Brexit

Europäische Arzneimittelagentur in Wien: "Geht es nach den Mitarbeitern, wäre die Sache klar"

Wien ist als Standort für die Europäische Arzneimittelagentur und die Europäische Bankenaufsicht noch immer im Rennen. Allerdings müsse beim Angebot der Stadt Wien nachgebessert werden, heißt es Seitens der Wirtschaftskammer.

WKW EMA EBA Standort Brexit Biotechnologie Pharmaindustrie

Im Herbst 2016 wurde der Stein ins Rollen gebracht: Die Bundesregierung und die Stadt Wien haben die Bewerbung für den Standort der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) abgegeben. Eine Ansiedelung einer der Agenturen würde rund 133 Mio. Euro an direkter zusätzlicher jährlicher Wertschöpfung am Standort Wien bringen. Die indirekten Auswirkungen wären um ein Vielfaches größer: Wien würde mit einem Schlag zum Zentrum der Biotech- und Pharmaindustrie Europas werden und internationale Unternehmen anziehen.

Während die Wahrscheinlichkeit eines Zuschlages für die EBA in Wien eher gering ist, scheinen die Chancen, das die EMA nach Wien kommt, noch intakt. "Geht es nach den Mitarbeitern der EMA (Europäische Arzneimittelagentur), so wäre die Sache klar. Sie wollen am liebsten nach Wien übersiedeln" heißt es vonseiten der Wiener Wirtschaftkammer. „Das freut mich natürlich sehr. Es hat sich gelohnt, dass die Wirtschaftskammer Wien schon frühzeitig direkt bei der EMA in London Werbung für den Standort Wien gemacht hat“, sagt Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, der im März eine Delegation zu EMA-Chef Guido Rasi anführte. Wo der neue Standort sein wird, entscheidet aber die Politik – nämlich der Rat der Außen- und Europaminister im November.

Wie nun bekannt wurde, gibt es jedoch auch deutliche Kritik an den von der Stadt Wien angebotenen Bürogebäuden. Sie erfüllen nicht die geforderten Kriterien wie ausreichend Platz für 1300 Arbeitsplätze, geräumige Eingangsbereiche und Konferenzräumlichkeiten und notwendige Sicherheitsvorkehrungen. Im Vergleich zum Mitbewerb um den neuen EMA-Standort, schneiden die Gebäude in Amsterdam, Mailand, Bratislava, Brüssel und Kopenhagen deutlich besser ab. „Jetzt heißt es rasch handeln. Die Stadt muss jetzt sofort aktiv werden, das Angebot nachbessern. Wir dürfen uns die Chance nicht entgehen lassen. Ich gehe davon aus, dass die Politik die Dringlichkeit der Situation erkennt und handelt. Wir sind hier gerne ein starker Partner für die Stadt“, sagt Ruck.

Verwandte tecfindr-Einträge