man gut vertreten, so liefern die Oberösterreicher zum Beispiel Teile für den Airbus A350. "Der hat im heurigen Jahr die Auslieferungsraten mehr als verdoppelt", sagte der FACC-Chef.

In den kommenden Monaten und Jahren sollen die Abläufe verbessert und dadurch die Ertragskraft gesteigert werden. "Wir haben derzeit ein sehr junges Portfolio. Mit dem Wiederholen der Tätigkeit wird das Personal schneller", so Machtlinger.

Ein langer Vorlauf bis zur Automatisierung

Am Beginn einer Serienphase sind in der Luftfahrtindustrie üblicherweise sehr viele kleine Anpassungen nötig, die Produktion läuft daher noch nicht automatisch. Zuerst werden einmal die Teile in den Flugtest geschickt und auf Herz und Nieren getestet, so Machtlinger. In dieser Phase "würden Sie sich nie einen Roboter hinstellen, der Sie ein paar Millionen Euro kostet." Erst, wenn die Prozesse optimiert sind, wird die Produktion automatisiert. "Beim Airbus A350 sind wir jetzt genau in der Übergangsphase."

Für den A350 baut FACC beispielsweise sogenannte Winglets (aerodynamischen Flügelspitzen, die 380 Kilogramm pro Flugzeug wiegen), Schubumkehrer (die letzten zwei Meter des Triebwerks) und Gepäckablagefächer.

FACC könnte knapp elf Millionen Euro zurückbekommen

Was die Suche nach den verlorenen Millionen angeht, ist Machtlinger optimistisch, 10,8 Mio. der insgesamt 52 Mio. abhandengekommenen Euro wiederzubekommen. Die 10,8 Mio. Euro liegen auf Bankkonten in China, Hongkong und Taiwan und sind eingefroren. "Wir haben eine Verfügung erwirkt, diese Gelder nicht weiterzutransferieren." In "absehbarer Zeit" soll das Geld zu FACC zurückfließen.

Da es mit den betreffenden Ländern keine Rechtshilfeabkommen gibt, ist die FACC auf diplomatisches Geschick angewiesen. "Wir arbeiten intensiv mit Ministerien, Banken und Behörden zusammen", so Machtlinger. Sogar das Außenministerium sei involviert. In China machten die chinesischen Eigentümer von FACC Druck, täglich gebe es Gespräche. "Momentan funktioniert das ganz gut."

Suche auch über das Außenministerium

42 Mio. Euro hat das Unternehmen bereits abgeschrieben, bemüht sich aber dennoch, davon noch etwas zurückzubekommen. "Es gibt Arbeitsgruppen von Rechtsanwaltskanzleien, die sich des Falls angenommen haben." Vor allem versucht man es bei den Versicherungen derzeitiger und früherer FACC-Organe.

Die FACC ist Anfang des Jahres auf einen in der Industrie nicht so selten vorkommenden Trick hereingefallen: Der vermeintliche Firmenchef hat via Mail verlangt, Geld für ein Geschäft zu überweisen.

Systeme "nachgeschärft"

Infolgedessen mussten die chinesische Finanzchefin Minfen Gu sowie später auch Firmengründer Walter Stephan ihre Sessel räumen. Die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt in dem Fall nach wie vor.

Welche Konsequenzen die FACC sonst aus dem Fall gezogen hat? "Wir haben unsere Systeme signifikant nachgeschärft", so Machtlinger. Der wesentlichste Punkt sei aber die Wachsamkeit und das Bewusstsein der Mitarbeiter. Es gab entsprechende Schulungen.

Neuer Chef gesucht

Machtlinger ist bereits seit den späten 1980er Jahren bei FACC und hat sich auch um den Chefposten beworben - das Unternehmen will bis Jahresende eine Entscheidung über den neuen CEO treffen. Machtligner hat mit dem Rauswurf von Stephan neben seiner Funktion als COO interimistisch auch den Posten des CEO übernommen.

Stephan indes hat gegen seine Entlassung eine Klage eingebracht. Dass er, wie er verlangt, wiedereingestellt wird, hält Machtlinger für "fast nicht umsetzbar".

Was die Gehaltsnachforderungen betrifft - Stephans Vertrag läuft bis Mitte 2019 -, seien die Anwälte der Streitparteien in laufendem Kontakt. "Die Forderung, die er gestellt hat, gilt es zu bewerten", so der momentane FACC-Chef.

Die Umsatzmilliarde ins Visier

Der Interimschef wiederholte die Vorgabe, dass die Firma bis 2020 beim Umsatz die Marke von einer Milliarde Euro knacken werde. "FACC kann bis 2020 bis zu einer Viertelmilliarde jährlich wachsen", so Machtlinger unter Verweis auf die Aussichten der Luftfahrzeugindustrie und die vorliegenden Aufträge.

Man sei bei den hergestellten Komponenten der einzige Lieferant am Markt. Rund 15 Mio. Euro werden in Gebäudeerweiterungen und Anlagen in den Werken Reichersberg und St. Martin im Innkreis sowie in Technologie investiert. So habe man ein neues Prüfverfahren "Thermografic Inspection" statt des Einsatzes von Ultraschall für die Produkte entwickelt, das den Zeitaufwand von Stunden auf Minuten verringert.

Bis zu 200 neue Mitarbeiter

Obendrein rekrutiere der Hersteller gerade zusätzlich 150 bis 200 Mitarbeiter in den kommenden 12 bis 18 Monaten. Die Vorlaufzeiten bis zu deren Einsatz betragen aber mehrere Monate: "Keiner kommt mit dem Know-how, das wir brauchen, wir bilden selber aus", erläuterte Machtlinger.

Aktionäre können mit mehr Geld rechnen

Den Aktionären macht Machtlinger Hoffnung auf eine Dividende. Im Vorjahr gab es wegen des Verlusts keine Ausschüttung, ob es heuer etwas geben wird, hänge vom endgültigen Ergebnis ab. Es gelte aber: "Wir stehen für Dividendenpolitik".

Die FACC-Aktie hat nach Ansicht des Konzernchefs "sicherlich Luft nach oben". Zuletzt notierte das Papier an der Wiener Börse rund 5,80 Euro. Zum Vergleich: Beim Börsengang im Jahr 2014 startete die Aktie bei 9,50 Euro.

(apa/red)

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