Außenhandel

(1) Das sagen Österreichs Exporteure

Österreichs Wirtschaft rechnet mit mehr Unsicherheit bei den Geschäften mit dem Iran - zeigt sich aber sonst abwartend. Von Außenministerin Kneissl kommt Kritik. Die Oberbank, erste europäische Bank mit einem Kreditabkommen mit dem Iran, hat bisher noch keinen einzigen Kredit vergeben.

Die heimischen Firmen, die im Iran tätig sind, zeigen sich nach dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Atomdeal und der Ankündigung neuer Sanktionen durch Washington abwartend. Das hat eine Blitzumfrage der Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer ergeben, wie diese mitteilte. Klar sei, dass die Unsicherheit für im Iran tätige Firmen durch den angekündigten Ausstieg aus dem Iran-Deal zunimmt.

Etwa 50 heimische Betriebe vor Ort

Rund 50 Austro-Unternehmen haben Niederlassungen im islamischen Staat mit 80 Millionen Einwohnern. Jetzt sei es wichtig, die Details und deren Auswirkungen zu analysieren und abzuwarten, wie die anderen Vertragsparteien reagieren werden, so der Außenwirtschaftschef der Wirtschaftskammer (WKÖ), Michael Otter. "Die Überlegungen der Unternehmen reichen vom sofortigen Stopp der Iran-Aktivitäten bis hin zu einem möglichst langen Aktiv-Sein im Rahmen des neuen Sanktionskorsetts", berichtet Otter.

"Nach der Lockerung der Sanktionen hat sich eine nicht so schnelle Entwicklung ergeben, wie diese manche prognostiziert oder erhofft hatten", sagte der Nahost-Zuständige Außenwirtschafter der WKÖ, Rudolf Thaler, erst gestern im Gespräch mit der APA. Aktuell dazu: Industrieverbände: "Legales Irangeschäft weiter möglich" >>

WKÖ: Unsicherheit im Handel mit dem Iran hält schon länger an

Bei europäischen wie österreichischen Unternehmen herrschte bereits vor der Entscheidung des US-Präsidenten Unsicherheit, inwieweit sie mit Blick auf ihr US-Engagement gegen aktuelle wie eventuell zukünftige Sanktionen verstoßen, so die WKÖ.

Auch nach Lockerung der Sanktionen agierten Unternehmen vorsichtig und bearbeiteten den Markt teilweise "low profile": So wurden beispielsweise Messen nur besucht und Projekte nacheinander abgearbeitet. Keinesfalls möchten am amerikanischen Markt tätige Unternehmen ihr größeres US-Geschäft gefährden.

Heimische Exporte in den Iran zuletzt stark angestiegen

Grundsätzlich sei der Iran ein wichtiger Markt für Österreich, betonte Thaler. Zuletzt stiegen sowohl die gegenseitigen Exporte und Importe. Die heimischen Ausfuhren stiegen von 2016 auf 2017 um gut neun Prozent auf 301 Mio. Euro, die Einfuhren stiegen um 18 Prozent auf 119 Mio. Euro.

Österreich führte vor allem Maschinen und Fahrzeuge aus (111 Mio. Euro). Dahinter folgten chemisch/medizinisch/pharmazeutische Produkte (97 Mio. Euro). "Ein Status Quo, das heißt das neuerliche Erreichen der 300-Millionen-Euro-Exportmarke, wäre unter der neuen Konstellation für 2019 ein rot-weiß-roter Erfolg", so die WKÖ. (apa/red)

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