Erdgas

Erdgas: Türkei lässt Streit vor der Küste des EU-Mitglieds Zypern eskalieren

Die Türkei blockiert die Exploration eines riesigen Erdgasfeldes vor den Küsten des EU-Mitglieds Zypern, dessen Nordhälfte Ankara seit den 1970er Jahren militärisch besetzt hält. Jetzt kündigt Europa harte Maßnahmen gegen das Vorgehen der Türkei an.

Der EU-Gipfel hat der Türkei mit harten Strafmaßnahmen im Streit um Öl- und Gasbohrungen vor Zypern gedroht. Der Gipfel habe Zypern volle Solidarität versichert, sagte EU-Ratspräsident Donald Tuskfrüh in Brüssel.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker kündigte an, die EU-Kommission werde Optionen für Maßnahmen der EU gegenüber der Türkei vorlegen. "Das werden keine weichen Maßnahmen sein", so der EU-Kommissionspräsident. "Was die Türkei in den Hoheitsgewässern von Zypern macht, ist inakzeptabel", betonte Juncker.

Die Türkei schickt ein weiteres Bohrschiff vor die Küste des EU-Mitglieds Zypern

Die Türkei hat für die Suche nach Erdgas ein weiteres Schiff ins östliche Mittelmeer entsandt - und dürfte damit einen Konflikt mit Zypern und Griechenland weiter anheizen. Die "Yavuz", die am Donnerstag ausgelaufen ist, solle ab Anfang Juli für drei Monate in 3.300 Metern Tiefe bohren, sagte Energieminister Fatih Dönmez laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

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Gebohrt wird vor der Mittelmeerinsel Zypern. Dort arbeiten schon zwei weitere türkische Schiffe innerhalb der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Zypern. In ihrer AWZ hat Zypern das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Ressourcen. Eines der türkischen Schiffe hat bereits Probebohrungen nach Erdgas vorgenommen.

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Zypern und Griechenland fordern Reaktionen Europas

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades forderte beim EU-Gipfel am Donnerstag neben einer klaren Verurteilung der türkischen Aktivitäten auch Sanktionen, zum Beispiel das Einfrieren aller Gespräche zur Erweiterung der Zollunion. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras schloss sich dem an. Griechenland ist eine Garantiemacht für die geteilte Insel, die EU-Mitglied ist. 70 Prozent der Zyprioten haben zudem griechische Wurzeln. Sie leben vornehmlich im Süden der Insel.

Im jüngsten Entwurf der Gipfel-Schlussfolgerungen hieß es, die EU sei bereit, angemessen auf die illegalen Aktivitäten der Türkei zu reagieren.

Türkei will internationales Recht nicht akzeptieren

Die Türkei wehrt sich gegen die Kritik. Ihrer Meinung nach hat die Türkei als Land mit der längsten Küste ebenfalls Anspruch auf die Meeresgegend. Sie sieht sich auch als Anwalt der türkischen Zyprioten im Norden der Insel, der von türkischen Truppen besetzt ist.

In den vergangenen Jahren hatten Erdgaskonzerne im Auftrag der Republik Zypern westlich der Insel reiche Erdgasvorkommen entdeckt. Die Suche geht weiter. Ankara lehnt die Aktivitäten ab, weil sie angeblich ohne die Zustimmung der in Zypern lebenden Türken vorgenommen würden.

Nordteil der Insel seit 1974 militärisch besetzt

Die Türkei hält den Nordteil der griechisch geprägten Insel seit 1974 militärisch besetzt. Die nach dem Einmarsch türkischer Truppen gegründete Republik Nordzypern ist international von keinem Land anerkannt. Eine Lösung des Konflikts ist jahrzehntelang gescheitert.

(red mit apa/dpa)