Energieversorger

Eon: Die Energiewirtschaft steht in der Krise relativ gut da

Der deutsche Energieriese Eon profitiert von der Übernahme seines Wettbewerbers Innogy, obwohl dessen Eingliederung teuer ist. Die Coronakrise kann dem Versorger offenbar nicht viel anhaben - die Energiewirtschaft sei weiterhin in einer vergleichsweise guten Position, meint dazu Finanzvorstand Marc Spieker.

Der deutsche Energieversorger Eon hat im Tagesgeschäft im ersten Quartal von der Übernahme des Konkurrenten Innogy profitiert. Die höheren Kosten für die Integration zusammen mit weiteren negativen Effekten drückten den Konzern jedoch unter dem Strich in die Verlustzone. Die Coronapandemie hatte in den ersten drei Monaten nur einen begrenzten Einfluss.

Eon sieht dabei die Energiewirtschaft in einer vergleichsweise guten Position und bestätigte seine Jahresprognose, wobei sich Finanzvorstand Marc Spieker etwas vorsichtiger zeigte. Die Aktie legte daraufhin um fast drei Prozent zu.

Jahresprognose bestätigt

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel auf knapp 1,5 Mrd. Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Der Umsatz wurde mit 17,7 Mrd. Euro fast verdoppelt. Allerdings sind die Zahlen kaum miteinander vergleichbar. So ist Innogy erst seit Ende September vergangenen Jahres voll bei Eon konsolidiert. Dazu wird noch der Teil der Erneuerbaren Energien heuer an die frühere Innogy-Mutter RWE übertragen. Seine eigenen Geschäfte mit den Erneuerbaren hat Eon als Teil der groß angelegten Transaktion bereits mit 1. Oktober an RWE übergeben.

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Auf einer vergleichbaren Pro-forma-Basis waren die Zahlen jedoch gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig, wie Spieker in einer Analystenkonferenz erläuterte. Das neue Kerngeschäft (Netze und Vertrieb) wurde im ersten Quartal durch die warme Witterung mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belastet, hieß es. So bekam Eon eine geringere Nachfrage im Erdgas- und Wärmegeschäft zu spüren.

Nachfrage nach Energie sinkt

Die Coronapandemie wirkte sich zunächst nur begrenzt aus. Eon musste ursprünglich für Kunden beschaffte Strommengen zu deutlich niedrigeren aktuellen Großhandelspreisen in Folge der Coronaverwerfungen an den Energiemärkten verkaufen. Dies betreffe das erste Quartal zunächst nur in geringem Umfang. Das Unternehmen geht jedoch von einem niedrigeren Bedarf für das Gesamtjahr aus und rechnet in diesem Zusammenhang mit einer Belastung im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Eine veränderte Zahlungsmoral der Kunden im Zusammenhang mit Corona sieht Spieker noch nicht. So gebe es derzeit keine Verzögerungen oder Ausfälle.

Innogy legte ebenfalls seine Zahlen für das erste Quartal vor und berichtete wegen des warmen Wetters ebenfalls von einer deutlich niedrigeren Gasnachfrage. Zudem habe Innogy gestiegene Netzentgelte und Großhandelspreise für Strom noch nicht voll an die Kunden weitergeben können. Innogy verzeichnete daher im Vertrieb ein niedrigeres bereinigtes Ebit als im Vorjahr. Auch im Netzgeschäft ging das Innogy-Ergebnis zurück, bedingt durch den Verkauf des tschechischen Gasgeschäfts.

Erneuerbaren-Sparte wird an RWE übertragen

Unter dem Strich fiel bei Eon ein Verlust von 327 Mio. Euro an, nach einem Gewinn von 387 Mio. Euro vor einem Jahr. Hier belasteten Kosten für die Integration von Innogy. Dazu kamen negative Effekte aus der Marktbewertung von Derivaten, mit denen das Unternehmen Preisschwankungen absichert. Bereinigt um diese und weitere Effekte steigerte Eon seinen Nettogewinn um 6 Prozent auf 691 Mio. Euro.

Den Jahresausblick bestätigte Eon. Das bereinigte Ebit soll 3,9 bis 4,1 Mrd. Euro und der bereinigte Konzernüberschuss 1,7 bis 1,9 Mrd. Euro betragen. Dies wäre ein deutlicher Gewinnanstieg im Vergleich zum Vorjahr. Jedoch zeigte sich Eon für sein Vertriebsgeschäft etwas pessimistischer, weswegen Spieker insgesamt davon ausgeht, das untere Ende der Prognosespanne zu erreichen. Die Folgen der Coronapandemie für die Energiewirtschaft seien nach dem ersten Quartal dabei noch nicht vollständig zu beurteilen.

Eon kündigte zudem weitere Investitionen an. So will der Konzern zusätzlich 500 Mio. Euro in die klimafreundliche Modernisierung von Energieinfrastrukturen stecken. (dpa-afx/apa/red)