Martin Riester, MBE, ist Gruppenleiter Logistikmanagement bei Fraunhofer Austria.

Logistik

Ersatzteillogistik: Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb

Die kostenoptimale Bevorratung und zeitgerechte Bereitstellung von Ersatzteilen wird für Unternehmen zunehmend zur Herausforderung.

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Immer mehr Ersatzteile müssen an einer steigenden Anzahl an Orten weltweit bereitgestellt werden. Zu den Hauptgründen zählen die zunehmende Produktvielfalt, unterschiedliche Lebenszyklen von Einzelkomponenten, der parallele Einsatz unterschiedlicher Technologien, lange Gewährleistungs- und Versorgungszeiträume, eine globale Kundenstruktur, Forderung nach kurzen Lieferzeiten sowie Pönalen bei Produktausfall bzw. Anlagenstillstand.

Die zukünftig vorzuhaltende Anzahl an Ersatzteilen wird zudem durch die aktuell diskutierte Industrie 4.0-Entwicklung und dem damit verbundenen zunehmenden Technologieeinsatz zusätzlich verstärkt. Je nach Branche und abhängig davon ob Unternehmen Ersatzteilbezieher oder -anbieter sind, kommen die verschiedenen Einflussfaktoren unterschiedlich stark zum Tragen.

Kernherausforderung: Was, wo und wie viel?

Kauft ein Kunde ein Produkt – sei es eine komplexe Anlage für ein Industrieunternehmen oder eine Waschmaschine für den eigenen Haushalt – setzt er die langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen für dieses voraus. Viele Unternehmen stehen daher vor der Frage: Welche Teile sollen wo und in welchem Umfang gelagert werden, um die Gesamtkosten für das Unternehmen möglichst gering und den Servicegrad für interne und externe Kunden möglichst hoch zu halten?

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Differenzierung und Ertragssteigerung durch Ersatzteillogistik

Wird diese Kernherausforderung intelligent gelöst, kann die Ersatzteillogistik zu einem bedeutenden Differenzierungs- und Erfolgsfaktor für ein Unternehmen werden. Erfolgsversprechende Maßnahmen sind u.a. der Einsatz von Artikelportfolioanalysen, systemgestützte Forcecasting-Modelle sowie Lagerstandortberechnungen in Abhängigkeit mehrerer Kriterien wie beispielsweise Mengen, Kundenbeziehungen und existierenden Verträgen. So können differenzierte Bereitstellungsstrategien und Servicegrade für unterschiedliche Regionen bestimmt werden. Maßnahmen wie diese führen zu niedrigeren Lager-, Transport-, Handling- und administrativen Kosten.

Service-Produkte als zusätzlicher Umsatzgarant

Begleitende Service-Produkte wie Bereitstellungsverträge, technischer Service inkl. Ersatzteilbereitstellung oder Betreibermodelle versprechen zusätzlichen Umsatz und Unternehmenserfolg. Umsätze, welche aktuell durch Drittanbieter generiert werden, können so beispielsweise wieder dem eigenen Unternehmen zugeführt werden.

Die Erfahrung aus Industrie- und Forschungsprojekten zeigt, dass die Bedeutung, welche der Ersatzteillogistik und Service-Produkten beigemessen wird, in Unternehmen selbst innerhalb einer Branche recht unterschiedlich ist. Der Umsatzanteil im Maschinen- und Anlagenbau reicht beispielsweise von drei Prozent (durch reine Ersatzteilverkäufe) bis hin zu über 45 Prozent (Ersatzteilverkäufe in Kombination mit weiteren Service-Produkten).

Die Experten von Fraunhofer Austria arbeiten im Rahmen von Forschungs- und Industrieprojekten intensiv an Lösungen für die Optimierung der Ersatzteillogistik und suchen neue Antworten auf die unterschiedlichen Herausforderungen, welche die steigende Teilevielfalt mit sich bringt. Neben klassischen Handlungsfeldern wie der Entwicklung von lebenszyklusorientierten Bestandsstrategien, der systemgestützten Auswahl von Lagerstandorten sowie der Gestaltung von Distributionsnetzwerken beschäftigt sich Fraunhofer im Umfeld der Ersatzteillogistik zudem mit der Entwicklung von  wirtschaftlichen Serviceangeboten. Auch die Anwendbarkeit und Auswirkungen von generativer Fertigung (3D-Drucken) für die Ersatzteillogistik werden seitens Fraunhofer in Forschungsprojekten untersucht.

Martin Riester ist Gruppenleiter Logistikmanagement bei Fraunhofer Austria.

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