Green Production

Europäischer Werkzeugmaschinenbau: Vom Haken?

Jahrelang stemmten sich Europas Werkzeugmaschinenbauer gegen verpflichtende Energiesparnachweise. Legt Brüssel das Vorhaben ad acta?

Von
Ökodesign Cecimo Maschinenbau

Werkzeugmaschinenproduktion bei DMG Mori: Die Sorge vor einer „Lex Maschinenbau“ blieb unbegründet

Noch ist die Direktive 2009/125/ EC kein Fall fürs Archiv. Dicke Ordner türmen sich Anfang Oktober auf den Schreibtischen der Repräsentanten des Europäischen Verbands der Werkzeugmaschinenindustrie CECIMO. Viel Zettelwerk ist da im Laufe fast eines Jahrzehnts zusammengekommen: Schon 2011 evaluierten Berater im Auftrag der EU-Kommission das Energieeinsparpotenzial bei Werkzeugmaschinen.

Nun – acht Jahre und ein vergebliches Ringen um eine akzeptable Form der Selbstregulierung später – sind die Hersteller und Importeure von Werkzeugmaschinen möglicherweise vorerst aus dem Schneider. 

Im Jänner stimmt das Regulierungskomitee in Brüssel ab. Der Vorschlag einer stärkeren Regulierung wird zwar aller Voraussicht angenommen – damit wäre der noch notwendige Schritt vor einer tatsächlichen Beschlussfassung gesetzt. Doch inoffiziell wollen die CECIMO-Experten, die jahrelang die Sorge vor einer „Lex Maschinenbau“ umtrieb, die frohe Botschaft aus Brüssel bereits im Sommer vernommen haben: „Werkzeugmaschinen sind unserem Informationsstand zufolge im Regulierungsvorschlag nicht mehr im Fokus“, atmet ein Ländervertreter auf. 

White Paper zum Thema

Bestätigen wolle man das in Brüssel nicht. Die Sache sei - Stand Mitte Oktober - alles andere als letztgültig für die Maschinenbauer vom Tisch, heißt es dort auf Anfrage. 

Schweißtechnik ist eigener Fall 

Wen sich die Kommission ebenfalls zur Brust nahm: Hersteller von Schweißausrüstung. Vertreter beider Branchen hatten im Mai die Möglichkeit zur Teilnahme an einem öffentlichen Konsultierungsforum. Wie dort der Hase läuft, wissen die Mitglieder von CECIMO bereits.  Alleingänge oder Querschüsse einzelner Hersteller oder Ländervertreter vermieden die Maschinenbau-Experten tunlichst. Die ausgesendete Botschaft war dann ziemlich klar:

Zu heterogen sei die Werkzeugmaschinenbranche für den Einsatz standardisierter Methoden zur Energiemessung signalisierte man Brüssel. Das fand offenbar Gehör. Mitte des Vorjahrs ging es für die Maschinenbauer – nachdem es um eine Selbstregulierung der Branche nicht schlecht ausgesehen hatte – überraschend zurück an den Start. Die Kommission stellte der Branche knackige Umsetzungsquoten – sie waren auf eine kurzfristige Durchdringung der Branche von 80 Prozent angehoben worden – in Aussicht.  CECIMO zog den Antrag auf Selbstregulierung zurück.

Mit einem neuen Umsetzungskonzept für Energieeffizienz ging das Spiel von neuem los. Mit der verpflichtenden Nutzung von Standardmessmethoden zur Erhebung der Energie- und Ressourceneffizienz wäre man vergleichsweise gut davongekommen 

Achterbahnfahrt der Gefühle 

Dass die Kommission die Branche jetzt ungeschoren lassen könnte, gibt Anlass zur Freude. Die Beschlussfassung im Europäischen Parlament ist jedenfalls für 2019 avisiert, ein Inkrafttreten der Verordnung wäre wohl nicht vor 2021 zu erwarten.

Ganz vom Haken sind die Werkzeugmaschinenbauer aber wohl so oder so nicht.  Ausgerechnet aus den öffentlichen Stellungnahmen nahmen die Kommissionsexperten offensichtlich mit, dass ein automatischer Standby- Modus von Maschinen für nicht wertschöpfende Zeiten noch nicht flächendeckend umgesetzt wird. Interpretiert man eine Stellungnahme der Kommission großzügig, ist nicht auszuschließen, dass sich die Politik dies genauer anschauen will. Erst aber stehen nächstes Jahr die EU-Wahlen an.

Verwandte tecfindr-Einträge