EVN-Chef Hofer: "Lutz Claassen war sehr eigen"

Burkhard Hofer, der Generaldirektor der EVN im Interview mit INDUSTRIEMAGAZIN über die Ursachen des geplanten Ausstiegs von Miteigentümer EnBW – und warum dieser nur „konsequent“ sei. Was der EVN-General von den bizarren Re-Verstaatlichungsplänen in Bulgarien hält und wie er die erste internationale Kooperation mit dem Verbund beurteilt.

Auf die Idee, den neuen Eigentümer auf die Eintreibung und Abführung von Altschulen zu klagen, muss man erst mal kommen. Halten Sie die Mazedonier für schlitzohrig?
Dass wir uns in allen 18 Ländern in denen wir derzeit tätig sind mit kulturellen Besonderheiten auseinander setzen müssen, ist klar. Dass wir diese in dem einen oder anderen Punkt unterschätzt haben, kann schon sein. Und natürlich sind auch die Mazedonier auf ihren eigenen Vorteil bedacht.

Ein weiteres Problem, unter dem Sie in Mazedonien leiden, ist der Stromklau. Inwieweit ist es Ihnen gelungen, diesen einzudämmen?

Es ist uns gelungen, den Stromdiebstahl in den vergangenen Jahren deutlich zu senken. Unsere Einbringungsquote liegt dort heute bei rund neunzig Prozent. Das entspricht dem mitteleuropäischen Durchschnitt. Ein ähnliches Problem haben wir in Bulgarien vorgefunden, allerdings nicht in dieser Schärfe.

21. April 2010 - was sagt Ihnen das Datum?
Geben Sie mir ein Stichwort.

Syndikatsvertrag.
Ja, genau. An dem Tag haben wir mit dem Verbund einen Syndikatsvertrag für das Wasserkraftwerk Ashta in Albanien unterzeichnet. Das wird mir ewig in Erinnerung bleiben!

Aber immerhin ist es doch die erste internationale Partnerschaft zwischen dem Verbund und der EVN. Nähert man sich jetzt über das Ausland an?
Schon seit längerem gibt es eine Übereinstimmung mit dem Verbund-Vorstand, im Ausland gemeinsam Projekte umzusetzen. Allerdings hat die Wirtschaftskrise dazu geführt, dass der Verbund die Expansionsstrategie in Ost- und Südosteuropa vorerst auf Eis gelegt hat. Insofern ist Albanien jetzt ein erster Schritt. In Österreich hingegen nehme ich nicht an, dass kurzfristig partnerschaftliche Projekte entstehen werden.

Wie sehen Ihre weiteren Expansionspläne im Energiebereich im Ausland aus?
In Kroatien werden wir in den nächsten Jahren Gasnetze errichten und hier erstmals unser Know-how im Gasbereich im Ausland einsetzen. Derzeit läuft auch eine Ausschreibung für ein türkisches Verteilunternehmen im Strombereich. Die schauen wir uns natürlich an. Zudem werden wir gewisse Arrondierungen vornehmen. (Vanessa Voss)

Zur Person

Burkhard Hofer, 65, ist  Jurist und seit mehr als 25 Jahren in der EVN tätig. Er leitete zuletzt die Hauptabteilung für Rechtsangelegenheiten, Beteiligungs- und Projektkoordination. 2005 wechselte er in den Vorstand, drei Jahre später wurde er zum Generaldirektor der EVN ernannt.

Verwandte tecfindr-Einträge