Justiz

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: "Michael Tojner war die treibende Kraft"

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den Investor Michael Tojner und weitere 15 Personen. Laut Medienberichten ist vom Verdacht auf schweren Betrug und Untreue, Fälschung von Beweismitteln und Bilanzfälschung sowie gewerbsmäßige Abgabenhinterziehung die Rede. Auch gab es diese Woche weitere Hausdurchsuchungen.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt in der Causa rund um die Umwandlung der gemeinnützigen burgenländischen Wohnbaugesellschaften Gesfö, Pannonia und Riedenhof in nicht-gemeinnützige Gesellschaften gegen den Investor Michael Tojner und weitere 15 Personen, berichten das Ö1-"Morgenjournal" und der "Standard" unter Verweis auf einen Hausdurchsuchungsbefehl.

Durchsuchungen gehen weiter

Am Dienstag fanden in der Firmenzentrale von Tojner in der Wiener Mariahilfer Straße und in anderen Räumlichkeiten Hausdurchsuchungen statt, auch am Montag und Mittwoch soll es zu weiteren Hausdurchsuchungen bei anderen Personen und Gesellschaften gekommen sein. Aktuell dazu: Razzia in Firmenzentrale von Michael Tojner in Wien - und in zwei Bundesländern >>

Die Anwälte von Tojner, Karl und Stefanie Liebenwein, weisen alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Palette der Vorwürfe reicht in der Causa laut "Standard" von schwerem Betrug und Untreue über Beweismittel- und Bilanzfälschung bis zu gewerbsmäßiger Abgabenhinterziehung.

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WKStA: Tojner "die treibende Kraft"

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft beruft sich laut Ö1 und "Standard" bei ihren Vorwürfen vor allem auf einen ebenfalls beschuldigten Anwalt, der für Tojner als Treuhänder fungiert haben soll. Die WKStA hält Tojner laut Anordnung zur Hausdurchsuchung für "die treibende Kraft" hinter all dem, wenngleich er "nach außen nicht in Erscheinung" getreten sei.

Der Kernvorwurf lautet, dass Tojner sich mit Hilfe von Treuhändern und anderen Personen die gemeinnützigen burgenländischen Wohnbaugesellschaften Gesfö, Riedenhof und Pannonia gesichert habe und dann die Aberkennung der Gemeinnützigkeit vorantrieb, um später beim Verkauf der Wohnungen hohe Gewinne zu lukrieren. Das Land Burgenland sieht sich um 40 Mio. Euro geschädigt und brachte deswegen eine Anzeige gegen Tojner und Vertraute von ihm ein.

Zu diesen Betrugsvorwürfen:
Burgenland zeigt Michael Tojner an - Staatsanwaltschaft ermittelt >>    
Gegenklage: Ton zwischen Michael Tojner und Hans Peter Doskozil verschärft sich >>

Die WKStA wollte gegenüber Ö1 keine Stellungnahme zu den laufenden Ermittlungen abgeben. Tojner ist Gründer und Mehrheitseigentümer der Industrie-Beteiligungsgesellschaft Montana Tech Components AG (u.a. Aluflexpack, ASTA und Varta) und der Immobilienfirma WertInvest AG.

Tojner will Hochhaus mitten in Wien - gegen alle Widerstände

Das von Tojners Wertinvest betriebene und in Wien sehr umstrittene Bauprojekt am Wiener Heumarkt sorgt seit Jahren für Debatten - konkret geht es um ein kastenartiges, riesiges Hochhaus, das auf dem Areal geplant ist.

Während die Führung der Wiener Grünen das Projekt immer befürwortet hat, laufen sowohl Bürgerinitiativen als auch Architektenvereinigungen dagegen Sturm. Der Denkmalrat Icomos hält sowohl den früheren als auch den zuletzt vorgelegten Entwurf als mit dem Weltkulturerbe Wiens vereinbar. Auch Teile der Politik, vor allem Politiker der ÖVP und FPÖ, üben heftige Kritik an dem Projekt.

Das Hochhaus wurde zwar in der Vergangenheit bereits von 73 auf 66 Meter gestutzt. Aber das der Wiener Innenstadt zuerkannte Prädikat "UNESCO-Weltkulturerbe" bringt es noch immer in Gefahr. Die UNESCO fordert eine maximale Bauhöhe von 43 Metern, seit 2017 befindet sich Wien deswegen auf der Roten Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten. (apa/red)

INDUSTRIEMAGAZIN zu Tojner:
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