Abfallwirtschaft

EVN-Firmentochter baut Kläranlage für Prag

Die deutsche EVN-Firmentochter WTE errichtet an der Moldau eine besonders effiziente neue Kläranlage - und hofft auf Folgeaufträge in ganz Osteuropa und der Türkei. Aber nicht in allen Märkten läuft die Finanzierung reibungslos ab.

Die deutsche EVN-Tochter WTE errichtet im Norden Prags auf der Moldau-Insel beim Stadtteil Troja eine neue Kläranlage für die tschechische Hauptstadt, die als Vorzeige- und Referenzprojekt für andere Großprojekte in europäischen Metropolen dienen soll. Zu tun gibt es genug: So plane etwa auch Istanbul eine ähnliche Lösung auf einer Insel im Bosporus, sagt WTE-Geschäftsführer Ralf Schröder.

Der Zeitplan für die Fertigstellung der neuen Prager Kläranlage auf der Kaiserinsel werde eingehalten, "Übergabe ist am 19. September", sagte Schröder vor österreichischen Journalisten in Prag.

Ein mehr als 250 Millionen Euro schwerer Auftrag

Das Projekt mit einem Auftragsvolumen von mehr als 250 Mio. Euro (inklusive Bauarbeiten) wird durch ein Konsortium von SMP, Hochtief, Degremont und WTE umgesetzt. Auf die WTE entfallen etwa 35 Mio. Euro. Die Kläranlage wird am Standort der bestehenden Kläranlage errichtet und wird eine Kapazität von 1,2 Millionen "Einwohnerwerten" haben, worin auch die gewerblichen Abwässer eingerechnet sind. Der Vertrag schließt auch eine Betriebsführung der fertiggestellten Aufbereitungsanlage für 15 Monate ein.

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Technisch aufwendig ist das Projekt, weil auf der Insel nur wenig Platz zur Verfügung steht - die Baustelle ist etwa 400 mal 150 Meter groß. Wegen der Hochwassergefahr wird auch alles mit Beton überbaut und dann begrünt, damit bei Hochwasser kein ungeklärtes Wasser in den Fluss gelangen kann. Die bereits bestehende alte Kläranlage bleibt vorerst in Betrieb und soll nach einigen Jahren umgebaut und integriert werden.

"Das ist keine Technik von der Stange und daher als Referenz sehr wichtig", erklärte Schröder. "Wenn Sie international anbieten, brauchen Sie Referenzanlagen, die dürfen nicht älter als fünf Jahre sein." Das gleiche Modell soll auch in der Türkei realisiert werden, allerdings viermal so groß, berichtete Schröder. "Die wollen Tennisplätze darauf haben." Für die WTE wäre das Projekt interessant, allerdings gibt es noch keine Ausschreibung.

Der Bedarf an modernen Kläranlagen sei in Europa groß, sagte EVN-Generalsekretär Felix Sawerthal. "Bukarest hat etwa eine völlig veraltete Kläranlage. Wenn Sie auf Google Earth schauen, sehen Sie eine schwarze Fahne die Donau runterziehen." Allerdings sei die Finanzierung eine ganz zentrale Frage - Bukarest wäre "hochinteressant, wenn es mit EU-Mitteln finanziert würde". Auch Sofia habe eine alte Kläranlage, und in Kopenhagen werde noch ein großes Projekt kommen.

Probleme mit dem Geld in Montenegro

Wie wichtig die Frage der Finanzierung werden kann, zeigt ein Projekt in Montenegro, das die WTE ebenfalls gerne vorzeigt: Dort hat man mit großem technischem Aufwand ein Abwassersystem für die Küstenstadt Budva errichtet. "Man musste dort den ganzen Berg wegsprengen, um die Kläranlage zu bauen", sagte Schröder. Man habe die Anlage übergeben und in Betrieb genommen, "was in Budva ein Problem ist momentan, das ist die Zahlungsmoral". Die Stadt versuche jetzt, den Preis nach der Fertigstellung neu zu verhandeln.

Laut EVN verweigert die Stadt Budva die vereinbarte Bezahlung und verweist dabei auf angebliche Unregelmäßigkeiten, die jedoch nie zu einer Anklage geführt und auch nichts mit der EVN zu tun hätten. "Derzeit belaufen sich die Forderungen der WTE gegenüber Budva auf knapp 20 Mio. Euro", sagte ein EVN-Sprecher zur APA. Eine Zahlungsfrist bis Ende April habe die Stadt verstreichen lassen. "Jetzt warten wir noch die nächsten Tage ab, ob eine Zahlung kommt, dann werden wir den Vertrag kündigen." Man werde also die vereinbarte Betriebsführung der Kläranlage an die Stadt abgeben, nachdem man das von Budva gestellte Personal darauf eingeschult habe.

BRD hat alles garantiert

Sorge um ihre Geld macht sich die WTE nicht. "Wir sind dort abgesichert durch Garantien der Bundesrepublik Deutschland und des Staates Montenegro", sagte Schröder.

Insgesamt hat die WTE in Europa bereits mehr als 100 Kläranlagen gebaut. Früher habe man auch Projekte um 5 Mio. Euro gemacht, "heute machen wir Projekte, die fangen normalerweise bei 10 Millionen an und hören auf bei mehreren hundert Millionen".

Die WTE ist etwa 30 Jahre alt und wurde 2003 zu hundert Prozent von den Niederösterreichern übernommen. Eines ihrer prominentesten Projekte ist die Kläranlage Wien, wo die WTE als Generalplaner für Planung, Bau, Betrieb und Überwachung zuständig war.

"Die Umweltgruppe erwirtschaftet innerhalb der EVN-Gruppe etwa 200 Mio. Euro Jahresumsatz", sagte Werner Casagrande, Mitglied der WTE-Geschäftsführung. "Bereinigt um Einmaleffekte gab es ein Ergebnis von rund 25 Millionen und das Ganze mit etwa 500 Mitarbeitern. Das entspricht größenordnungsmäßig jeweils etwa 7 bis 8 Prozent der Zahlen der EVN-Gruppe." Projektgesellschaften gibt es in 17 Ländern. (apa/red)