Erdgas

Erdgas: Vorgehen der Türkei vor Zypern für die USA "hochprovokativ"

Die USA fordern die Türkei zum Stopp ihrer Bohrpläne vor der Küste des EU-Mitglieds Zypern auf. Die Türkei hat mehrmals Schiffe des Westens an der Exploration von Erdgasfeldern gehindert - auch mit Kriegsschiffen. Jetzt warnt auch die EU die Türkei.

Die USA haben die Türkei aufgefordert, von umstrittenen Öl- und Gasbohrungen vor Zypern abzusehen. Die Vereinigten Staaten seien tief besorgt über die angekündigte Absicht der Türkei, Bohrungen in den Gewässern vorzunehmen, die Zypern für sich beanspruche, teilte das Außenministerium in Washington mit.

Die Türkei hatte die Probebohrungen in den umstrittenen Gasfeldern angekündigt. Während Zypern und die EU die Pläne verurteilten und darin eine Verletzung des zypriotischen Wirtschaftsraums sehen, wies die Türkei jegliche Einwände zurück. Das Außenministerium in Ankara erklärte, es habe das Recht, dort zu bohren. Es warf umgekehrt Zypern vor, die "unveräußerlichen Rechte der türkischen Zyprioten" zu missachten, die "Mitbesitzer" der Bodenschätze der Insel seien.

Washington: "Dieser Schritt ist hochprovokativ"

Dieser Schritt der Türkei sei hochprovokativ und berge das Risiko, die Spannungen in der Region zu erhöhen. Alle Beteiligten sollten mit Zurückhaltung agieren. Zuvor hatten sich bereits die EU und Zypern kritisch geäußert. Zypern ist EU-Mitglied.

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Die Türkei bohrt bereits westlich von Zypern

Ein türkisches Bohrschiff nimmt seit dem vergangenen Freitag bereits Probebohrungen innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone Zyperns vor. Die Bohrungen finden 60 Kilometer westlich der Insel statt, und zwar ohne Genehmigung der Regierung von Zypern.

Die zypriotische Regierung hat angekündigt, sich mit internationalen Haftbefehlen gegen die Besatzung dieses Schiffes wehren zu wollen. Das kündigte der zypriotische Staatssekretär Vassilis Palmas im zypriotischen Radiosender Active an. Zypern werde das Thema illegaler türkischer Bohrungen auch beim EU-Gipfel am 9. Mai in Bukarest auf die Tagesordnung bringen, hieß es vom zypriotischen Außenministerium.

Auch EU warnt die Türkei

Die Europäische Union hat die Türkei aufgefordert, nicht vor Zypern nach Öl und Gas zu bohren. Die Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU appelliere "dringend" an die Türkei sich zurückzuhalten. Ansonsten werde die EU "auf jede illegale Tat, die die Rechte Zyperns verletzt, angemessen reagieren".

Mogherini verwies darauf, dass der Europäische Rat schon im vergangenen Jahr das "fortgesetzte rechtswidrige Verhalten" der Türkei im Mittelmeer verurteilt habe. Zyperns Außenministerium warf der Türkei Provokation und eine "schamlose Verletzung" der Souveränität Zyperns vor. Weiter hieß es, das EU-Land habe "alle notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Situation anzugehen".

Vor wenigen Wochen hat Frankreich angekündigt, seine militärische Zusammenarbeit mit Zypern auszubauen. Im März waren zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage französische Kampfbomber des Typs Rafale bei Manövern über der Insel im östlichen Mittelmeer im Einsatz.

Riesige Erdgasfelder

Die Regierung in Zypern hat seit der Entdeckung großer Gasfelder vor der Küste der Insel mit ausländischen Konzernen wie Eni aus Italien, Total aus Frankreich und ExxonMobil aus den USA Verträge zur Erforschung der Vorkommen geschlossen. Die Türkei lehnt aber eine Ausbeutung der Gasvorkommen in der Region ab, wenn nicht die Türkische Republik Nordzypern daran beteiligt wird. Daher gibt es seit langem Spannungen mit Nikosia.

Türkei hält den Nordteil der Insel seit 1974 militärisch besetzt

Die Türkei hält den Nordosten der Insel seit 1974 militärisch besetzt, die alteingesessenen griechischen Bewohner der Insel sind vom Nordteil gewaltsam vertrieben worden. Die im Norden der Insel gegründete "Türkische Republik Nordzypern" wird außer der Türkei von keinem Staat weltweit anerkannt. (dpa/afp/apa/red)

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