Stahlindustrie

Ermittlungen gegen den Stahlriesen Arcelormittal in Italien

Wegen des Verdachts auf Betrug mit Geldern für Kurzarbeit haben Behörden in Italien Ermittlungen gegen dem weltgrößten Stahlkonzern aufgenommen. Arcelormittal hatte während des Lockdowns eine Genehmigung von der Regierung in Rom, die Produktion aufrecht zu erhalten.

Stahlindustrie ArcelorMittal Italien Kurzarbeit Justiz Ilva

Die Staatsanwaltschaft von Genua hat Ermittlungen gegen den weltgrößten Stahlkonzern Arcelormittal wegen Betrugs auf Kosten des italienischen Staates aufgenommen. Die Untersuchung wurde aufgrund einer Anzeige der Metallgewerkschaft FIOM eingeleitet, berichteten italienische Medien

Der Stahlkonzern wird beschuldigt, während der Phase des epidemiebedingten Lockdowns im März und April auf staatliche Gelder für die Kurzarbeit seiner Mitarbeiter in Italien zurückgegriffen zu haben. Dabei hatte der Konzern von der Regierung in Rom die Genehmigung erhalten, auch während der Quarantäne die Produktion aufrecht zu erhalten.

Im Juni hatten Arbeiter des Ilva-Stahlwerks in Süditalien gegen Pläne des Mutterkonzerns Arcelormittal protestiert, 5.000 Arbeitsplätze abzubauen. Arcelormittal hatte sich im November aus einer Vereinbarung zur Rettung der in Schwierigkeiten geratenen Ilva-Gruppe zurückgezogen, die der Konzern erst 2018 übernommen hatte. Die italienische Regierung will Umweltstandards für den Ilva-Standort im süditalienischen Tarent durchsetzen. Das Werk mit 8.200 Mitarbeitern ist einer der ökologisch am schwersten belasteten Industriestandorte Europas.

White Paper zum Thema

Am 20. Dezember unterschrieb Arcelormittal eine Vorvereinbarung, die Arbeitsplätze in Tarent zu erhalten. Rom bot dafür an, die Rettung des Stahlwerks mit Staatsgeld zu unterstützen. Dass der Konzern jetzt Stellen streichen wolle und gleichzeitig strategische Investitionen zur Stärkung der Produktion und zur Verbesserung der ökologischen Bilanz aufschiebe, sei unannehmbar, betonte die Regierung von Premier Giuseppe Conte.

Das Werk ist einer der wenigen großen industriellen Arbeitgeber im ärmeren Süden des Landes, wird jedoch schon länger wegen seiner Umweltbilanz kritisiert. Experten zufolge sind in der Umgebung des Standorts rund 7.500 Menschen an den Folgen toxischer Emissionen gestorben. (apa/red)