Energieversorger

EVN: Mehr Gewinn und mehr Erneuerbare - vor allem Photovoltaik

Der niederösterreichische versorger startet ab kommenden Frühjahr mit der Installation der umstrittenen digitalen Zähler. EVN will auch den Ausbau der Erneuerbaren verstärken und prüft einen massiven Einstieg in die Photovoltaik. Einen Vertrag mit Italien zur Müllverbrennung gibt es nicht - derzeit.

EVN, von links: Vorstandssprecher Stefan Szyszkowitz und Vorstandsdirektor Franz Mittermeyer.

Der börsennotierte niederösterreichische Versorger EVN forciert den Ausbau der Erneuerbaren Energie und prüft dabei unter anderem einen massiven Einstieg in die Photovoltaik. Mit kräftigen Investitionen in die Netzinfrastruktur wird ebenfalls der Energiewende Rechnung getragen. Gewinn und Umsatz sind 2018/19 gestiegen, die Dividende wird leicht erhöht. Die Smart-Meter-Umstellung startet 2020.

Beginnen wird die EVN mit dem Ausrollen der digitalen Stromzähler im Frühjahr kommenden Jahres. Bis Ende 2022 sollen 800.000 Zähler getauscht werden, kündigte EVN-Vorstand Franz Mittermayer bei der Bilanzpressekonferenz an. Preiserhöhung bei Strom und Gas sind laut EVN-Chef Stefan Szyszkowitz derzeit nicht geplant.

Ihren Windkraft-Ausbau hat die EVN im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018/19 deutlich beschleunigt. Die Kapazitäten wurden um 49 Megawatt (MW) auf 367 MW erweitert. Damit habe man bereits ein Jahr früher als geplant das Zwischenziel auf dem Weg zu einer Windkraftkapazität von 500 MW erreicht, so Mittermayer.

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Geprüft würden derzeit auch Möglichkeiten für großflächige Photovoltaik-Anlagen. Konzernweit sei dabei ein Potenzial von 100 MW identifiziert worden, das nun evaluiert werde. Eine Investitionsentscheidung habe man noch nicht getroffen. Derzeit verfügt die EVN über eine Kapazität zur Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie im Ausmaß von 1 MW. Sinnvoll erschienen neue Projekte beispielsweise an bestehenden Kraftwerksstandorten mit Freiflächen, da es hier bereits Netzzugänge gibt. Dabei sehe man beachtliche Synergien, so Mittermayer.

Für Szyszkowitz sind Unternehmen wie die EVN die natürlichen Träger der Energiewende. Die EVN wird in den kommenden Jahren in den Netzbereich pro Jahr rund 200 Mio. Euro investieren, das ist die Hälfte aller geplanten Investitionen. Entwickelt werden müssen auch die Ortsnetze angesichts von verändertem Verbraucherverhalten wie beispielsweise E-Mobilität oder private Photovoltaik-Anlagen, so Mittermayer. Insgesamt wird die EVN in den nächsten vier Jahren 400 Mio. Euro jährlich investieren, davon rund 300 Mio. Euro in Niederösterreich. Rund 100 Mio. Euro pro Jahr sind für den Ausbau der Erneuerbaren-Erzeugung sowie die Trinkwasserversorgung. Für die Trinkwassernetze sind bis 2030 Investitionen von insgesamt 165 Mio. Euro vorgesehen.

Neben der Netzinfrastruktur zum Transport der dezentralen Energieerzeugung sind auch Speicher für die Energiewende von Bedeutung. Die EVN forscht hier etwa zum Thema Wasserstoff. Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit im Zuge der volatilen Erneuerbaren-Erzeugung sieht es die EVN angesichts sinkender Reservekapazitäten in Österreich als eine Alternative, schnell zu startende und nur bei Bedarf einzusetzende Gasturbinen hintereinanderzustellen. Für solche Energieknoten gebe es derzeit aber kein Geschäftsmodell, gibt die EVN zu bedenken.

Im Zeitraum 2005 bis 2020 habe die EVN unter Berücksichtigung der im heurigen Sommer erfolgten Schließung des Kohlekraftwerks Dürnrohr die CO2-Emissionen aus der Produktion in Österreich um zwei Drittel reduziert, so Szyszkowitz.

Für die Müllverbrennungsanlage in Dürnrohr gebe es derzeit keinen Vertrag für Müll aus Italien, hieß es heute. Es könnte allerdings in den Wintermonaten ein Rahmenvertrag bis zu 10.000 Tonnen kommen, aber nur falls in der Müllverbrennungsanlage freie Kapazitäten dafür vorhanden seien. Abfall aus Österreich habe Priorität. Die Kapazität der Müllverbrennungsanlage in Dürnrohr insgesamt liege bei 500.000 Tonnen. Aus dem Müll werde Strom und Fernwärme für die Landeshauptstadt St. Pölten erzeugt. Die EVN hat bereits in der Vergangenheit Müll aus Italien in Dürnrohr verbrannt. Transportiert werde der Müll immer mit der Bahn.

Die Zuwächse in der Erneuerbaren-Erzeugung haben der EVN gemeinsam mit positiven Impulsen aus der Wärmeversorgung auch zu höheren Umsätzen verholfen. Gegenläufig wirkten Rückgänge in der thermischen Stromproduktion und im Segment Netze sowie eine geänderte Ökostromzuschlag-Methodik in Bulgarien. Die Umsatzerlöse stiegen um 6,0 Prozent auf 2,204 Mrd. Euro. Die Stromerzeugung des EVN-Konzerns wuchs um 1,2 Prozent auf 5.594 Gigawattstunden (GWh), dabei bei Erneuerbarer Energie um 4,6 Prozent auf 2.315 GWh, während es aus Wärmekraft mit 3.279 GWh um 1,0 Prozent weniger waren.

Aufwertungen von Kraftwerken und Kundenstöcken in Südosteuropa haben dem niederösterreichischen Energieversorger zu mehr Nettogewinn verholfen. Das Konzernergebnis wuchs um 18,8 Prozent auf 302,4 Mio. Euro. Die Aktionäre sollen diesmal 0,50 (nach 0,47) Euro je Aktie erhalten. Für das neue Geschäftsjahr 2019/20 (per 30.9.) erwartet die EVN "unter der Annahme von durchschnittlichen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen" ein Konzernergebnis in einer Bandbreite von 200 bis 230 Mio. Euro. Der Rückgang gegenüber 2018/19 sei auf die im abgelaufenen Geschäftsjahr berücksichtigten positiven Bewertungseffekte im Ausmaß von rund 110 Mio. Euro nach Steuern zurückzuführen, so die EVN.

In der Gruppe waren 2018/19 im Schnitt 6.908 Mitarbeiter beschäftigt, nach 6.831 ein Jahr davor. (apa/red)

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