Stahlindustrie

EU will den Euro stärken: Voestalpine-Chef Eder skeptisch

Die EU will die europäische Gemeinschaftswährung stärken und schrittweise als weltweite Leitwährung etablieren - in direkter Konkurrenz zum Dollar. Im Hinblick auf den Energiesektor und den Rohstoffmarkt meldet Wolfgang Eder, Konzernchef der Voestalpine, leise Zweifel an.

Die EU-Kommission will den Euro stärker als globale Währung verankern und damit in direkte Konkurrenz zum US-Dollar als größter Leitwährung der Welt treten lassen. "Es ist schwierig bei allem, was Energie und Rohstoffe betrifft, vom Dollar wegzukommen - der hat Jahrhunderte Vorsprung", sagte Voestalpine-Chef Wolfgang Eder vor Journalisten in Wien.

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, hatte Mitte vergangener Woche Vorschläge für die künftige Rolle des Euro vorgelegt. "In der Theorie schaut das alles sehr gut aus", so Eder. Doch "im ganzen Öl- und Gasbereich und bei 80 Prozent der Minenkapazitäten - Erz und Kohle - läuft das international alles auf Dollar-Basis", gab der Vorstandsvorsitzendes des österreichischen Stahlkonzerns zu bedenken.

"Das halte ich für ein Projekt über Generationen", so Eder weiter. Kurzfristig räumt er dem Vorhaben nur in der einen oder anderen Nische eine Chance ein. Wo die Voestalpine "groß genug war", habe sie bereits selber einige Kunden gezwungen, Geschäfte in Euro abzuwickeln, räumte Eder ein.

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In seiner Rede zur Lage der EU im September hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kritisiert, dass 80 Prozent der Energie-Importe in Europa in Dollar bezahlt würden. Der Euro müsse das Gesicht und Werkzeug der neuen europäischen Souveränität werden, hatte er damals erklärt. 2017 wurden mehr als 36 Prozent der internationalen Transaktionen laut EU-Kommission in Euro verrechnet wurden.

Die Brüsseler Behörde will jedenfalls ein Konsultationsverfahren mit Marktteilnehmern und Interessenvertretern starten, um dem Euro bei Transaktionen von Öl, Raffinerieprodukten und Gas mehr Gewicht zu verleihen. Dieser Vorstoß soll in weiterer Folge auch für Rohstoffe und landwirtschaftlich erzeugte Lebensmittel sowie für den Gütertransport gelten. Die Staats- und Regierungschefs sollen das Thema auch am EU- und Euro-Gipfel im Dezember behandeln. (apa/red)

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