Energiemarkt

EVN rüstet sich für die Einführung der Smart Meter ab Herbst

Der niederösterreichische Versorger EVN will kommenden Herbst mit der Einführung der umstrittenen neuen Stromzähler starten. Das milliardenschwere Investitionsprogramm für Niederösterreich will EVN bald abschließen.

Der börsennotierte niederösterreichische Versorger EVN startet heuer im Herbst/Winter die Smart-Meter-Einführung. Die EVN rechne damit, das EU-Ziel zu erreichen, wonach 80 Prozent der Kunden bis 2020 mit digitalen Stromzählern ausgestattet sein müssen, sagte Unternehmenschef Peter Layr bei der Vorstellung der Ergebnisse für das erste Halbjahr.

Die EVN rechne damit, dass vielleicht drei bis fünf Jahre später mehr oder weniger alle alten nicht-digitalen Ferraris-Zähler aus dem Netz seien. Die Netztochter Netz Niederösterreich sei dabei, die Smart-Meter-Ausrollung jetzt vorzubereiten.

Man habe dabei das gleiche Problem wie die Branche, dass die Zählerindustrie Dinge versprochen habe, die sie nicht wirklich zeitgerecht erfüllen könne. Bei den Energiepreisen für Haushalte sei weiter auf längere Sicht mit stabilen Preisen zu rechnen.

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EVN verdient mit Reservekapazitäten

Die thermischen Kraftwerke hat die EVN im Winter stark zur Stromnetz-Stabilisierung eingesetzt, die Abrufe erreichten ein Rekordniveau.

Gut drei Viertel des Einsatzes der Kraftwerke sei für Stabilisierungsmaßnahmen erfolgt, so Layr. Sie seien in den Monaten Dezember, Jänner, Februar fast täglich dafür abgerufen worden. Für die Bereitstellung der Kapazitäten für Deutschland und Österreich habe sich ein tiefer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag ergeben, so EVN-Vorstand Stefan Szyszkowitz.

"Digitalisierung funktioniert nur bei bester Versorgungsqualität"

Der Umbau des Stromsystems Richtung Erneuerbare schreite zügig voran, es komme aber zu Instabilitäten, so Layr. Daher sei es zur Versorgungssicherheit wichtig, thermische Kapazitäten im Hintergrund zu haben, wie der heurige Winter gezeigt habe. Zusätzlich zur Versorgungssicherheit habe die EVN einen neuen Fokus Versorgungsqualität. Dabei gehe es um die Eigenschaften des Netzes, an das man anschließt, ob es beispielsweise Spannungsstabilität habe. Hier spiele auch die Digitalisierung eine Rolle. "Digitalisierung funktioniert nur bei sehr guter Versorgungsqualität", sagte Layr.

Weitere Investitionen in Niederösterreich

Der Netzausbau in Niederösterreich schreite zügig voran, investiert werde auch in die Ortsnetze. Fortgesetzt wird der Ausbau der Erneuerbaren Energie. Die Winderzeugungskapazität der EVN liegt derzeit bei rund 270 Megawatt (MW). Das kurzfristige Ziel für Niederösterreich liege bei 300 MW. Mittelfristig werden - bei geeigneten Rahmenbedingungen - 500 MW angepeilt, das sei für niederösterreichisches Gebiet als optimal anzusehen.

Das mehrjährige 1-Mrd.-Euro-Investitionsprogramm für Niederösterreich werde heuer abgeschlossen. Es sei damit zu rechnen, dass die EVN am Heimmarkt auch weiterhin auf einem hohen Niveau investieren werde. Ein Schwerpunkt der Investitionen ist die Trinkwasserversorgung. Im Bereich der E-Mobilität gibt es seit Jahresbeginn eine flächendeckende Grundversorgung mit EVN-E-Ladestationen in Niederösterreich und auch Gemeinschaftsprojekte etwa mit der NÖ Wirtshauskultur.

Müllverbrennung in Zwentendorf läuft auch Hochtouren

Für die Müllverbrennungsanlage Zwentendorf wurde eine weitere Absicherung für die Zukunft durch die Erneuerung des Vertrages mit dem Hauptkunden, den Niederösterreichischen Abfallverbänden (Niederösterreichische Beteiligungsgesellschaft für Abfallwirtschaft und Umweltschutz/BAWU) erreicht. Die Altverträge laufen mit Ende 2018 aus, ab 1. Jänner 2019 beginnt der neue Vertrag. Sie liefern mehr als 200.000 Tonnen pro Jahr.

Die EVN hat auch andere Kunden aus Niederösterreich, die Müll nach Zwentendorf liefern. Restmengen füllt die EVN mit anderen Abfällen auf, unter anderem mit Müll aus Rom. Mit Rom habe die EVN 70.000 Tonnen pro Jahr unter Vertrag - für ein Jahr, so Layr. Dann könne man entscheiden, wie es weitergehe, es sei keine unattraktive Sache.

Projekte in Bulgarien, Mazedonien und Moskau

In Bulgarien und Mazedonien wurde der Stromdiebstahl weiter reduziert. Die Einbringlichkeit der Forderungen sei gestiegen.

In Moskau wurde das Trinkwasserprojekt Süd-West vertragsgemäß an die Stadt Moskau übergeben. Eine einmalige unbare EBITDA-Belastung von 45,5 Mio. Euro gab es durch Wertberichtigung der Anlagenkomponenten aus dem ehemaligen Projekt der Müllverbrennungsanlage Nr. 1 in Moskau. (APA/red)

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