Außenhandel

EU-Parlament lehnt neue Handelsgespräche mit USA ab

Die EU-Kommission wollte mit neuen Gesprächen mit den USA dazu beitragen, dass Strafzölle auf Autos nicht kommen. Eine unerwartet deutliche Mehrheit im EU-Parlament hat das nun abgelehnt. Zuerst sollten Strafzölle auf Stahl und Aluminium fallen, hieß es. Auch der ÖGB lehnt ein "TTIP auf Raten" ab.

Das EU-Parlament hat deutlicher als erwartet neue Handelsgespräche mit den USA abgelehnt. In Straßburg stimmten nur 198 EU-Abgeordnete für die Aufnahme solcher Verhandlungen, 223 waren dagegen. Es handelt sich allerdings um eine rechtlich nicht verbindliche Resolution. Doch ist es ein politischer Wegweiser für die EU-Staaten.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hatte vor den Parlamentariern zuvor Handelsgespräche mit Amerika angesichts der Spannungen als notwendig bezeichnet. Sie hatte unterstrichen, dass die künftige Landwirtschaft von den Gesprächen nicht berührt sei. Dies hatten ihr aber schon tags zuvor einige Mandatare nicht abgenommen.

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Malmström meinte, der Umfang der Handelsbeziehungen lasse beiderseitige Vorteile erwarten. Die EU könne ihre Exporte um bis zu neun Prozent erhöhen, das seien 26 Milliarden Euro, "das ist schon Geld". Gleichzeitig werde sie klarmachen, dass einseitige Maßnahmen der USA gegen EU-Importe mit entsprechenden Gegenmaßnahmen beantwortet würden. Autozölle sollten besser auf Null Prozent gesenkt werden, als zusätzliche Zölle einzuführen.

Ablehnung auch in Österreich: "Kein TTIP auf Raten"

In Österreich hat zuvor die Abstimmung in Straßburg den Widerstand gegen das unter Barack Obama geplante Handelsabkommen TTIP aufleben lassen. Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaftsbund (ÖGB) appellieren an die EU-Abgeordneten, gegen die Aufnahme von Handelsverhandlungen zu stimmen. "Da das alte TTIP-Mandat nach wie vor aufrecht ist, ist zu befürchten, dass ein TTIP auf Raten kommen soll", sagte AK-Präsidentin Renate Anderl. 

USA sind zweitgrößter Handelspartner Österreichs

Dagegen zeigte sich ÖVP-Europamandatar Paul Rübig enttäuscht. "Wer sich heute gegen Handelsverhandlungen mit den USA ausgesprochen hat, der darf sich nicht wundern, wenn es in den transatlantischen Beziehungen eine weitere Eskalation bis hin zu einem Handelskrieg gibt. Leidtragender einer solchen Entwicklung sind die Menschen in Europa und insbesondere in Österreich. Denn ein Handelskrieg mit unserem zweitgrößten Handelspartner nach Deutschland kostet Wirtschaftswachstum, Jobs und Wohlstand. Wir hoffen, dass wir dieses Ergebnis bei der nächsten Gelegenheit revidieren können."

"Wir stehen jetzt ohne Position da"

Die SPÖ-Europaabgeordnete Karoline Graswander-Hainz zeigte sich ebenfalls nicht unbedingt erfreut. Das EU-Parlament habe mehrheitlich gegen eine Resolution gestimmt, die klare Bedingungen für die EU-USA-Verhandlungen formuliert hätte. Damit dränge sich das Europaparlament selbst an den Rand. Vor dem Start neuer Verhandlungen "stehen wir jetzt ohne Position da". Dabei seien die USA derzeit kein verlässlicher Partner für fairen und regelbasierten Handel. Wesentlich sei, dass die EU dauerhaft von US-Strafzöllen ausgenommen werden müsse. Außerdem seien EU-Parlament und Zivilgesellschaft von Beginn an in die Verhandlungen einzubinden. (apa/red)

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