Halbleiterhersteller

EU nimmt milliardenschwere Übernahme von NXP unter die Lupe

Diesen Deal hat Sabine Herlitschka von Infineon Österreich erst vor wenigen Tagen kritisiert: Qualcomm zahlt 38 Milliarden für die Chipsparte von Philips. Doch jetzt meldet auch die EU Bedenken an.

Die EU-Kommission nimmt die milliardenschwere Übernahme des Chipherstellers NXP durch den US-Rivalen Qualcomm genauer unter die Lupe. Es gebe Bedenken, dass der Zukauf zu höheren Preisen, weniger Auswahl und geringerer Innovation in der Halbleiterindustrie führen könnte, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Harte Worte von Sabine Herlitschka

Genau diesen Deal hat erst vor wenigen Tagen Sabine Herlitschka, Chefin von Infineon Österreich, explizit kritisiert. Herlitschka plädierte dabei für eine viel genauere Prüfung bei Übernahmen europäischer Firmen. Nur die Produktion auszulagern und die Forschung im Inland zu behalten sei reichlich "naiv". In wichtigen Industrien sollten Europäer "Kompetenzen, Innovation und Wettbewerbskraft in Europa halten" - so wie das die USA und China längst tun.

Mehr dazu hier: Sabine Herlitschka: Bei Firmenübernahmen in Europa nicht immer nur zuschauen >>

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Auch ein Verbot des Kaufs durch die EU möglich

Jetzt verweist auch die Europäische Union auf Chips, die in Mobilfunkgeräten wie Smartphones und in der Auto- Industrie verwendet werden. Am Ende der Untersuchung könnten Qualcomm und NXP dazu verdonnert werden, Auflagen zu erfüllen. Auch ein Verbot des Kaufs durch die EU-Kommission ist möglich. Qualcomm erklärte, man sei zuversichtlich, die Bedenken der Wettbewerbshüter ausräumen zu können. Der Konzern rechne weiterhin damit, den Kauf bis Jahresende abschließen zu können.

Die Übernahme wurde im Oktober bekannt gegeben. Der Spezialist für Mobilfunk- und Grafikchips will für die einstige Philips-Sparte insgesamt rund 38 Milliarden Dollar (33,8 Mrd. Euro) hinlegen. (reuters/apa/red)

Unser Bericht aus dem Jahr 2011 zu NXP und Wien:
Rückblick des Wiener NXP-Geschäftsführers Ernst Müllner: „Irgendwie mein Baby“ >>

Ernst Müllner hat einst das Wiener Handylautsprecherwerk von Philips vor der Schließung bewahrt. Als NXP-Geschäftsführer hat er jetzt den Verkauf der hochautomatisierten Fertigung an einen US-Konzern eingefädelt: Mit 630 Millionen Euro der drittgrößte Firmenkauf des Jahres 2010.

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