Effizient wachsen

Erschöpfungsakt

Unternehmen produzieren wieder am Limit. Eine Drahtseilnummer: Denn viele vernachlässigen die Prinzipien der schlanken Produktion.

Lob in der Branche muss man sich erst einmal verdienen. Mitte April heimste der Reibbelagshersteller Miba Frictec gleich eine ganze Menge davon ein. Zahlreiche Produktionsexperten führte die Benchmarktour des Kaizen Institute Austria in die Produktionshallen der Oberösterreicher – ein intimer Besuch, der Begeisterung auslöste: „Die Konzepte zur Prozessverbesserung hier sind großartig“, staunte ein Teilnehmer, der sich auf Anhieb ins Miba-Konzept der „Produktkliniken“ verliebte.

Die Produkte des Belägeherstellers werden dabei entlang der Wertschöpfungskette analysiert und Optimierungspotentiale übersichtlich in einem „morphologischen Kasten“ dargestellt. „Brillant“, befand ein anderer Teilnehmer. Doch es gab an diesem Apriltag nicht nur Beifall. Den Produktionsprofis fiel auch etwas anderes auf: Nach zähen Krisenmonaten, die auch an den Oberösterreichern nicht spurlos vorübergingen, brummt der Motor wieder. Durch die Übernahme des Off-Highway-Reibbelag-Geschäfts von Hoerbiger steigen die Kapazitäten zusätzlich, 80 Mann wurden zuletzt ins Unternehmen integriert. Das erleben die Besucher an diesem Tag hautnah. Zu hohe Bestände an der Linie, schlampig beschriftete Behälter, übervolle Schubladen entlarven die Experten sofort. Kaizen-Institute-Austria-Chef Manfred Pfeiffer sieht deutliches Potenzial: „Um die Effizienz im Werk noch weiter zu steigern, müssten jetzt wieder die Basics trainiert werden.“

Abfuhr für On-off-Beziehungen

Da spricht aus Pfeiffer, einem Mann mit markantem Walrossbart und umfangreichem Kursprogramm, nicht etwa seine Krämerseele. „Unser Eindruck, dass unser Wachstum etwas zulasten der klassischen 5SThemen ging, hat sich bestätigt“, räumt FIP-Koordinator Thomas Pesendorfer von Miba ein – und gelobt Besserung. 2011/12 war für Miba das beste Jahr der Geschichte. „Wir konnten unsere Position in technologisch anspruchsvollen Nischen sichern und ausbauen“, so Vorstand Peter Mitterbauer. In zwei Geschäftsjahren ist der Betrieb um 90 Prozent gewachsen. Der Konzernumsatz kletterte zuletzt um 35,6 Prozent auf 592,6 Millionen Euro.

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