Blockchain

Experten: Der Siegeszug von Bitcoin und Libra kommt sehr spät - oder nie

Nach dem Hype um digitales, auf einer Blockchain basierendes Kryptogeld erwarten Experten in einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung für die kommenden Jahrzehnte keinen globalen Siegeszug.

Finanzmarktexperten rechnen für das nächste Jahrzehnt nicht mit einem globalen Siegeszug von Digitalgeld und einer massenhaften Verbreitung neuer Krypto-Zahlungsmittel. Für Ende 2030 wird die Wahrscheinlichkeit, dass digitale Währungen das Hauptzahlungsmittel sein werden, im Durchschnitt mit 23 Prozent veranschlagt, so das Ergebnis einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

"Die jüngsten kritischen Äußerungen der Finanzministerien Deutschlands und Frankreichs scheinen die Erwartungen der Experten dabei nachdrücklich eingetrübt zu haben", resümiert das ZEW. Frankreich und Deutschland zufolge ist die von Facebook geplante Kryptowährung Libra mit unkalkulierbaren Risiken behaftet. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz betonte jüngst, "eine Parallelwährung" sei nicht zu akzeptieren.

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Die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten halten Digitalgeld ohne strenge staatliche Aufsicht für gefährlich. Rund 88 Prozent sehen für diesen Fall eine Gefahr für die Finanzstabilität. Selbst bei einer an die Marktverhältnisse angepassten Aufsicht sehen nur 45 Prozent der 193 Umfrageteilnehmer in digitalen Währungen eine "wohlfahrtsfördernde" Neuerung.

Zugleich gehen die Finanzexperten davon aus, dass China eine Vorreiterrolle bei der Einführung von Kryptowährungen einnehmen wird. Für 2020 messen sie dem alltäglichen Einsatz einer digitalen chinesischen Zentralbankwährung in der Volksrepublik eine ähnlich große Wahrscheinlichkeit bei wie dem Einsatz der bereits heute nutzbaren Digitalwährung Bitcoin.

"Vermutlich steht dahinter die Erwartung, dass China in den kommenden Monaten eine staatliche digitale Währung emittieren könnte", sagt ZEW-Experte Dominik Rehse. Das US-Finanzmagazin "Forbes" berichtete jüngst, die Volksrepublik wolle ihr Digitalgeld am 11. November herausbringen und damit Facebook ausstechen, das Libra erst im ersten Halbjahr 2020 an den Start bringen kann.

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Manche Fachleute trauen Facebook allerdings zu, damit das Finanzsystem auf den Kopf zu stellen - weil Geldtransfers zwischen Personen und zwischen Ländern schneller und günstiger werden dürften. Gegen Libra laufen Notenbanken, Aufseher und Politiker schon länger Sturm. Wegen der potenziellen Zahl der Nutzer - bei Facebook sind etwa 2,4 Milliarden Menschen registriert - könnte Libra im internationalen Geldsystem langfristig eine wichtige Rolle spielen. (reuters/apa/red)