Kunststoffindustrie

EU-Umweltrat will Einweg-Plastikmüll verringern

Alle Umweltminister der EU zeigen sich einverstanden mit dem Vorschlag von Österreichs Umweltministerin Köstinger, die Lawine an Wegwerfplastik zu reduzieren - doch wie die Einzelheiten aussehen sollen, ist unklar.

Der EU-Umweltrat will Einweg-Plastikprodukte deutlich verringern. Ein Kommissionsvorschlag für den Abbau dieser Wegwerf-Kunststoffe hat praktisch einhellige Zustimmung gefunden. Allerdings sind noch Details auszuhandeln. Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) als Ratsvorsitzende betonte, es sei wesentlich, die "Vermüllung der Meere" zu beenden.

Es gibt derzeit keine vollständig abbaubaren Kunststoffe

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella sagte, man dürfe keine Zeit verlieren. Jede Minute lande eine Lastwagenladung Kunststoffmüll im Meer. Er wolle einen ehrgeizigen Kompromiss bis Jahresende erreichen. Es gehe auch darum, sich die biologische Abbaubarkeit bestimmter Kunststoffe anzuschauen. Doch gab Vella auch zu bedenken, dass es derzeit keine Kunststoffe gebe, die gänzlich abgebaut werden könnten.

Köstinger betonte, Klärungsbedarf bestehe noch in der Ausgestaltung der Produktkategorien und in welchem Ausmaß die Hersteller für die Kosten der Vermüllung heranzogen werde. Einigkeit bestehe aber darin, dass wirksame Maßnahmen ergriffen werden müssten.

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Alle sind dafür - im Prinzip

Grundsätzlich stimmten dem alle Staaten zu. Der finnische Umweltminister Kimmo Tilikainen gab zu bedenken, dass es ein Problem bei der Gleichbehandlung von Plastiktellern mit Papiertellern gebe. In einem Fall handle es sich um 100 Prozent Kunststoffanteil, bei den Papiertellern seien es aber nur fünf Prozent. Der slowakische Vertreter Laszlo Solymos forderte ein absolutes Verbot von Einwegplastiken, wenn es Alternativen für solche Kunststoffprodukte gebe.

Die britische Umweltministerin Therese Coffey will die Haftung der Hersteller zwar erweitern, doch müssten die Maßnahmen verhältnismäßig sein. Es sei auch Flexibilität notwendig. Der belgische Vertreter Jan Hoogmartens unterstützte die Zielsetzung, eine 90-prozentige Trennung bis 2025 zu erreichen.

Der italienische Ressortchef Sergio Costa sprach sich zwar gegen Ausnahmen bei der Richtlinie aus, doch könnte dies bei Schulkantinen trotzdem der Fall sein. Hier sollte nicht unmittelbar ein Verbot von Plastikbesteck verhängt, sondern eine Übergangsfrist vorgesehen werden. Sloweniens Umweltminister Jure Leben will noch mehr gegen Plastik tun. Vor allem die Plastiksackerl seien ein großes Problem. Sein Land wolle es 2019 verbieten. (apa/red)

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